Warum die SVP-Frauen abwinken

Auf dem Bundesratsticket der SVP wird wohl keine Frau stehen. Die Nationalrätinnen Natalie Rickli und Nadja Pieren sagen, warum das so ist – und warum sie selbst nicht kandidieren.

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Vieles liegt noch im Dunkeln, aber eines scheint bereits klar: Auf dem SVP-Bundesratsticket wird keine Frau stehen. Die ewige Kandidatin Rita Fuhrer hat den Avancen ihrer Partei eine Absage erteilt. Der Name der Zürcher Alt-Regierungsrätin fällt zwar immer wieder, wenn die SVP ein prestigeträchtiges Amt zu vergeben hat. Doch Fuhrer hat sich aus der Politik zurückgezogen – und möchte es dabei belassen.

Damit hat die mit Abstand grösste Partei der Schweiz keine valable Kandidatin für den Bundesrat. Mehr Regierungsverantwortung zu übernehmen, heisst in der SVP anno 2015: Die Männer regeln das. SVP-Frauen-Präsidentin Judith Uebersax bedauert das. Der Grund dafür sei, «dass Frauen sehr themenbezogen politisieren», sagte sie in der SRF-Sendung «10 vor 10». Um Bundesrätin zu werden, müsse man aber «die ganze Themenbreite vertreten».

Diese Argumentation findet Natalie Rickli falsch. «Das Gegenteil ist der Fall: Wer sich in gewissen Themen profiliert, fällt auf. Und das ist nötig, um überhaupt als Bundesratskandidatin ins Auge gefasst zu werden», sagt die bekannteste Nationalrätin der Volkspartei auf Anfrage. Eine Kandidatur der Zürcherin wäre parteiintern chancenreich. Doch sie winkt ab: «Das kommt im Moment nicht infrage. Ich schätze die wenige Freizeit, die ich habe. Die Kombination aus Beruf und Nationalratsmandat stimmt für mich.»

Auch SVP-Vizepräsidentin Nadja Pieren widerspricht der Präsidentin der SVP Frauen. «Jeder Politiker muss sich auf seine Kernthemen fokussieren – unabhängig vom Geschlecht. Das ergibt sich durch die Arbeit in den Kommissionen automatisch.» Die Berner Nationalrätin kann sich wegen beruflicher Verpflichtungen und aufgrund ihres mit 35 Jahren jungen Alters ebenfalls nicht vorstellen, für den Bundesrat zu kandidieren.

Sie fühlten sich nie gebremst

Dass Frauenkarrieren in der auch bei Wählerinnen zunehmend beliebten Partei rar sind, führt Fuhrer im Fernsehbeitrag auf Geschlechterunterschiede zurück: In der SVP seien die Männer es gewohnt, einen Führungsanspruch zu haben, während sich die Frauen nicht dagegen wehrten. Um sich in der Partei politisch zu behaupten, brauche es Standfestigkeit und Selbstbewusstsein. «Bei den Jungen sieht das aber schon anders aus – das beobachte ich mit Freude.»

Für die beiden Mittdreissigerinnen Rickli und Pieren ist diese Wahrnehmung denn auch eine Generationenfrage. Nie hätten sie sich gebremst gefühlt, nie hätten sie Probleme gehabt, sich parteiintern durchzusetzen. Noch immer sei die Politik zwar eine Männerdomäne, in der Alphatiere um Macht buhlten, aber: «Frauen, die in unserer Partei Karriere machen wollen, können das», sagen sie unisono.

Ein parteiinternes Frauenförderprogramm lehnen sie daher strikt ab. Fähige Politiker müssten wegen ihrer Kompetenz und nicht wegen des Geschlechts gefördert werden, ist Rickli überzeugt. «Wir wollen keine Quotenfrauen.» Und Pieren findet: «Lieber stehen zehn qualifizierte Männer als eine Quotenfrau auf der Kandidatenliste für den Bundesrat.»

Trotzdem: Linke und Mitteparteien bekunden weniger Mühe als die SVP, fähige Frauen für die Bundesratswahlen aufzustellen. Eine ideologische Frage also? Nein, sagt Pieren. Vielmehr zeige sich dabei das generelle Dilemma ihrer Partei bei der Kandidatensuche: «Die meisten der SVP-Parlamentarier sind Milizpolitiker. Der Wechsel in die Regierung wäre für sie mit grossen beruflichen Veränderungen verbunden. Für die Berufspolitiker der Linken wäre das dagegen eine kleinere Umstellung.» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 30.10.2015, 15:37 Uhr

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