ÖV führt Frühbucherrabatt ein

Der öffentliche Verkehr trumpft mit einigen Neuerungen auf: Neben Frühbucherrabatt kommen neue Perronanzeigen. Nur die Preise bleiben gleich.

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Die Schnellsten fahren am günstigsten: Die öffentlichen Verkehrsbetriebe führen im September eine neue Spar-Tageskarte mit Kontingenten ein. Das Billett, das nur via Internet und Handy gekauft werden kann, ersetzt den 9-Uhr-Pass und Rabatt-Tageskarten im Multipack.

Zu haben ist die neue Tageskarte mit Halbtax-Abonnement ab 29 Franken und ohne Halbtax ab 52 Franken, wie die Tarifgemeinschaft Direkter Verkehr Schweiz (ch-direct) am Donnerstag mitteilte. Gekauft werden kann die Karte frühestens 30 Tage vor der geplanten Reise.

Je nach Reisetag sind die Kontingente unterschiedlich gross. Wer früher kauft, erhält die Karte günstiger. ch-direct-Sprecher Roger Baumann sagte auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda weder etwas zur Höhe der Kontingente noch zum allfälligen Höchstpreis.

Kein 9-Uhr-Pass mehr

Mit Sicherheit werde der Preis mit dem Halbtax-Abonnement aber nicht höher sein als die 75 Franken, die für eine normale Tageskarte für die 2. Klasse mit Halbtax-Abonnement bezahlt werden müssten, sagte Baumann. Bald nicht mehr geben wird es hingegen zwei andere Billett-Typen: die ab 9 Uhr gültige Tageskarte und die Tageskarten im Multipack. Beide werden zum Fahrplanwechsel im Dezember abgeschafft. Weiterhin angeboten werden die Tageskarten ohne Rabatt und auch die verbilligten Tageskarten, die Gemeinden abgeben können.

Mit der Neuerung werde den Anliegen von Kunden sowie Konsumentenorganisationen Rechnung getragen, schreibt ch-direct. Die Stiftung für Konsumentenschutz (SKS) nennt das Angebot aber in einem Communiqué «nicht wirklich attraktiv» und spricht von «zwei schwerwiegenden Nachteilen».

Dass man sich möglichst schon einen Monat im Voraus auf eine Reise festlegen müsse, entspreche nicht dem Mobilitätsverhalten der heutigen Gesellschaft, schreibt sie. Viele Freizeitreisende würden sich kurzfristig für einen Ausflug entscheiden.

Freizeitverkehr fördern

Nachteilig ist aus Sicht der SKS auch, dass die neue Spar-Tageskarte ohne Online-Zugang nicht gekauft werden kann. Vor allem ältere Menschen blieben damit ausgeschlossen. ch-direct-Sprecher Baumann widerspricht: Die Behauptung, dass Ältere nicht mit dem Internet umzugehen wüssten und kein Handy hätten, sei nicht belegt.

Positiv ist in den Augen der SKS aber doch, «dass Reisende tatsächlich die Chance haben, zu einer günstigen Tageskarte zu kommen». Auch dass das neue Angebot ohne Halbtax genutzt werden kann, stellt die Konsumentenschützer zufrieden. Nicht Billig-Angebote von Fernbus-Unternehmen hätten die Tarifgemeinschaft bewogen, das neue Ticket zu lancieren, sagte Baumann: «Es geht darum, den Freizeitverkehr zu fördern und ein attraktives Angebot zu schaffen.»

Im nächsten Jahr soll laut ch-direct eine weitere Neuerung folgen: ein Ausflugs-Abonnement mit einem Set von 20 oder 30 «Generalabonnement»-Tagen. Genutzt werden kann dieses Angebot mit dem Halbtax-Abonnement.

Keine nationale Preiserhöhung

Die Tarifgemeinschaft gab am Donnerstag ausserdem bekannt, dass die ÖV-Branche im kommenden Jahr auf nationaler Ebene die Fahrpreise nicht erhöhen werde. Die höheren Trassenpreise hätten mit dem Fahrpreisanstieg vom Dezember 2016 zwar nicht vollständig kompensiert werden können, schrieb ch-direct.

Dank Kostensenkungsmassnahmen und Effizienzsteigerungen in der Branche könne aber doch auf Preiserhöhungen verzichtet werden - vorderhand. Die Stiftung für Konsumentenschutz begrüsst den Verzicht auf höhere Billettpreise. Die Versprechungen der SBB und der öffentlichen Branche würden damit eingehalten. Im Dezember ist die Enkel-Karte, mit der Enkel mit ihren Grosseltern vergünstigt unterwegs sein können, eine Kinder-Mitfahrkarte geworden: Damit können Kinder ab 6 Jahren nicht nur mit Grosseltern, sondern auch mit Onkel oder Tante, Nachbarn oder Tageseltern preisgünstig reisen. Die Begleitpersonen müssen über 16-jährig sein.

SBB führt neue Perronanzeige ein

Mit einer neuen Generation von Perronanzeigen will die SBB die Kunden besser und gezielter über die Situation im Bahnbetrieb informieren. Heute wurden die ersten Anzeiger in Freiburg installiert.

Neue Anzeigen: Die SBB will Kunden besser informieren. (Video: Tamedia/sda)

Der neue Bildschirm ist in zwei Abschnitte unterteilt und deshalb flexibel einsetzbar. Der linke Teil bleibt statisch, während der rechte periodisch wechselt. Zwei bis vier verschiedene Anzeigen können sich in Abständen von rund 15 Sekunden abwechseln, wie die SBB in einer Mitteilung schreibt.

Effizienz soll gesteigert werden

Damit ist es möglich, Informationen zu Störungen, über die nächsten Züge oder geplante Baustellen anzuzeigen. Auch Gleisänderungen würden auf diese Weise kommuniziert, was hörbehinderten Menschen zu gute kommen soll. Die neuen Anzeiger werden nach und nach die mechanischen Fallblattanzeiger ersetzen, von denen es schweizweit noch 800 gibt. Die übrigen Bildschirme mit LCD-Technologie sollen am Ende ihrer Lebensdauer ersetzt werden.

Bis Ende 2018 will das Bahnunternehmen auf der Ost-West-Achse 180 neue Anzeiger installieren, zuerst in den Bahnhöfen in Gossau SG, Flawil SG, Uzwil SG, Genf und am Flughafen Genf. Laut eigenen Angaben steigert die SBB mit den neuen Perronanzeigern auch die Effizienz. Die Beschaffungs- wie auch die jährlichen Betriebskosten seien tiefer als bisher. (sep/sda)

Erstellt: 13.07.2017, 17:03 Uhr

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