Die kriminellen Kunden der HSBC Schweiz

Ein Datenleck zeigt, dass Klienten des Schweizer Ablegers der zweitgrössten Bank der Welt in Geldwäschereiaffären, Terrorfinanzierung, Drogen- oder Waffenhandel involviert waren.

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Der Schweizer Ableger der Grossbank HSBC verwaltete bis 2006 Dutzende ­Millionen Dollar für saudiarabische ­Geschäftsleute, die seit 2001 unter dem Verdacht standen, Osama Bin Laden Geld gespendet zu haben. Die Bank führte auch Konten einer Crystal-Meth-Gang in den USA sowie eines Drogenhändlers, der wegen des Transports von 1212 Kilo Kokain zu sieben Jahren ­Gefängnis verurteilt wurde.

Diese und viele weitere problematische Kunden finden sich in Daten, die Informatiker Hervé Falciani 2007 der HSBC stahl und dem französischen Fiskus übergab. Von dort gelangten die Informationen zu «Le Monde». Die Zeitung lancierte letzten September mithilfe des International Consortium of Investigative Journalists (ICIJ) eine weltweite ­Recherche. Unter dem Stichwort «Swissleaks» veröffentlichen heute über 140 Journalisten in mehr als 40 Ländern die Resultate. In der Schweiz beteiligen sich «Tages-Anzeiger», «Der Bund», «SonntagsZeitung», «Le Matin Dimanche», «L’Hebdo» und «Le Temps».

Nur ein Bruchteil war versteuert

Die Kundendossiers bestätigen, dass die HSBC 2007 aktiv bei der Hinterziehung von Steuern half, wie andere Banken ­damals auch. Ermittlungen zeigten, dass von 2846 französischen HSBC-Kunden nur 6 dieses Geld auch versteuerten – das sind 0,2 Prozent.

Zum ersten Mal ist es für Journalisten auch möglich, nachzuprüfen, wie eine Schweizer Bank mit jenen Kunden umging, bei denen es nebst Steuern womöglich auch um Waffen, Drogen und Blutdiamanten ging. Die Daten zeigen: Viele solcher Hochrisikokunden waren bei der Bank willkommen.

Waffen für Rebellen, Handel mit Blutdiamanten

So findet sich ein Konto der afrikanischen Firma Katex Mines, die im Bürgerkrieg von Liberia Waffen an Rebellen ­lieferte, in deren Reihen Kindersoldaten kämpften. Und: Die HSBC verwaltete Millionenvermögen für teils verurteilte Händler von Blutdiamanten sowie für Dutzende Spitzenpolitiker und Mitglieder von Herrscherfamilien aus korrupten Ländern. Die Liste ist lang.

Der Zürcher Ex-Staatsanwalt und Compliance-Experte David Zollinger sagt, die Schweiz habe im Vergleich sehr strenge Geldwäschereinormen. Solche Fälle würden aber zeigen, dass es damit nicht getan sei. Vielmehr entscheide die Umsetzung dieser Normen über das ­Resultat. Die Schweiz habe genauso schwere Probleme mit Geldwäscherei wie die anderen Finanzplätze auch. Es stelle sich aufgrund der HSBC-Fälle die Frage, ob die internen Kontrollen verschärft werden müssten.

«Radikale Transformation»

Die HSBC Schweiz anerkennt in einer Stellungnahme, dass die «Kultur der Compliance» und die Standards der Due Diligence bei der HSBC und anderen Schweizer Banken im Jahr 2007 «deutlich tiefer» lagen als heute. Die HSBC ­betont, sie habe seit 2012 in der Schweiz eine «radikale Transformation» voll­zogen. Zwei Drittel der Konten seien ­geschlossen worden. Alle Bargeldbezüge von über 10'000 Dollar unterlägen nun einer «strikten Kontrolle». Die HSBC stellte ihre Position vorsorglich bereits gestern öffentlich dar. Schweizchef Franco Morra sagte in der «NZZ am Sonntag»: «2007 war die HSBC Schweiz eine andere Bank als heute».

Die Probleme des Geldhauses dauern jedoch an. Seit letztem Herbst laufen in mehreren Ländern Verfahren wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung. Und die Bankenaufsicht Finma hat in den letzten zwei Jahren zwei «umfassende Verfahren bei der HSBC» geführt, wie Sprecher Tobias Lux bestätigt. «Wir stellten dabei fest, dass die Bank gegen die Geldwäschereibestimmungen verstossen hat.»

(Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 08.02.2015, 21:58 Uhr)

Umfrage

Unternimmt die Schweiz genug gegen Geldwäscherei?

Ja.

 
35.7%

Nein.

 
64.3%

1508 Stimmen


Swissleaks

Seit September 2014 analysieren rund 140 Journalisten Kundendaten der Privatbank HSBC Schweiz. Federführend ist das Inter­national Consortium of Investigative Journalists (ICIJ). Ab dem 9. Februar 2015 publizieren über 40 Medien ihre Recherchen, darunter «Le Monde», «Süddeutsche Zeitung», «Guardian», BBC und CBS. In der Schweiz sind der «Tages-Anzeiger», «Der Bund», «SonntagsZeitung», «Le Matin Dimanche», «L’Hebdo» und «Le Temps» beteiligt. Die Schweizer Recherchen werden auch auf www.swissleaks.net veröffentlicht.

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