«Nein, ich bin nicht verrückt»
Von Matthias Chapman, Jan Derrer, Davos. Aktualisiert am 26.01.2012
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Winters ist ein Kaff im Norden Kaliforniens. Dort wuchs Dale Stephens als Einzelkind einer Primarlehrerin und eines Ingenieurs auf. Mit 12 Jahren war seine Geduld in und mit der Schule bereits zu Ende: «Ich war so gelangweilt», erzählt der junge Mann in einem Davoser Kaffee. Nichts Besonderes würde man meinen, so manch einem Spross dürfte der Schulalltag nicht behagen.
«Not Back to School Night», las er da eines Tages auf einem Plakat. Das war dann der Anfang vom Ende seiner offiziellen Schulkarriere. «Wir waren plötzlich eine ganze Gruppe von jungen Leuten aus der Region mit der gleichen Idee», so Stephens. Und die hiess «Homeschooling» (Schule zu Hause). Mithilfe von Bibliotheken und dem Internet nahmen sie die Bildung selber an die Hand. In Kalifornien war dies möglich: «Die Eltern mussten einfach eine Bescheinigung unterschreiben, dass ich lernte.»
In der «New York Times»
Inzwischen sind acht Jahre vergangen und aus dem Schulaussteiger Stephens ist ein Unternehmer geworden. Zwar hatte er es auch an der Universität nochmals versucht, mit demselben Resultat: Abbruch. Die «New York Times» und andere bekannte Medien wurden auf ihn aufmerksam, er jettet um die Welt, tritt an Podiumsveranstaltungen auf – und schreibt nun an einem Buch. «Hacking Your Education», lautet der vielsagende Titel. Nächstes Jahr soll die Schrift auf den Markt kommen; um sie fertigzustellen, hat er sich nach Berlin zurückgezogen. «An einen Ort, wo ich die Sprache nicht kann.» Damit er sich nicht ablenken lässt.
Seine Firma heisst sinnigerweise Uncollege. Und deren Hauptprodukt scheint einzig darin zu bestehen, dass man die Idee des Schuleschmeissens in die Welt hinausträgt. Mit vier Mitstreitern verteilt über Nord- und Südamerika ist er mit der Idee unterwegs. «Ich komme gerade aus München», sagt Stephens. Dort nahm er an einer Technologiemesse teil. Und: «Die ‹Süddeutsche› interviewte mich.» Ein Verteiler mehr für sein unkonventionelles Gedankengut.
Auch Gates schmiss die Uni
Immer wieder während des Gesprächs schaut er auf sein Smartphone. Er scheint ein begehrter Gast zu sein in Davos. Eine Veranstaltung zum Thema «offene Bildung», an der er teilnehmen sollte, wurde zwar abgesagt. Trotzdem ist er nach Davos gereist. Obwohl sie nicht direkt Vorbilder sind für ihn, trifft er hier doch auch auf die Geister, die ihn antreiben. Bill Gates, auch ein Schulabbrecher, allen voran.
Fragt sich bloss, wovon er eigentlich lebt. Herumjetten und Vorträge halten über den Nonsense Schule wird wohl kaum einträglich sein. Stephens ist Profiteur von Peter Thiels Fellowship. Der deutschstämmige Amerikaner machte ein Vermögen mit Paypal und als Investor von Facebook und fördert nun junge Talente, die bereit sind, die Schule für ein eigenes Projekt zu schmeissen.
Blumen verkauft, um über die Runden zu kommen
«Zuerst wollte ich eine transatlantische Billig-Airline gründen», sagt Stephens mit einem Lachen im Gesicht. Aber diese Flause haben die Förderer ihm ausgetrieben. Und von seinem Bubentraum, dem Bauernhof, ist gar nichts übrig geblieben. Zwischendurch verkaufte er Blumen oder half auf einem Biohof aus, um über die Runden zu kommen. Nun hat er sich seiner Schulschmeisser-Idee verschrieben. Nichts Zwingendes, aber auch okay, so hat man das Gefühl.
Sein Weg ist unkonventionell, und seine Vorträge mögen anecken. Aber in eine Ecke drängen lässt er sich nicht: «Nein, ich bin nicht verrückt.» Oft denke er beim Aufwachen am Morgen: «Wie glücklich ich bin.» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 26.01.2012, 18:35 Uhr
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Familie, Beruf und Studium
Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.





