«Minder denkt an eine folkloristische Aktionärsversammlung»

Ulrich Thielemann war Stargast an der Public-Eye-Preisverleihung in Davos. Mit dem WEF geht der Wirtschaftsethiker scharf ins Gericht. Und bezüglich Abzockerinitiative schüttelt er nur noch den Kopf.

Minder suchte seinen Rat: Wirtschaftsethiker Ulrich Thielemann.
Video: Matthias Chapman, Jan Derrer

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«Hier sitzt das Kapital und dessen Agenten», sagt Ulrich Thielemann am Rande der Public-Eye-Preisverleihung in Davos im Interview mit Tagesanzeiger.ch/Newsnet (siehe Video oben). Der deutsche Wirtschaftsethiker und Kapitalismuskritiker ist bekannt für starke Worte. Zwar findet er «manchmal gut», was WEF-Gründer Klaus Schwab sagt, «er steht für eine soziale Marktwirtschaft». Aber mit Kritik am Forum in den Bündner Bergen hält er sich nicht zurück. Ganz schlimm findet er den «Global Competitive Report», der alljährlich vom WEF herausgegeben wird: «Da werden ganze Länder zu attraktiven Standorten für die unstillbaren Wünsche des gierigen Kapitals degradiert.»

Bestens vertraut ist Thielemann mit der Abzockerinitiative von Thomas Minder. «Minder war damals bei mir.» Der heutige Ständerat habe damals bei ihm Rat gesucht. Die Stossrichtung der Initiative geht für den deutschen Professor in die falsche Richtung: «Hätte er mir damals gesagt, er möchte den Aktionären noch mehr Macht geben, damit das Unternehmen auf die Wünsche des Kapitals ausgerichtet ist, dann hätte ich ihm gesagt: ‹Ist Ihnen eigentlich noch gut?›»

Minder denke an eine folkloristische Aktionärsversammlung, wo die Teilhaber aufbegehren und den Verwaltungsrat herausfordern würden. Aber: «Es liegt doch im Interesse des Kapitals, hohe Boni zu zahlen», sagt Thielemann.

Wirtschaftsethiker Thielemann ist in der Schweiz kein Unbekannter. Von 2001 bis 2010 war er Vizedirektor des Instituts für Wirtschaftsethik der Universität St. Gallen. Für Aufregung sorgte er 2009 mit einer Aussage vor dem deutschen Finanzausschuss. Im Zusammenhang mit der Behandlung von Steuerausländern sagte er, in der Schweiz gebe es kein Unrechtsbewusstsein. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

(Erstellt: 24.01.2013, 13:26 Uhr)

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