«Ich arbeite seriöser als andere»

SP-Chef Christian Levrat steht im Parlamentarier-Ranking wieder an der Spitze. Das liege an seinem Einsatz gegen die «neue Härte der Rechten».

Stand schon 2015 an der Spitze des Ratings: Christian Levrat.

Stand schon 2015 an der Spitze des Ratings: Christian Levrat. Bild: Christian Merz

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SP-Parteipräsident und Ständerat Christian Levrat ist der einflussreichste Bundesparlamentarier. Obwohl FDP und SVP in den Wahlen 2015 gestärkt worden sind, konnte sich der Freiburger an der Spitze des Parlamentarier-Rankings der SonntagsZeitung halten.

Herr Levrat, Sie sind als Linker weiterhin der einflussreichste Parlamentarier. Blieb der Rechtsrutsch wirkungslos?
Der Rechtsrutsch bei den letzten Wahlen wirkt sich im Nationalrat sogar sehr stark aus. Der Ton ist massiv rauer geworden, die Rechten drücken ihre Mehrheit in den Kommissionen durch – vielfach ohne vorangehende Diskussion. Was ich nach den Wahlen 2015 vorausgesagt habe, ist aber eingetroffen. Wir haben zwei Instrumente, um die rechte Mehrheit zu bremsen: den Ständerat und dort, wo das die kleine Kammer nicht schafft, das Volk.

Aber auch im Nationalrat kann sich die SP bei wichtigen Themen teilweise durchsetzen.
Ja, aber dafür braucht es harte Arbeit und ein starkes Team. Unsere Fraktion ist in der laufenden Legislatur viel stärker gefordert, um uns der neuen Härte bei Wirtschafts- und Finanzfragen, im Sozialbereich, bei der Bildung und bei der Entwicklungshilfe zu erwehren. Und wir müssen uns mit grossem Mehraufwand gegen die bürgerlichen Departemente wehren. Es ist ein stetiger Kampf, um zu verhindern, dass noch mehr Geld in die Strassen, die Armee und die Landwirtschaft umgeleitet wird.

Sie sitzen in enorm vielen Kommissionen. Ist das bewusste Machtakkumulation?
Ich habe mich ganz bewusst dazu entschieden, neben meinem Parlamentsmandat und dem Parteipräsidium keine weiteren Mandate zu übernehmen. So kann ich mich zu hundert Prozent für meinen Kanton, meine Partei und meine Wählerschaft einsetzen. Ich habe meine Kommissionssitze aber nicht gesucht, sondern ich bin einfach bereit, mich dort einzusetzen, wo es einen Sozialdemokraten braucht. Und ja, ich arbeite seriöser als andere, dafür wurde ich schliesslich gewählt.

Sie sehen also Ihre Seriosität als Grund für Ihren grossen Einfluss im Parlament?
Unser ganzes Team ist bereit, in der laufenden Legislatur noch mehr Einsatz zu bringen. Klar ist aber auch, dass ich als Parteipräsident mehr bewirken kann als ohne dieses Amt. Und natürlich kann ich mich dank der vielen Kommissionssitze stärker einbringen. Hinzufügen muss ich, dass ich in den 14 Jahren als National- und Ständerat in praktisch allen Kommissionen sass. Ich kenne also sehr viele der Parlamentarierinnen und Parlamentarier recht gut.

Dass Sie gut vernetzt sind, erstaunt nicht. Aber dass Sie sich derart oft im Rat zu Wort melden, schon.
Es war mir alles andere als bewusst, dass ich mich in den letzten Jahren im Rat so oft gemeldet habe. Als das thematisiert wurde, habe ich nachgefragt, ob ich tatsächlich mit derart vielen Voten auffalle. Als man mir dies bestätigte, war ich selbst überrascht. Das kommt im Ständerat nämlich nicht gut an. Ich habe mich deshalb an verschiedene Ratskollegen gewandt, die jedoch zum selben Schluss kamen wie ich selbst: Dass es von mir viele Voten im Rat gab, kommt daher, dass ich oft Berichterstatter war.

Sie haben zuvor gesagt, die SP müsse sich stärker gegen bürgerliche Departemente einsetzen. Fordern Sie einen Departementswechsel Ihrer Bundesräte?
Als Partei haben wir kaum Einfluss auf die Departementsverteilung. Das machen die Bundesräte unter sich aus. Ich sehe aber nicht, dass unsere beiden Bundesräte wechseln wollen. Simonetta Sommaruga hat sich als Glücksfall im Justizdepartement erwiesen, ihre Erfolge in den letzten Abstimmungen sprechen für sich. Und Alain Berset wird zwar nachgesagt, dass er ins Aussendepartement wechseln wolle, aber ich sage Ihnen: Hätte Herr Berset Aussenpolitik betreiben wollen, hätte er sich nicht gegen eine Diplomatenkarriere entschieden.

Dann müssten Sie dafür besorgt sein, dass auf Didier Burkhalter ein gemässigter FDP-ler folgt. Ist Ignazio Cassis so einer, oder ist er wegen seiner Rolle bei der Altersvorsorge unwählbar für Sie und Ihre Partei?
Ich äussere mich nicht zu möglichen Bundesratskandidaten. Bekannt ist jedoch, dass ich Differenzen hatte mit Ignazio Cassis wegen dessen Vermischung seiner Rollen als Fraktions- und Kommissionspräsident. Diese Differenzen haben wir in einem Vieraugengespräch beigelegt. Er unterscheidet sich nun wenig von anderen FDP-Parlamentariern. (SonntagsZeitung)

Erstellt: 15.07.2017, 21:45 Uhr

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