Vom lokalen Radiomoderator zum globalen Schönredner

Der Video-Hit «America First – Switzerland Second» hat die Trump-Stimme von Shaun Streeter, 31, aus Florida weltbekannt gemacht.

Die Trump-Stimme hinter «Switzerland Second»: Shaun Streeter imitiert Donald Trump im satirischen Werbevideo. Video: Tamedia

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Alle kämpfen um den zweiten Platz: Seit Donald Trump bei seiner Antrittsrede «America First» proklamierte, produzieren Satiriker aus aller Welt Bewerbungsvideos. Augenzwinkernd stellen sie das jeweilige Land vor und bemühen sich um Rang zwei.

Das Video «America First – Switzerland Second», am zweiten Februar auf Youtube aufgeschaltet, war eines der ersten – und ist eines der erfolgreichsten. Es knackte Ende vergangener Woche die 10-Millionen-Marke und ist seit Tagen das beliebteste Video auf dem Schweizer Youtube-Kanal.

Getextet wurde es vom Team der SRF-Comedy-Sendung Deville, gesprochen wird es von Shaun Streeter aus Florida. Der Amerikaner hat dem Schweizer Video seine perfekt nachgeahmte Trump-Stimme geliehen. Seither kann er sich vor Jobaufträgen kaum mehr retten.

Der 31-jährige arbeitet eigentlich als Radiomoderator beim lokalen Countrysender Kick’n 103.5 in Panama City Beach, Florida. Jetzt verdient er in seiner Freizeit richtig gutes Geld. Wie viel, möchte er nicht verraten. «Aber Trump würde sicher sagen, ich sei ein Loser, weil es noch nicht genug ist.»

Mittlerweile hat Streeter weitere sechs «Second»-Videos vertont. «Ehrlich gesagt habe ich langsam ein Durcheinander mit den Ländern und ihren Besonderheiten», sagt er. Auch Sprech-Aufträge für TV-Spots hat er sich geangelt – und vertont unzählige kleine Aufträge für Fans. «Ich habe Dutzende persönliche Combox-Nachrichten mit meiner Trump-Stimme besprochen.» Erst vor sechs Monaten hat Streeter begonnen, sich hobbymässig Trumps Sprechweise anzueignen. Sein Talent preist er seither auf einer Internetseite an, wo man kreative Freelancer wie Zeichner, Musiker oder eben Sprecher buchen kann. Dort hat ihn das Deville-Team auch ausfindig gemacht.

Er habe sich auch schon an Arnold Schwarzenegger oder Schauspieler Christopher Walken versucht, erzählt Streeter. «Aber das gelang mir nie so gut. Trump ist abgesehen von Bill Clinton meine bisher beste Imitation.»

Stimme der Präsidentengegner

Wie Trump zu sprechen, sei nicht so schwierig. «Ich habe mir angewöhnt, beim Sprechen immer die Hände zu benutzen, wie der Präsident das tut.» Das helfe, «trumpish» zu reden – genauso, wie düster zu blicken und die Lippen zu schürzen. «Vor allem aber muss man alles schönreden. Man kann nie genug Ausdrücke wie terrific, love it, fantastic oder huge einstreuen.»

Weil er die trumpkritischen Videos vertont, ist Shaun Streeter auch zu einer Art Stimme der Präsidentengegner ­geworden. Er verstehe, dass sich die Welt wegen «America First» sorge. Trotzdem bleibe er Idealist. «Ich glaube, dass man hoffnungsvoll bleiben darf, und dass die meisten von uns gute, liebende Menschen verschiedener Rassen, Glaubensrichtungen und Nationen sind, die alle sehr daran interessiert sind, zusammen klarzukommen und sich gegenseitig zu akzeptieren. Schliesslich leben wir alle auf einem Planeten. Deshalb sage ich: ‹People first!›»

(SonntagsZeitung)

Erstellt: 11.02.2017, 23:05 Uhr

Shaun Streeter, 31

Spricht perfekt «trumpish».

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