Wenn es um Energie geht, dann wird hüben und drüben gelogen

Wenn Lobbyverbände Millionen vom Staat bekommen, damit sie uns Windräder als leise und schön verkaufen, dann läuft etwas schief.

Wer einmal durch Holland reiste, der weiss, dass Windräder  hässlich und laut sind und die Landschaft verschandeln.

Wer einmal durch Holland reiste, der weiss, dass Windräder hässlich und laut sind und die Landschaft verschandeln. Bild: Keystone

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Die Debatte über die Energiewende verlief bisher erstaunlich ruhig. Zwar versucht die SVP, etwas Lärm zu machen mit immer neuen Berechnungen über die Kosten der Energiestrategie 2050, doch an die glaubt offensichtlich kaum jemand. Die Meinungen scheinen gemacht, fast scheint es, als käme Bundespräsidentin Doris Leuthard im Schlafwagen zu ihrem bisher grössten Sieg in einer Volksabstimmung. Zu Unrecht, denn auch wenn man für den Ausstieg aus der Atomkraft ist, unproblematisch ist die Vorlage, über die wir in zwei Wochen abstimmen sollen, keineswegs.

Im Gegenteil: Die schier unendliche Liste von Subventionsempfängern ist durchaus ein Grund, um misstrauisch zu werden. Wenn Lobbyverbände Millionen vom Staat bekommen, damit sie uns Windräder als leise und schön verkaufen, dann läuft etwas schief. Wer einmal durch Holland reiste, der weiss, dass das nicht stimmt. Die Dinger sind hässlich, laut und verschandeln die Landschaft, das ist die Wahrheit. Nun hat uns zwar die Atomlobby auch über Jahre mit Propaganda eingelullt. Jene legendären PR-Berater der Agentur Farner, die uns allen Ernstes weis- machen wollten, man müsse künftig KKW und nicht mehr AKW sagen, haben auch Millionen kassiert, die letztlich von staatlichen Institutionen kamen. Und weder Staumauern noch Kühltürme sind schön anzusehen, gefährlich sind sie obendrein.

«Es wird zu einer Milliarden teuren Rettungsübung kommen müssen.»

Gar nicht schön sind zudem die Bilanzen der grossen Energiekonzerne. Mit Ausnahme der Bernischen Kraftwerke (BKW) sehen sie alle sehr schlecht aus. Der Strom, den wir verbrauchen, ist wegen all der Subventionen, die vor allem in Deutschland im grossen Stil schon heute ausgeschüttet werden, viel zu billig. Das wird sich so rasch nicht ändern, ob nun die Energiewende angenommen wird oder nicht. Da wird es zu einer Milliarden teuren staatlichen Rettungsübung kommen müssen. Ob nun mittels eines Kapitaleinschusses, wie von Mitte-links gewünscht, oder unendliche Subventionierung von Wasser und Atomkraft, wie das die SVP will.

Normalerweise haben Urnengänge in der Schweiz zur Folge, dass solche Probleme auf den Tisch kommen und heiss diskutiert werden. Im Moment scheint mir aber, die Öffentlichkeit beschäftigt sich viel stärker mit den Wahlen in Frankreich oder damit, was denn Donald Trump als Nächstes tun wird, um uns zu empören. Das ist zwar sehr wichtig, aber die energiepolitische Wende, über die wir abstimmen, und die Zukunft der Stromwirtschaft sind es auch. In dem Sinn dürfte ruhig noch mehr Leben in die Debatte kommen.

(SonntagsZeitung)

Erstellt: 06.05.2017, 23:05 Uhr

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