Die Schweiz als Sozialfall

Präsident Erdogan verlangt Rechtshilfe von der Schweiz und Prosteste gegen den US-Präsidenten – die Leserbriefe.

«Alte Menschen brauchen keine Hightech-Medizin, 
sie brauchen Menschen, die sie verstehen», Beatrice Landert, Zollikerberg ZH.

«Alte Menschen brauchen keine Hightech-Medizin, sie brauchen Menschen, die sie verstehen», Beatrice Landert, Zollikerberg ZH. Bild: Keystone

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«Die Schweiz wird zum Sozialfall»
SonntagsZeitung vom 22. Januar 2017

Sehr erfreulich, dass das Bundesamt für Sozialversicherungen (BSV) jetzt weiss, dass die zunehmende Bürokratisierung zu viel Ressourcen beansprucht. Und jetzt? Mit grösster Wahrscheinlichkeit wird sich nichts ändern. Die Technokraten halten an ihren bürokratischen Monstern fest und sichern sich so ihre Pfründe. Das lässt sich leicht am Tarpsy zeigen, die ab 2018 in Kraft tretende gesamtschweizerische Tarifstruktur fu?r die stationa?re Psychiatrie. Seit 2010 basteln H+, die Spitäler der Schweiz, die Gesundheitsdirektion des Kantons Zürich und die Hochschule für Angewandte Wissenschaften, Winterthur, an dem Modell herum. Zuletzt unter der Ägide von SwissDRG AG. Trotz Widerstands von sechzehn von sechsunddreissig psychiatrischen Kliniken und der Ablehnung des Modells durch die Pro Mente Sana , dem Verband des Personals öffentlicher Dienste und der Vereinigung Angehörigen psychisch Kranker wird das bürokratische Monster am 1. 1. 2018 in Kraft gesetzt. Mit der mutigen Tat, den unsinnigen Tarpsy zu stoppen, könnte das BSV sein neu erworbenes Wissen punkto überbordender Bürokratie in konkrete Taten umsetzen. Der Applaus dafür von unzähligen bürokratiegeschädigten Institutionen wäre ihm sicher. Bruno Facci, Zürich

Immer noch älter zu werden, hat seinen Preis, die Forschung strebt Unsterblichkeit an, die Kosten des langen Lebens für Alte, aber ebenso für Kinderbetreuung sind gewaltig. Dass 134 000 neue Stellen geschaffen werden sollten, kann als positiv bewertet werden, immerhin werden Menschen Arbeit haben, wenn den Alters- und Kinderbetreuenden vernünftige Ausbildungen geboten würden. So, wie es aber in der Schweiz läuft, wo in der Pflege bald nur noch angestellt wird, wer einen Bachelor-Abschluss hat, ist ein Verhältnisblödsinn. Viele junge Menschen haben die Fähigkeit und das Einfühlungsvermögen, dazu braucht es keine vierjährige Ausbildung, diesbezüglich sollte endlich einmal ein Umdenken stattfinden. Alte Menschen brauchen keine Hightech-Medizin, sie brauchen Menschen, die sie verstehen und zuhören können. Beatrice Landert, Zollikerberg ZH

Ich bin seit gut einem Jahr in einer Ausbildungsinstitution für Spielgruppenleiterinnen tätig. Diese Institution bietet bereits seit über zehn Jahren eine Ausbildung zur Kinderbetreuerin für Frauen mit Migrationshintergrund an. Dies auf Anfrage der Stadt Basel und Institutionen der Stadt Bern. Die Frauen werden modulmässig in einem für sie verständlichen Deutsch zur Kinderbetreuerin ausgebildet, arbeiten nachher in Kinderbetreuungs­einrichtungen verschiedener Art. In den Kursen lernen die Frauen nicht nur die pädagogische Arbeit mit Kindern, sie profitieren auch für ihre eigene Familie und sich selber. Dazu gewinnen sie an Sicherheit. Die Frauen sind begeisterte Kursbesucherinnen, wollen arbeiten und dem Land, welches sie aufgenommen hat, nützlich sein. Es freut mich, dass die Konferenz der Sozialdirektorinnen und -direktoren erkannt hat, welch grosses Potenzial in diesen Menschen vorhanden ist, und nun prüft, wie diese eingesetzt werden könnten und was sie dazu brauchen. Gerade in der Kinderbetreuung sind diese Frauen oft Brückenbauerinnen zu Kindern und Eltern aus anderen Kulturen. Anna Lustenberger, Baar ZG

«Millionen gegen Trump»
SonntagsZeitung vom 22. Januar 2017

Über den einseitigen, negativ geprägten Inhalt in ihrer Zeitung vom 22. Januar 2017– was die Vereidigung des neuen Präsidenten der USA anbetrifft – bin ich enttäuscht. Sie zeigen von der Vereidigung keine Fotos von Melania Trump und den Kindern des neuen Präsidenten; sondern beschränken sich in ihrer Berichterstattung vor allem auf Frauen, die demonstrieren. Carmen Schüttel-Siegel, Ins BE

«Erdogan verlangt Rechtshilfe von der Schweiz – wegen Beleidigung»
SonntagsZeitung vom 22. Januar 2017

Er lässt in seinem Land Tausende von politischen Gegnern unter rechtsstaatlich nicht tolerierbaren Normen einsperren und versucht, dieses «Modell» nun auch noch zu exportieren. Nun soll auch die Schweiz mithelfen, unbequeme Erdogan-Kritiker zu disziplinieren. Wahrscheinlich kennt Autokrat Erdogan die Geschichte des Schweizer Nationalhelden nicht, ansonsten würde er sich hüten. Tell mag ein unbewiesener Mythos sein, trotzdem darf die Schweiz der Neuzeit diesmal die Geschichte adoptieren und das Grüssen des aktuellen Gessler- ­respektive Erdogan-Hutes ebenfalls verweigern. Pascal Merz, Sursee LU

Erdogan verlangt Rechtshilfe von der Schweiz wegen Beleidigung. Seine Aushebelung eines Rechtsstaats und die Abschaffung der Demokratie greift nun auch ins Ausland. Fakt ist, dass das türkische Religionsministerium hierzulande Moscheen und Salafisten-Kreise finanziert. Die türkische Regierung hat dazu eine E-Mail-Adresse in der Schweiz eingerichtet und über die Union Europäisch-Türkischer Demokraten (UETD) mit Sitz in Spreitenbach türkische Innenpolitik importiert. Das Religionsministerium und das Amt für Auslandtürken (UETD), eine staatliche Behörde, ist direkt dem Ministerpräsidenten unterstellt und finanziert diffuse und intransparente Projekte islamistischen und politischen Inhalts. Es wäre angebracht, Strafanzeige gegen das türkische Religionsministerium wegen Verletzung von schweizerischen Hoheitsinteressen gemäss Art. 271 und 272 StGB einzureichen. Roger E. Schärer, Feldmeilen ZH

«Politohr»
SonntagsZeitung vom 22. Januar 2017

Das Ziel müsste sein, die fähigsten Leute in den Bundesrat zu locken. Deshalb würde ich es vorziehen, die Löhne der Bundes­rätInnen zu verdoppeln, anstatt die Löhne der Chefs von SBB und Post zu halbieren. Singapur hat diesen Weg mit Erfolg eingeschlagen. Der Spruch im englischen Sprachraum «If you pay peanuts, you get monkeys» hat nicht ganz unrecht. Peter Graham Lancashire, Bottmingen BL

«Ich gebe beiden einen Kuss und hole ein Messer aus der Küche»
SonntagsZeitung vom 22. Januar 2017

In ihren selbstsüchtigen Erinnerungen erzählt Nathalie K. akribisch alle ihr gegenüber begangenen vermeintlichen und tatsächlichen Ungerechtigkeiten; aber vom Mord selbst weiss sie angeblich nichts mehr – ein immer wieder auftauchendes Phänomen bei Schwerverbrechern. Jürg Röthlisberger, Cham ZG

«Die Teenie-Unternehmer kommen»
SonntagsZeitung vom 22. Januar 2017

Für mich ist es wunderbar, zu sehen, wie das Jungunternehmertum in der Schweiz zelebriert wird. Die Schweiz ist ein innovatives Land, wo Unternehmer auch tatsächlich aufblühen können, ganz besonders wenn sie vom Company Programme von Young Enterprise Switzerland profitieren dürfen. Hat man dieses Glück und bekommt das Programm in der Schule angeboten, bilden sich daraus die besten Voraussetzungen für den Erfolg als zukünftiger Entrepreneur. Wie im Artikel klar wird, ist das Kreieren einer eigenen Firma während eines Schuljahrs eine einmalige Erfahrung, durch welche man selbstbewusst und motiviert zum Erfolg kommen kann. Als ein früheres, langjähriges Mitglied des Verwaltungsrates von YES kann ich sagen, dass es zum Erwecken des Unternehmergeistes in jungen Leuten wirklich nichts Besseres gibt. Debra Ghittini, Pfäffikon SZ

«Verdrehen Sie jetzt nicht die Augen!»
SonntagsZeitung vom 22. Januar 2017

Italiener haben weniger Berührungsängste. Pink ist die Club­farbe des Serie A-Vereins Palermo; selbst die Goalielegende Gianluigi Buffon trug jahrelang einen Pink-Sweater. Im Schweizer Fussball ist die Farbe Pink grandios gescheitert. Das Dress der AC Bellinzona und für kurze Zeit von GC war von einem derart hässlichen Schweinchen-­Rosa, dass sich das Publikum fremdschämte. Daniel Krügel, Muri BE

Erstellt: 08.02.2017, 10:54 Uhr

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