Weniger Einbrüche, schönere Ferien

Wie man sein Haus besser schützen könnte. Eine Kolumne.

Die vermeintlich beste Gelegenheit wäre oft nur eine Falle. Foto: Shutterstock

Die vermeintlich beste Gelegenheit wäre oft nur eine Falle. Foto: Shutterstock

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Ferienzeit ist Einbruchzeit, und Einbrüche ­verursachen riesige materielle und psychische Kosten. Weil konventionelle Strategien gegen Einbruchkriminalität wenig wirksam sind, wird hier ein neuer Ansatz vertreten.

Generell gilt es, die Kosten der Täter zu erhöhen. Dazu sind die heutigen Vorkehrungen von Hausbesitzern und Polizei wenig wirksam. Sicherheitsfenster, Alarmanlagen und Patrouillen erhöhen die Kosten von Einbrechern nicht nachhaltig. Sie erschweren lediglich ihre Arbeit an den gut geschützten Objekten, lenken sie auf weniger gut geschützte und lösen so eine Aufrüstungsspirale aus. Der beste Einbruchschutz besteht heute darin, mehr Schutzaufwendungen als die Nachbarn zu betreiben.

«Autos mit Türen und Hupen, die fest schliessen und Signal geben»

Wie wirkungsvoller Objektschutz funktioniert, zeigt die Mäusebekämpfung. Dafür baut man nicht maussichere Häuser, sondern Fallen. Übertragen auf Einbrecher heisst das, dass Hausbesitzer ihre Häuser nicht zu Festungen ausbauen sollten, sondern zu einladenden Wohnstätten, in die Einbrecher leicht hineinkönnten, aber nicht mehr hinaus. Dafür muss der Schmuck nicht im Tresor, sondern kann wieder offen im Schlafzimmer – mit ausbruchsicherer Schnapptür – aufbewahrt werden. Genauso müssen Autos nicht einbruchsicher sein, sondern Türen und Hupen haben, die fest schliessen und Signal geben, wenn jemand unerlaubterweise Platz nimmt. Solche Techniken würden zu viel mehr Festnahmen führen. Zugleich hätten sie eine hervorragende, allgemeine Abschreckungswirkung. Für Diebe wäre es viel unklarer als heute, ob ein Objekt gut geschützt ist. Denn die vermeintlich beste Gelegenheit wäre oft nur eine Falle.

Die Sicherheitsindustrie bietet noch kaum Fallentechniken an. Bei entsprechender Nachfrage würde sie aber schnell die tollsten Fallen entwickeln. Weshalb aber ist die Fallennachfrage so klein? Heute bringt es Hauseigentümern nur Nachteile, Diebe zu fangen. Weit weniger Ärger bringt, sie abzuschrecken und auf andere Opfer zu lenken. Deshalb sollte Hausbesitzer und Mieter vom Staat einen «Fanggulden» als Anreiz erhalten, Diebe zu fangen. Mit der schnell steigenden Fallenzahl würde das Einbrechen unattraktiv, und die verbleibenden Täter wären schnell gefasst. So würden sich viele staatliche Ausgaben für Polizei und Gefängnisse erübrigen. Gleichzeitig würde die Abschreckungsspirale gebrochen, was den Bürgern hohe Ausgaben erspart.

Der Vorschlag dürfte eine solche Dynamik des Fallenstellens entfachen, dass der Staat das Fallenstellen regulieren muss. So müssten Fallen auf offenen Grundstücken verboten werden. Gefüllte Fallen müssten schnell und professionell geleert werden, am besten wohl durch die online verbundene Polizei. Und gewisse Fallentechniken müssten verboten werden, etwa verlockend ­offen stehende Kippfenster, die fest zuschnappen, sobald ein Arm durch die Öffnung geschoben wird.

So oder so. Die Fallen-Strategie nützt allen. Weil sich so Einbrüche nicht mehr lohnen, können die Bürger in Ruhe in die Ferien, der Staat kann viel Geld sparen, und die Einbrecher können einer anständigen Arbeit nachgehen. (SonntagsZeitung)

Erstellt: 15.07.2017, 21:59 Uhr

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