AC Milan eine Nummer zu gross für den FC Zürich
Von Peter Bühler. Aktualisiert am 03.10.2008
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Zürich - Milan 0:1 (0:0)
Letzigrund. - 24 100 Zuschauer. - SR Skomina (Sln).
Tor: 70. Schewtschenko 0:1.
Zürich: Leoni; Stahel, Tihinen, Barmettler, Stucki (79. Lampi); Tico, Aegerter; Alphonse (82. Tahirovic), Abdi, Djuric (79. Nikci); Hassli.
Milan: Dida; Zambrotta, Bonera, Kaladse (30. Maldini), Antonini; Flamini, Emerson, Ambrosini (61. Kaka); Seedorf (77. Gattuso); Schewtschenko, Ronaldinho.
Bemerkungen: Zürich ohne Rochat, Chikhaoui und Vergara (alle verletzt) sowie Mehmedi, Koch und Schönbächler (alle bei der U19- Nationalmannschaft), Milan ohne Senderos, Nesta, Pirlo, Favalli, Borriello und Filippo Inzaghi (alle verletzt).
«Wir werden eine andere AC Milan als im Hinspiel sehen, eine stärkere», hatte Bernard Challandes vor dem Match angekündigt. Und gleichzeitig versprochen: «Wir werden alles tun, um eine Sensation zu schaffen. Die Frage ist, was Milan auf dem Platz zulässt.» Nun, die Frage war gestern Abend im Letzigrund ziemlich rasch beantwortet. Die AC Milan liess wenig bis nichts zu, die Italiener taten nur so viel, wie nach dem 3:1 im Hinspiel unbedingt nötig war, um sich für die Gruppenspiele des Uefa-Cups zu qualifizieren.
Der FC Zürich bemühte sich, aber der Gegner war zu stark. Die Zürcher hatten nie auch nur die geringste Chance auf den Sieg, obwohl sich die Italiener über weite Strecken auf Standfussball beschränkten und wenig Interesse zeigten, den 24'100 Zuschauern, die zwischen 50 und 200 Franken für ein Ticket bezahlt hatten, einen unvergesslichen Fussballabend zu bieten.
Der Match war harmlos und in der ersten Halbzeit ereignisarm. Und er wäre wohl noch langweiliger verlaufen, wenn Milan mit dem ersten Angriff und der ersten Chance in Führung gegangen wäre: Schewtschenko hatte sich nach drei Minuten mit Seedorf locker durch die Zürcher Abwehr gespielt, Leoni konnte den Schuss des Ukrainers aber abwehren. Die Zürcher erholten sich von diesem ersten Schrecken, sie hatten, vorab durch Hassli, die eine oder andere gute Aktion. Doch sie mussten sich gegen die sicher stehende Abwehr der Mailänder stets mit Weitschüssen versuchen.
Minimalistenfussball
Nur einmal geriet Dida im Tor der Mailänder in Bedrängnis, als er einen Versuch von Djuric erst im Nachfassen behändigen konnte. Die Italiener standen dem ersten Treffer eigentlich immer näher, sie hatten kurz vor der Pause noch zwei Möglichkeiten, durch Seedorf und Ronaldinho vor allem. Der Brasilianer zog es aber vor, statt selbst zu schiessen den noch besser platzierten Schewtschenko zu bedienen. Der Zürcher Haudegen Stucki konnte so im Fünfmeterraum in extremis befreien.
Die zweite Halbzeit war nicht besser als die erste, im Gegenteil. Der FC Zürich konnte Milan weiterhin nicht gefährden, und der siebenfache Meistercup-Sieger beschränkte sich auf das Nötigste. Doch selbst der Minimalistenfussball genügte den Italienern, um nach 71 Minuten in Führung zu gehen: Ronaldinho spielte Schewtschenko mit einem Heber in den Strafraum frei, und dieser liess im Stil des Torjägers Leoni keine Chance.
Wie ein Freundschaftsspiel
Mit diesem Tor war die Partie selbstredend entschieden. Sie nahm danach zeitweise fast den Charakter eines Freundschaftsspiels an, die Italiener übertrieben es indes mit ihrer Passivität, sodass der FCZ beinahe doch noch zu seinem Tor gekommen wäre: Nikci setzte Lampis Idealflanke mit dem Kopf knapp daneben. Und Hassli bekam den von ihm geforderten Elfmeter nicht zugesprochen.
Der Ausgleich wäre nicht verdient gewesen, denn Milan war um vieles überlegener, als es dieses zu knappe 1:0 ausdrückt. Die Zürcher hatten dieser Klassemannschaft wenig entgegenzusetzen, ihnen wurden von Milan die Grenzen noch viel deutlicher aufgezeigt als im Hinspiel vor 14 Tagen im San Siro. Trainer Challandes versuchte das Beste aus der Unterlegenheit zu machen, er wechselte in der zweiten Halbzeit mit Lampi, Nikci und Tahirovic frische Kräfte ein. Milan-Trainer Ancelotti tat das Gleiche, nur hiessen die von ihm eingewechselten Ersatzleute Maldini, Kakà und Gattuso - klingende Namen im grossen internationalen Fussball.
Für die Zürcher waren die Spiele gegen die AC Milan ein schönes Abenteuer. Bald hat sie der Alltag wieder. Am Montag treten sie in Luzern an, dann folgt das Cupspiel in Schaffhausen. Der AC Milan aber werden am nächsten Mittwoch in Nyon die Gegner für die Gruppenphase des Uefa-Cups zugelost. Die Namen ihrer Widersacher werden die Italiener wohl nicht gross kümmern. Aber ihr Ziel ist klar, Ancelotti formulierte es schon vor der Saison: «Wir wollen den Uefa-Cup gewinnen.» Diese Trophäe wäre für Milan wenigstens eine kleine Entschädigung für die verpasste Teilnahme an der Champions League.
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 03.10.2008, 10:06 Uhr
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