Sport

Der einzige Gewinner beim FC Zürich

Von Florian A. Lehmann. Aktualisiert am 30.09.2011

Ricardo Rodriguez ist der Aufsteiger beim FC Zürich. Die konstanten Leistungen des 19-jährigen Verteidigers beeindrucken – nicht nur Nationalcoach Ottmar Hitzfeld.

1/9 Auch gegen Vaslui ein wertvoller Spieler und ein sicherer Wert: Ricardo Rodriguez (l.) spielt im rumänischen Regen defensiv sehr solid und setzt offensiv Akzente mit seiner Flanke zum 2:2 durch Admir Mehmedi.
Bild: Keystone

   

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NameSpSUNG:EP
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Nein, Fräulein Fortuna steht zurzeit nicht auf der Gehaltsliste der Betriebsgesellschaft FCZ AG. Da treten die Sorgenkinder von Urs Fischer für einmal 60 Minuten in den Ost-Karpaten defensiv solid und offensiv recht keck auf und haben den Gegner namens Vaslui im Griff. Dann zeigt der übereifrige israelische Schiedsrichter nach einem harmlosen Zweikampf im Strafraum zwischen Raphael Koch und Ex-GC-Profi Wesley auf den Elfmeterpunkt. Schlimmer noch: Der Umpire schickt den FCZ-Verteidiger vom Platz – es leben die Reglemente, auch wenn sie unsinnig sind. Die Folge ist bekannt: Wesley verwertet den Strafstoss, der FCZ ist zu zehnt, gerät in Rückstand, reagiert sofort und erzielt den Ausgleich. Das verdiente 2:2 im alten Stadion von Piatra Neamt, definitiv nicht das Mekka des Welt-Fussballs, bedeutet den ersten Punkt in der Europa-League-Kampagne des Super-Ligisten.

Dass Admir Mehmedi in Unterzahl trifft – der FCZ scheint sich zu einem «Shorthander»-Spezialisten zu entwickeln – ist auch das Verdienst von Ricardo Rodriguez. Der linke Aussenverteidiger vom FC Zürich ist das, was man lange Zeit auf der Insel von David Beckham in dessen besten Zeiten gesagt hat: ein Flankengott. Seine Corners, seine Freistösse, auch die direkten, mit dem linken Fuss sind für den Gegner überaus gefährlich und schwer einschätzbar. «Das war nie und niemals ein Penalty, auch keine rote Karte», ärgert sich Rodriguez nach dem Spiel gegen die Rumänen im Schweizer Staatsfernsehen. Dennoch spricht auch Rodriguez wie sein Personalchef Fischer von einem gewonnenen Punkt.

Das Aufgebot von Hitzfeld

Es ist für Rodriguez ohnehin eine spezielle Partie gewesen. Denn im Vorfeld erfuhr er, dass ihn Nationalcoach Ottmar Hitzfeld für die entscheidenden EM-Qualifikationsduelle gegen Montenegro und Wales aufbot. Diese erste Selektion für die A-Nationalmannschaft überraschte die Fachwelt nicht einmal. Denn der ehemalige U-17-Weltmeister war bisher der konstanteste Spieler in dieser Saison beim FCZ, selbst beim notorischen Auf und Ab der Mannschaft auf Europas Fussball-Bühne. Die Nomination des obersten Auswahltrainers des Verbandes ist mehr als verdient. Dass Reto Ziegler für den Posten des linken Verteidigers gesetzt ist, braucht den jungen Zürcher vorerst nicht zu belasten. Seine Zeit in der Landesauswahl wird kommen, früher oder später.

Was den Beobachter beeindruckt, ist nicht nur die ausgeprägte Physis des Backs, sondern auch dessen Nervenstärke. Rodriguez spielt sein Pensum derart souverän und routiniert ab, wie wenn er schon einige Jahre fester Bestandteil des Fanionteams sein würde. «Von seinem Durchsetzungsvermögen bin ich angenehm überrascht», erklärt Hitzfeld gegenüber dem «Tages-Anzeiger». Das Talent aus Schwamendingen hat inzwischen den arrivierten Ludovic Magnin auf die Ersatzbank verdrängt. Böse Zungen aus dem Fansektor behaupten sogar, dass der FCZ in der vergangenen Saison Meister geworden wäre, hätte der Cheftrainer den Mut gehabt, Rodriguez mehr einzusetzen.

Ein medizinisches Wunder

Wir lassen diese Behauptung mal so stehen. Fakt ist, dass Rodriguez vor einer grossen Zukunft steht – sofern Leistungswillen und Zielstrebigkeit weiterhin in diesem Mass vorhanden sind und die Gesundheit mitspielt. Denn gerade gesundheitliche Aspekte können die Karriere eines Spitzensportlers stark beeinflussen. Dass Rodriguez überhaupt auf dieser Stufe Fussball spielen kann, ist für die Ärzte des Zürcher Kinderspitals ein medizinisches Wunder. Am 25. August 1992 kam Ricardo mit einer Zwerchfellhernie zur Welt. Das neugeborene Kind musste in der Folge viele Operationen über sich ergehen lassen.

Komplette und moderne Fussballer auf diesem Posten sind eine Rarität, das wissen auch die Talentspäher. Man spricht im Schweizer Fussball viel über die Qualitäten der jungen Basler Mittelfeld-Asse Xherdan Shaqiri (19) und Granit Xhaka (19), die in Bälde ihr Heil im Ausland suchen werden. Man darf Rodriguez, der neben dem Schweizer auch den spanischen und chilenischen Pass besitzt, in diesem Zusammenhang nicht links liegen lassen.

Die Konzentration auf das Wesentliche

Es spricht für die charakterliche Eigenschaft des Zürcher Teenagers, dass er trotz guten Kritiken nicht abhebt. «Ich freue mich auf das Aufgebot von Herrn Hitzfeld. Aber diese Spiele sind noch weit weg. Jetzt muss ich mich zuerst auf die Aufgaben mit meinem Klub konzentrieren.»

Und die nächste Aufgabe steht bereits am Sonntag auf dem Programm. Es ist das Derby gegen GC. «Wir hoffen, dass wir gleich Vollgas geben und die drei Punkte holen», lautet die Kampfansage von Rodriguez. Punkte haben sowohl der FCZ (8.) als auch die Grasshoppers (9.) dringend nötig. Als «Not gegen Elend» wurde die Affiche im Vorfeld schon bezeichnet. Es ist durchaus möglich, dass zumindest der FCZ nach dem Abenteuer in Rumäniens Provinz jene Moral und jenen Spirit gefunden hat, um sein wahres Potenzial abzurufen. Ein Spieler macht das beim FC Zürich schon seit Monaten: Ricardo Rodriguez. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 30.09.2011, 12:28 Uhr

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