Wird die Schweiz dereinst Weltmeister bei den Grossen?
Von Stephan Roth. Aktualisiert am 16.11.2009
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Das Rezept klingt einfach: Man nehme die gloriosen U-17-Weltmeister von Abuja und lasse sie einige Jahre reifen und ernte dann 2014 oder 2018 den Weltmeistertitel mit der A-Nationalmannschaft. Natürlich träumen wir alle gerne. Doch ganz so einfach wird das leider nicht gehen.
Der Titelgewinn wird unseren Fussballern, nicht nur den Junioren-Weltmeistern, jedoch Selbstvertrauen geben und den Glauben, auch gegen die grossen Nationen bestehen und gar gewinnen zu können, stärken. Sie werden inskünftig an jedes Turnier mit dem Gedanken an den Titelgewinn fahren. Es wird nicht mehr bei Alibi-Sätzen wie, «wenn wir mitspielen, wollen wir auch gewinnen», bleiben. Spieler wie Frédéric Veseli, Pajtim Kasami, Haris Seferovic oder Nassim Ben Khalifa haben jetzt erlebt, dass Brasilien, Deutschland oder Italien zu packen sind, wenn man selbst daran glaubt und an seine Leistungsgrenzen geht.
Auch diese Erkenntnisse garantieren aber noch keinen Erfolg auf höchster Stufe. Es käme einem Wunder gleich, wenn die Schweiz jemals Fussball-Weltmeister würde.
Nur drei U-17-Europameister in der Nati
Bei einer Junioren-WM wird die beste Mannschaft eines Jahrgangs erkoren. Im Fall des U-17-Turniers in Nigeria war dies gemäss Reglement jene der Spieler, die nach dem 1. Januar 1992 das Licht der Welt erblickten.
Wenn pro Jahr ein Spieler den Sprung in die erste Mannschaft schafft, sei das gut, besagt eine Fussball-Weisheit. Bei zwei sei es sehr gut und bei mehr als zwei aussergewöhnlich. Deshalb ist damit zu rechnen, dass von den U-17-Champions, optimistisch gerechnet, dereinst fünf oder sechs Spieler sich einen Platz in der Nationalmannschaft erobern werden. Dabei nicht berücksichtigt ist die Möglichkeit, dass einer der 13 Doppelbürger im Kader von der Auswahl seines zweiten Heimatlands abgeworben werden könnte.
Aus der Mannschaft, die 2002 U-17-Europameister wurde, sind mit Tranquillo Barnetta, Philippe Senderos und Reto Ziegler derzeit drei im Team von Ottmar Hitzfeld. Zudem kam Sandro Burki zu einem Länderspiel.
Schwieriger Übergang in den Profi-Betrieb
«Wichtig ist, dass die Spieler jetzt am Boden bleiben und weiter an sich arbeiten», sagte Hansruedi Hasler, der Technische Direktor des SFV und Baumeister der Nachwuchs-Erfolge, gegenüber Radio DRS. Auf die Helden der U-17 lauert jetzt eine grosse Zahl von Fallen. Für sie wird es jetzt darum gehen, den schwierigen Übergang vom Junioren- zum Profi-Fussball zu schaffen. Dieser ist in der Schweiz, wo Schule oder Lehre oft neben dem professionellen Trainingsbetrieb zur Doppelbelastung werden, besonders schwierig. Deshalb ist man beim Schweizer Verband zum Entschluss gekommen, die Profikarrieren der Talente zu fördern. «Die Jahre zwischen 15 und 20 sind entscheidend. Eine berufliche Ausbildung kann später nachgeholt werden», sagte Hasler bereits vor einem Jahr.
Falsche Freunde und Schulterklopfer sowie Neider und Konkurrenten werden den Helden von Abuja jetzt das Leben erschweren. Und stets werden sie mit der Verlockung des Wegs mit dem geringsten Widerstand und den des schnellen Geldes konfrontiert werden.
Wenn sie, die hoch talentierten Weltmeister, in ihren Vereinen nicht bald bei den Profis zum Zug kommen, wird ihnen jemand raten, den Klub zu wechseln. Dazu werden in den nächsten Tagen die Angebote von finanzkräftigen ausländischen Grossklubs den Spielern verständlicherweise den Spielern den Kopf verdrehen.
Ein Patentrezept gibt es nicht
Final-Torschütze Haris Seferovic soll beispielsweise derzeit bei GC, wo er erst jetzt in die 1. Mannschaft integriert wird, monatlich 1000 Franken, ein Generalabonnement sowie die Wohnung bezahlt kriegen. Was sollen er und seine Familie machen, wenn sich jetzt die Vertreter von Grossklubs melden und mit hohen Beträgen um seine Gunst buhlen werden?
Nachdem er die U-17 2002 als Captain zum EM-Titel geführt hatte, konnten Philippe Senderos und sein Vater Julian aus den Offerten von Real Madrid, Manchester United, Bayern München oder Arsenal auslesen. Der Genfer Verteidiger verliess Servette und wechselte nach London. Bei Arsenal machte er aber nicht die erwarteten Fortschritte und wurde im koordinativen Bereich gar schlechter. Dies, obwohl die «Gunners» auch beim SFV den Ruf als guter Ausbildungsverein geniessen.
Ein Patentrezept gibt es nicht, auch wenn der SFV beratend auf seine Schützlinge einwirkt. Jenen U-17-Champions, denen es gelingt, in den nächsten Monaten und Jahren, die Klippen zu umschiffen, winkt eine grosse Karriere. Wenn auch kaum als Weltmeister auf der höchsten Stufe. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 16.11.2009, 22:33 Uhr










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