Sport

Mit dem Mut des unaufgeregten Goalies

Von Peter M. Birrer. Aktualisiert am 07.09.2009

An Lettlands 1:0-Sieg in Israel hatte Andris Vanins grossen Anteil. Jetzt will der Torhüter des FC Sion auch die Schweizer ärgern.

Der Mann bewahrt kühlen Kopf: FC Sions Andris Vanins gehört zu den Stützen der lettischen Nationalmannschaft.

Der Mann bewahrt kühlen Kopf: FC Sions Andris Vanins gehört zu den Stützen der lettischen Nationalmannschaft.
Bild: Keystone

Im Sommer wurde der Stilwechsel vollzogen. Essam El-Hadary, der launische Schauspieler aus Ägypten, verliess das Wallis, er räumte seinen Platz für einen, der wie das pure Gegenstück zu ihm wirkt. Andris Vanins, der aus Lettland geholt wurde, ist sachlich, kühl, unaufgeregt, fleissig, effizient.

Am Wochenende war Vanins, 29 Jahre alt und Hobbyfischer, mit der Nationalmannschaft seines Landes in Sachen WM-Qualifikation unterwegs. Israel hiess der Gegner, und Vanins lief im Ramat Gan zu Höchstform auf. Dass Lettland mit einem 1:0-Sieg überraschte, war auch ein erheblicher Verdienst des Torhüters. Typisch war freilich, wie er die eigene Leistung bewertete: «Ich denke, ich war gut. Aber ich habe nur meine Arbeit erledigt.»

Die Werbung in St. Gallen

Diese Arbeit war gut genug, um die Ausgangslage in der Gruppe 2 schlagartig zu verbessern und dem bevorstehenden Mittwoch eine noch speziellere Note zu verleihen. Vanins erwartet in Riga die Schweizer, die Kollegen aus seiner Wahlheimat also. Der erfolgreiche Abstecher nach Tel Aviv ermutigt ihn zu sagen: «So schwierig es am Mittwoch auch wird: Wir werden gewinnen. Ein Sieg bringt uns praktisch nach Südafrika.» Und um eine Nettigkeit loszuwerden: «Die Schweiz folgt uns über die Barrage.»

Die WM-Teilnahme 2010 wäre der Karriere-Höhepunkt für den Letten, der als Bub nicht Goalie sein wollte. Sein Talent als Feldspieler reichte aber nicht aus, um seinen Juniorentrainer zu überzeugen. Also stellte er sich ins Tor. Das gefiel ihm immer noch besser als der Platz auf der Ersatzbank. Bald konnte sich Andris Vanins nichts anderes mehr vorstellen, als nach Bällen zu hechten. Den Wunsch seiner Mutter, sich an der Universität einzuschreiben, verwarf er. Er machte den Fussball zu seinem Beruf, zuerst beim FK Ventspils, dann temporär beim FK Moskau und dann wieder bei Ventspils, bis der 11. Oktober 2008 kam und mit ihm der Werbeauftritt in St. Gallen.

Das Loblied von Constantin

Vanins verlor mit den Letten zwar gegen die Schweiz 1:2, aber Christian Constantin, der Beobachter aus Sion, hatte genau hingesehen. Der Präsident war dermassen angetan, dass er Vanins mit einem Dreijahresvertrag ausstattete. Der Wechsel machte den Letten glücklich: «In Europa gibt es kein schöneres Land als die Schweiz.»

Vanins schwärmt nicht nur von der Lebensqualität in Martigny. Er wähnt sich in der Super League auch in einer anderen Welt, verglichen mit der Liga seiner Heimat. «Die Qualität der Spieler ist viel höher», findet er und nennt Obradovic oder Mpenza als Beispiele. Geht es um die Schweizer Nationalmannschaft, zeigt der Torhüter grossen Respekt vor Barnetta und Frei, der Vanins nach dem 11. Oktober 2008 auch am 26. Juli 2009 mit Basel im Tourbillon bezwang. Zu beunruhigen vermag das Vanins nicht. Wie sagt doch Constantin? «Egal, ob Echallens oder Schweiz, Vanins macht keinen Unterschied, einfach professionell. Und am Mittwoch wird er stolz sein Land vertreten und denken wie jeder Lette: einer für alle, alle für einen.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 07.09.2009, 13:22 Uhr