Ach, Basel

Die Super League kann froh sein, dass es den Serienmeister gibt.

Zeigen, wos langgeht: Matias Delgado und der FC Basel.

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Und jetzt? Was fangen wir mit dieser Meisterschaft an? Mit einem einsam thronenden Serienmeister und dem überforderten Rest? Mit der Absurdität, dass der FCB nach einem Viertel der Saison schon doppelt so viele Punkte aufweist wie die ersten ­Verfolger?

Wir nehmen diese Meisterschaft als das, was sie ist: als ein Fakt, als ein Glück, dass es wenigstens noch den FCB gibt, der die Schweiz in der Champions League im Gespräch hält.

Für den Kampf um den nationalen Titel mag das nicht eben lustig sein, schon gar nicht spannend, wenn Basel uninspiriert auftritt wie zuletzt in Lausanne und St. Gallen und dennoch gewinnt; wenn Urs Fischer als Trainer tun und lassen kann, was er will, und die Konkurrenz trotzdem in erster Linie an sich selbst scheitert. Und wenn Basels Präsident Bernhard Heusler wie jüngst in der NZZ sagt, der Erfolg habe etwas Unwirkliches, und er müsse sich manchmal kneifen, dient das auch keinem als Trost. Basel ist und bleibt ein eigener Planet, es sei denn, Heusler würde seinen Verein den chaotischen Berner Rihs-Brüdern überlassen.

Basel wäre im März Meister, nach Runde 25 oder so, wenn es in diesem Stil weiterginge. Diese Rechnung kann man sich sparen. Spannender ist die Frage: Wann spielt der FCB wirklich einmal so, dass man beeindruckt den Hut vor ihm ziehen muss?

Heusler hat auch gesagt: «Die Serie des FCB wird irgendwann reissen. Dann muss man als Konkurrent parat sein.» Er meint es sicher gut, weil er sich Mühe gibt, den Unterschied ­zwischen Basel und dem Rest kleiner zu reden, als er ist. Aber an welchen Konkurrenten könnte er derzeit ernsthaft denken? An YB, das fortwährend an sich selbst scheitert? An Sion, dem der Cup mehr bedeutet als die Meisterschaft? An GC etwa, das mit dem Verkauf von Dabbur und Ravet seinen Reiz der letzten Saison verloren hat? An irgendeinen anderen Verein, der während eines ganzen Jahres einen Bruchteil dessen ausgeben kann, was Basel allein mit dem Transfer von Embolo einnimmt?

Es ist nun aber nicht so, dass nur in Basel gut gearbeitet würde. Lausanne als Aufsteiger und Lugano als Fast-­Absteiger verblüffen bislang: Lausanne leugnet unter Fabio Celestini seine Linie selbst dann nicht, wenn es einmal 2:7 verliert, und in Lugano beweist der frühere Nachwuchscoach Andrea Manzo, dass es auch ein Leben nach dem knorrigen Zdenek Zeman gibt.

Dagegen ist Luzern nach einem kraftvollen Start eingebrochen und hat in den letzten vier Runden noch einen Punkt gewonnen. GC verliert auswärts alles, gewinnt dafür daheim alles, und sein Trainer wäre zufrieden, wenn es so weiterginge (weil 54 Punkte vermutlich zu einem Europa-League-Platz reichen würden). St. Gallen tritt an Ort, obschon Trainer Zinnbauer auch Ferrari-Joe genannt wird, Vaduz und Thun schlagen sich da herum, wo sie budgetmässig hingehören.

Wegen der Basler Dominanz gibt es hier und da die Frage, ob eine Modus­änderung die Super League spannender machen könnte. Sie ist unsinnig. Warum soll der Modus etwas retten können, was in Chefetagen verbockt wird?

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 25.09.2016, 23:01 Uhr

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