Alex Frei und Urs Meier erklären das Phänomen Jürgen Klopp
Von Thomas Niggl, Eva Tedesco. Aktualisiert am 28.02.2011
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Nati-Captain Alex Frei und der ehemalige Fifa-Ref Urs Meier beschreiben exklusiv für Tagesanzeiger.ch/Newsnet den charismatischen Jürgen Klopp aus eigener Erfahrung. Alex Frei hatte in Dortmund zu Jürgen Klopp kein unproblematisches Verhältnis. Zum Schluss hat sich der Trainer gegen den Abgang des Dortmunder Publikumslieblings zum FC Basel nicht gross gewehrt. «Vieles ist von den Medien aber auch hineininterpretiert worden», sagt Frei gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet. Es habe deshalb viele Missverständnisse gegeben. Das bestätigte auch Klopp nach dem Ablösespiel des FC Basel in der Mixzone des St.-Jakob-Park gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet.
«Sicherlich hat es die eine oder andere Diskussion zwischen Klopp und mir gegeben. Wir waren nicht immer gleicher Meinung», schildert Frei sein Verhältnis zu Klopp. Man könne sich aber auch heute noch in die Augen schauen. «Wir wären vor dem Spiel in Basel wohl kaum fast zwei Stunden im Hotel der Dortmunder zusammengesessen, wenn wir uns nicht respektieren und sogar mögen würden», räumt der Basler ein.
«Er verkörpert den modernen Trainer von heute»
Von 2008 bis 2009 hat der Baselbieter unter Klopp in Dortmund gespielt. «Ich habe ihn als Trainer und als Mensch schätzen gelernt», sagt Frei. «Klopp lässt ungemein intensiv arbeiten, ist sehr engagiert und sehr emotional», sagt Frei. Die Trainingseinheiten seien abwechslungsreich. Jeder Spieler hat unter Klopp viel gelernt», lobt er. Vor allem habe er Klopps vorbildliche Techniktrainings und spezifischen Einheiten für Offensivspieler geschätzt.
«Was Klopp in den letzten zwei Jahren in Dortmund bewegt hat, ist einfach grossartig», so Frei. Er habe viele junge Talente eingebaut und aus der Mannschaft eine Einheit geformt, erklärt der Routinier. Was in Dortmund nicht immer der Fall gewesen sei. «Klopp verkörpert den typischen und modernen Trainer von heute. Mit ihm ist im fussballverrückten Dortmund die Euphorie zurückgekehrt. Was ihm jetzt noch fehlt, ist ein Titel», so Frei. Er wünsche Klopp die deutsche Meisterschaft von ganzem Herzen.
«Wir sind inzwischen echte Freunde geworden»
Urs Meier, Chef der Schweizer Schiedsrichter, hat zu Jürgen Klopp ein spezielles Verhältnis. «Wir sind inzwischen echte Freunde geworden», bestätigt der Aargauer gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet. Der ehemalige Fifa-Ref und Jürgen Klopp waren beim ZDF als Fussballexperten ein kompetentes Duo. «Bei diesem Job haben wir uns richtig kennen und schätzen gelernt», sagt Meier. Einen besseren Fussballanalytiker als Klopp gebe es kaum. «Jürgens Analysen sind messerscharf, ich habe von ihm unheimlich viel gelernt», so Meier. «Ich bin auch schon öfter mit Jürgen auf der Tribüne gesessen. Es hat mich tief beeindruckt, wie er ein Spiel mit seinem geschulten Auge lesen kann», schildert Meier.
Nach einem Tor könne er sofort aufzeigen, wo der Ursprung des Treffers zu suchen sei. Welcher Spieler sich beim taktischen Verschieben beispielsweise schlecht bewegt habe. Klopp sei aber kein Mensch, der von sich überzeugt sei, er habe die Weisheit mit dem Löffel gegessen. «Er ist sehr selbstkritisch und kann sich Fehler durchaus auch eingestehen», sagt Meier und liefert gleich ein Beispiel. «Er legt sich auch schon mal mit den Schiedsrichtern an. Und wenn er mich danach fragt, wie ich sein Verhalten beurteile, hat er meine Kritik stets und vorbehaltlos akzeptiert und daraus gelernt», so Meier. Nach einem Rencontre mit dem vierten Offiziellen habe sich Klopp für sein Benehmen geschämt und sich dafür auch entschuldigt.
«Jürgen wäre ein schlechter Pokerspieler»
Klopp habe den Fussball unter der Haut und lebe ihn förmlich. «Er ist ein hoch emotionaler Mensch, für den es nichts Schlimmeres gibt als Ungerechtigkeiten», so Meier. Deshalb gehe mit Klopp auch schon mal sein Temperament durch. «Da muss er sich besser kontrollieren, das habe ich ihm auch schon gesagt», so Meier. Klopp könne explodieren wie ein Vulkan. Dann könne er sogar auch aggressiv werden. Dann könne seine Körpersprache auf die Mitmenschen auch schon mal bedrohlich wirken. «Jürgen wäre ein schlechter Pokerspieler, seinen Gemütszustand kann er nur schlecht verbergen, man sieht es seinen Gesichtszügen an, wie er sich gerade fühlt», lacht Meier. Klopp sei absolut authentisch. «Er sagt dir eins zu eins, was er denkt », sagt Meier. Dortmunds Trainer überzeuge auch seine Spieler durch Argumente.
Meier charakterisiert Klopp als einen feinen, sensiblen und einfühlsamen Menschen, der auch eine Portion Eigenironie und Humor an den Tag lege. «Wir sind auch schon gemeinsam in die Discos gegangen. Dort haben wir gefeiert, getanzt und uns köstlich amüsiert», sagt Meier. Klopp sei unkompliziert und ein echter Freund geworden. «Und Freunde dürfen sich auch kritisieren und sich gegenseitig schonungslos die Meinung sagen», so Meier. Er schätze es, einen feinen Menschen wie Klopp als Freund gefunden zu haben. «Wir haben gegenseitig schon sehr viel gelernt und profitiert voneinander.» Das Philosophieren über das Leben gehöre ebenfalls zu dieser Freundschaft. Klopp sei ein charismatischer Mensch. «Er hat eine unheimliche Ausstrahlung und wirkt auf die Menschen», so Meier. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 28.02.2011, 11:59 Uhr



