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Alex darf sich nicht kaputt machen lassen

Von Pascal Zuberbühler. Aktualisiert am 15.10.2010 49 Kommentare

Spieler wie Alex Frei wecken hierzulande Neid – weil sie nicht typisch schweizerisch sind. Ein Kommentar zur aktuellen Polemik um den Captain der Landesauswahl von Ex-Nationalspieler Pascal Zuberbühler.

Wir sind in einem Land, in dem Persönlichkeiten nicht genügend Respekt entgegen gebracht wird: Pascal Zuberbühler, Goalie des FC Fulham.

Wir sind in einem Land, in dem Persönlichkeiten nicht genügend Respekt entgegen gebracht wird: Pascal Zuberbühler, Goalie des FC Fulham.
Bild: Philipp Rohner

Pascal Zuberbühler (39)

Der Schweizer Fussballer spielte für GC, Leverkusen, Aarau, Basel, West Bromwich und Xamax, bevor er 2008 zu Fulham wechselte. Hier ist er weiter als Goalie und neu Goalietrainer beschäftigt. Er bestritt 51 Länderspiele.

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Ich kenne Alex Frei. Ich weiss, wie er sich fühlt und wie ihm das, was am Dienstag passiert ist, wehtut. Was er jetzt durchmacht, habe ich selbst erlebt.

Alex ist eine Persönlichkeit im Schweizer Fussball, ich würde sogar sagen: eine Riesenpersönlichkeit. Wer so ist wie er, wer auch einmal den Mund aufmacht und sagt, dass er Erfolg haben und alles dafür tun will, der hat es in der Schweiz sehr schwer, die Leute auf seine Seite zu bringen.

Wo sind wir denn hier?

Natürlich lässt sich im Rückblick auf seine Karriere fragen: Warum hat er das und das gemacht? Auch bei mir lässt sich das fragen. Aber es geht um den Neid, den Spieler wie Alex wecken. Herr Schweizer mag es schön kontrolliert, schön ausgeglichen. Ihm geht es nicht in den Kopf, wenn jemand so ist wie Alex oder wie ich, nicht so typisch schweizerisch.

Ich habe Alex im Spiel gegen Wales genau beobachtet. Ihm ist nicht viel geglückt, das stimmt, aber er ist marschiert. Und wenn Streller ihm den Ball nicht rüberschiebt, obwohl er in einer besseren Position ist, kann er noch drei Spiele darauf warten, ein Tor zu erzielen. Ich frage mich: Was soll das, wenn ein Spieler von eigenen Zuschauern schon ausgepfiffen wird, bevor er überhaupt einen Freistoss getreten hat? Wo sind wir denn hier? Ich weiss, wo wir sind: in einem Land, in dem Persönlichkeiten nicht genügend Respekt entgegen gebracht wird. Ich kenne England, ich lebe und spiele in London, ich weiss, dass das hier ganz anders ist.

Zubi, der arrogante Kerl

Wann es bei Alex genau angefangen hat, ob damals bei der EM in Portugal mit dieser Spuck-Affäre, kann ich nicht sagen. Irgendeinen Anfang, einen Auslöser lässt sich immer finden, warum jemand in den Fokus der Öffentlichkeit gerät. Bei mir könnte man auch sagen, das war 2005, als ich in der Qualifikation zur WM in Deutschland dieses dumme Tor gegen Israel erhielt. Aber ich war doch schon früher besonders kritisch beobachtet worden, schon als ganz Junger bei GC.

Dank meiner Einstellung, meiner Meistertitel und Champions-League-Teilnahmen mit GC, mit dem FC Basel bin ich der erfolgreichste Goalie der Schweiz geworden, das weiss niemand. Es hiess dagegen nur: Zubi, der arrogante Kerl, der Fliegenfänger. Als ich aus England in die Schweiz zurückkam und zu Xamax in die Challenge League wechselte, wurde ich ausgepfiffen. Die Leute riefen: Zubi, Zubi, hahaha. Sie fokussierten sich auf mich, auf den langen Kerl im Tor, der auch nach einem Fehler den Kopf oben trägt und die Schultern zurückzieht. Jetzt tun sie es auf Alex. Und morgen ist der Nächste an der Reihe.

Warum hassen die Leute mich?

Ich bin laut, ich bin gross, kräftig und erfolgreich. Ich bin immer einer gewesen, der als Torhüter im Mittelpunkt sein wollte. Ich bin immer vorne hingestanden und habe mein Maul aufgemacht, auch wenn es schlecht lief, gerade dann. Und prompt schrieb eine Zeitung: «Klappe zu, Bälle halten!»

Ich sass oft daheim und fragte mich: Was mache ich falsch, dass mich die Leute nicht mögen? Wenn ich mein Maul immer aufgerissen hätte, ohne etwas gewonnen zu haben, hätte ich noch Verständnis dafür gehabt. Aber irgendwann habe ich mir gesagt, es ist mir egal, was die Leute denken.

Auch Alex ist ein Alphatier. Er sucht und übernimmt Verantwortung. Er kann sich vor eine Fernsehkamera stellen und Blut spucken, wenn ihn etwas ärgert. Ich finde das gut. Alex hat das Recht dazu. Schliesslich hat er 40 Tore für die Schweiz erzielt. Das sollte man nie vergessen.

Danke, dass ihr für mich da seid

Als Fussballer erlebt man nicht nur grossartige, sondern auch harte Momente. Ich bin immer wieder aufgestanden. Ich erinnere mich, wie ich vor der WM 2006 bei Länderspielen immer wieder ausgepfiffen wurde. Vor der Abreise nach Deutschland hatten wir den letzten Test in Zürich gegen China. Auf einmal wurde ich von den Zuschauern hinter dem Tor gefeiert. Ich klatschte ihnen zu, um ihnen zu danken. Um ihnen zu zeigen: Danke, dass ihr für mich da seid. An der WM liess ich in 390 Minuten kein Tor zu.

Was ich damit sagen will? Alex darf sich nicht kaputt machen lassen. Es gibt auch für ihn nur eine Antwort: Er muss auf dem Platz Leistung bringen. Mit Reden kann er nichts ändern. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 15.10.2010, 07:43 Uhr

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49 Kommentare

Notburga Lindegger

15.10.2010, 12:54 Uhr
Melden

Bravo Zubi, endlich jemand der uns den Spiegel vorhält. Alex Frei braucht unsere Unterstützung und nicht unsere Vorwürfe. Er zeigt beim FC Basel wozu er fähig ist, wenn die Zuschauer und die Mannschaft hinter ihm stehen. Dass er diese Leistung in der Nationalmannschaft nicht abrufen kann, ist logisch und liegt daran, dass nur Neid und Missgunst statt Unterstützung und Teamgeist herrschen. Antworten


Hans J. Rohrer

15.10.2010, 12:47 Uhr
Melden

Merkt eigentlich niemand, wie lächerlich das Ganze ist? Da werden Tschüteler mit Millionengehälter verwöhnt, die in keinster Weise den Ansprüchen von internationalen Spitzenmannschaften genügen, und wenn einer ausgepfiffen wird, muss er psychologisch betreut werden. Kein Wunder, bleiben wir eine fussballerische Lachnummer. Antworten



Programm & Resultate

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EndeSpanien - Serbien2:0
EndeSchweiz - Deutschland5:3
EndeNorwegen - England0:1
Playoff
EndeSion - Aarau3:0
Stand: 26.05.2012 20:56
Brussels Ladies Open
26.05EndeRadwanska - Halep7:5 6:0
Stand: 26.05.2012 17:02
GP Monaco 2012 - Qualifikation
1:14.3011 Michael Schumacher
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1:14.4483 Nico Rosberg
Stand: 27.05.2012 09:10
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Stand: 25.05.2012 14:45
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Stand: 25.05.2012 09:25
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Roland Garros
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28.0511:00Bolelli - Nadal
28.0511:00Djokovic - Starace
Stand: 25.05.2012 15:24
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