Sport

«An der WM aufgepasst auf Honduras!»

Von Andreas Werz. Aktualisiert am 05.05.2010

Die Mittelamerikaner sind dritter Gruppengegner der Schweiz. Trainer Rueda hält viel von den Schweizern – und dem eigenen Team.

Der Nationaltrainer von Honduras: Seine Mannschaft beschreibt Reinaldo Rueda als «kleine Brasilianer».

Der Nationaltrainer von Honduras: Seine Mannschaft beschreibt Reinaldo Rueda als «kleine Brasilianer».
Bild: Keystone

Reinaldo Rueda, sind Sie bei der Weltmeisterschaft in Südafrika noch Nationaltrainer von Honduras?
Natürlich, weshalb sollte ich das nicht sein?

Sie haben vor Wochen mit Ihrem sofortigen Rücktritt gedroht, sollten Ihren Spielern und Ihnen vom honduranischen Fussballverband versprochene Prämien nicht umgehend ausbezahlt werden.
Das ist richtig. Ich muss für meine Spieler kämpfen, denn sie haben während zweieinhalb Jahren hervorragend gearbeitet und mit der Qualifikation für die Weltmeisterschaft in Südafrika Historisches erreicht. Dafür sollen sie auch entschädigt werden, und zwar im Rahmen der Abmachungen, die im Vorfeld getroffen worden sind. Aber während honduranische Vereinsmannschaften für die Qualifikation des Nationalteams bereits entschädigt wurden, warten wir noch immer auf unser Geld. Die ausstehende Summe für die Spieler und für mich beträgt insgesamt 1,2 Millionen US-Dollar. Kein Pappenstiel, vor allem nicht für ein Land wie Honduras, hinter Haiti die ärmste Nation Lateinamerikas. Wann wir unser Geld bekommen, ist ungewiss. Immerhin haben wir Garantien erhalten, dass wir die Prämien letztlich auch wirklich bekommen. Aber sprechen wir nicht übers Geld.

Aber über Ihre Mannschaft.
Ja, und auf die bin ich ungemein stolz. Sie hat mit der erstmaligen WM-Qualifikation seit 28 Jahren Wunderbares vollbracht. Sie hat ein wirtschaftlich schwaches und sozial zerrissenes Land einen können. Alle Honduraner mögen, ja lieben diese Mannschaft. Sie können sich gar nicht vorstellen, was in der Hauptstadt Tegucigalpa und im gesamten Land abging, als unsere Teilnahme an der Endrunde in Südafrika feststand. Honduras verwandelte sich in einen riesigen Festplatz. Diese Freude der Menschen war einfach unglaublich. Ich bekomme noch immer Gänsehaut, wenn ich daran denke.

Sie gelten als Baumeister dieses überraschenden Erfolgs.
Das sollen andere beurteilen. Ich habe seit meinem Amtsantritt im Januar 2007 einfach versucht, dem Nationalteam ein Gesicht zu verpassen und etwas Stabiles aufzubauen. Honduraner sind von Grund auf talentierte Fussballer. Sie lieben diesen Sport, sie sind leidenschaftlich. Honduraner mögen das offensive Spiel, sie sind stark am Ball, richtige kleine Brasilianer. Aber sie vergessen gern, dass es im Fussball auch um Taktik und Abwehrarbeit geht. Diesbezüglich hinken sie den grossen Fussballnationen in der Region, Mexiko und den USA, noch immer hinterher. Daran ändert die WM-Teilnahme wenig.

Welche Rolle kann Ihr Team in Südafrika spielen?
Wir sind krasse Aussenseiter, dessen sind wir uns bewusst. Dennoch wollen wir unseren drei Gruppengegnern Spanien, der Schweiz und Chile ein Bein stellen. Wir können in Südafrika für eine Überraschung sorgen. Meine Spieler haben keine Erfahrung, aber viel Herz – damit lässt sich einiges erreichen.

Wie beurteilen Sie Ihre Gruppengegner?
Sie sind stark, sehr stark sogar. Allen voran Spanien, der Europameister, eine grossartige Mannschaft. Ich halte auch sehr viel von der Schweiz, das sage ich nicht aus Höflichkeit. Und Chile beendete in Südamerika die WM-Qualifikation auf dem zweiten Rang.

Was wissen Sie von der Schweizer Mannschaft?
Ich werde mich im Detail mit ihr erst noch befassen, schliesslich bleiben ja einige Wochen bis zur WM. Aber ich habe mir auf DVD bereits fünf Spiele der Schweiz genauer angeschaut. Selbstverständlich kenne ich Ottmar Hitzfeld, einen der weltbesten Trainer. Ich weiss auch, dass er schon einige Spione an Spiele von Honduras oder nach Honduras selbst geschickt hat (lacht). Das gehört zum Geschäft.

Wie stufen Sie das Schweizer Team ein?
Auf dem Papier ist es das zweitstärkste Team in unserer Gruppe. Es ist ausgeglichen, athletisch, spielt taktisch sehr diszipliniert und hat Ordnung auf dem Platz. Hitzfelds Handschrift ist klar ersichtlich. Die Schweizer Mannschaft hat sich seit der WM 2006 personell verändert, sie hat einen notwendigen Umbruch eingeleitet, das hat ihr gut getan. Sie ist heute stärker als an der WM vor vier Jahren. Damals habe ich ihren verlorenen Achtelfinal gegen die Ukraine übrigens live in Köln miterlebt.

In Köln haben Sie einst studiert.
Ich habe während zweier Jahre, 1990 und 1991, die Kölner Sporthochschule besucht. Diese Zeit hat mein Leben als Fussballtrainer verändert. Zuvor war ich in meiner kolumbianischen Heimat im Amateurfussball tätig gewesen. Erst in Deutschland lernte ich, worauf es im Fussball wirklich ankommt, was es alles im Profifussball benötigt, was ich als Trainer tun und lassen sollte. Es war eine tolle und vor allem lehrreiche Zeit.

Wie sind Ihre Deutschkenntnisse?
Die haben in den letzten zwanzig Jahren gelitten, weil ich kaum die Möglichkeit hatte, die Sprache zu sprechen. Aber das kann ich auf Deutsch sagen: An der WM aufgepasst auf Honduras! (lacht)

Nach der Weltmeisterschaft l äuft Ihr Vertrag mit dem honduranischen Fussballverband aus. Wie sieht Ihre Zukunft aus?
Der Verband möchte mich jetzt schon vertraglich länger an sich binden. Er will, dass ich die Nationalmannschaft auch zur WM 2014 nach Brasilien führe. Ich weiss aber noch nicht, wohin mein Weg nach der WM geht. (Anmerkung: Rueda liegt ein Angebot als peruanischer Nationaltrainer vor.) Eigentlich kann ich in Honduras nur noch verlieren, mit der WM-Qualifikation habe ich die Spitze erreicht. Ich träume davon, dereinst in Europa zu arbeiten. Warum nicht in der Schweizer Super League?

In der Schweiz könnten Sie sich frei bewegen.
Das fehlt mir in Honduras. Ich bin hier bekannt wie ein bunter Hund. Erst kürzlich ist mir aufgrund der erfolgreichen WM-Qualifikation die honduranische Staatsbürgerschaft verliehen worden. Diese Wertschätzung macht mich stolz. Viele in Honduras sehen in mir einen Botschafter des Friedens. Dank des Fussballs und dank der Nationalmannschaft werden gesellschaftliche und politische Mauern überwunden. Wir bringen etwas Licht in den oft dunklen Alltag vieler Honduraner. Meine Popularität hat aber auch Schattenseiten. Ich kann beispielsweise kaum auf die Strasse gehen. Sofort werde ich von Menschen umringt, sie wollen Autogramme, Fotos und meine Hände schütteln. Das ist rührend, aber manchmal auch anstrengend.

Sie gehen also selten aus?
Ja, sehr selten sogar. Ich bin meistens in meinem Haus in Tegucigalpa mit meiner Frau, unserer 16-jährigen Tochter und unserem 12-jährigen Sohn. Die grössere Tochter ist 21 und studiert in Toronto Journalismus. Ich würde gern ab und zu etwas mit meiner Familie unternehmen, doch das ist hier nicht einfach. Honduras ist leider ein ziemlich gefährliches Pflaster geworden. Ich vergleiche die Situation mit derjenigen in Kolumbien vor 20, 25 Jahren. In Honduras verbreiten Drogenbanden Angst und Schrecken, die Kriminalität ist ein enormes Problem, Entführungen sind an der Tagesordnung. Schade, denn Honduras ist ein wunderschönes Land mit einer herzlichen Bevölkerung.

Und mit einflussreichen Sportmedien.
Ich behaupte, in Honduras gibt es mehr Journalisten als Fussballer. Stellen Sie sich vor, in diesem vergleichsweise kleinen Land mit seinen rund siebeneinhalb Millionen Einwohnern gibt es im Radio und im Fernsehen 208 Fussballprogramme. Dazu kommen noch die Tageszeitungen, Zeitschriften und das Internet. Honduras ist total fussballverrückt, und fast jeder will dem Nationaltrainer erklären, welche Spieler er aufzustellen und nach Südafrika mitzunehmen hat.

Der bekannteste und vielleicht beste Fussballer von Honduras ist Stürmer David Suazo.
Er ist unser Star – wenn er fit und in Form ist. Aber Suazo hat sich vor einiger Zeit beim FC Genoa verletzt und war 20 Tage inaktiv. Ich weiss noch nicht, ob ich ihn nach Südafrika mitnehme.

Viele honduranische Nationalspieler verdienen ihr Geld im Ausland . . .
. . . aber nur drei von ihnen können sich in ihren Vereinen als Stammspieler bezeichnen. Das ist ein Problem für mich: Ich habe mehrere Spieler in meiner Mannschaft, die in ihren Vereinen unregelmässig zum Einsatz kommen. Ich denke, Ottmar Hitzfeld hat diese Sorge nicht.

Schon bald brechen Sie zum Abenteuer WM Südafrika auf.
Das Abenteuer beginnt bereits am 14. Mai. An diesem Tag verlassen wir Honduras und fliegen nach Frankfurt. Vom 15. bis 25. Mai bereiten wir uns in Heidelberg auf die Weltmeisterschaft vor und vom 26. Mai bis 8. Juni im österreichischen Villach. Gegen Weissrussland, Rumänien und Aserbeidschan bestreiten wir drei Testspiele. In Österreich möchte ich zwei weitere Partien austragen, gegen einen asiatischen und einen weiteren europäischen Gegner. Danach geht es nach Südafrika. Ich kann es jetzt schon kaum erwarten. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 05.05.2010, 00:56 Uhr

Programm & Resultate

Freundschaftsspiel
EndeSpanien - Serbien2:0
EndeSchweiz - Deutschland5:3
EndeNorwegen - England0:1
Playoff
EndeSion - Aarau3:0
Stand: 26.05.2012 20:56
Brussels Ladies Open
26.05EndeRadwanska - Halep7:5 6:0
Stand: 26.05.2012 17:02
GP Monaco 2012 - Qualifikation
1:14.3011 Michael Schumacher
1:14.3812 Mark Webber
1:14.4483 Nico Rosberg
Stand: 27.05.2012 09:12
Keine Daten vorhanden
Keine Daten vorhanden
Roland Garros
27.0512:15Cipolla - Wawrinka
Stand: 25.05.2012 14:45
Keine Daten vorhanden
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Playoff
17:00Aarau - Sion
Stand: 25.05.2012 09:25
Roland Garros WTA
28.0511:00Radwanska - Jovanovski
Roland Garros
28.0511:00Bolelli - Nadal
28.0511:00Djokovic - Starace
28.0511:00Federer - Kamke
Stand: 25.05.2012 15:24
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