«Bayern ist ganz klarer Favorit auf den Titel»

Die Viertelfinals in der Champions League versprechen viel Spannung – auch wenn Dortmunds Chef Watzke den Hellseher spielt.

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Die Hierarchie ist klar vor den Viertel­finals: Bayern, Barcelona und Real sind die Favoriten, Juventus und Atlético die schärfsten Herausforderer, Dortmund, Monaco und Leicester nur die Aussenseiter. Geht es nach dem Dortmunder Chef Hans-Joachim Watzke, ist alles viel einfacher: «Bayern ist ganz klarer Favorit auf die Champions League.»

Dortmund
Der Bling-Bling-Stürmer
In Dortmund herrscht «Malochermentalität», sagt Geschäftsführer Watzke. ­Pierre-Emerick Aubameyang fällt in ­dieser Arbeiterwelt als Spieler, der das Bling-Bling und das Ausgefallene liebt, erst recht auf. Wenn es der Terminplan zulässt, kann es vorkommen, dass er zum Coiffeur nach Paris fliegt oder zu einer Geburtstagsfeier nach Mailand. Und wenn er Lust hat, zieht er zum ­Jubeln eine Maske des persönlichen ­Ausrüsters an, wie jüngst gegen Schalke geschehen. Für seinen ziemlich spassfreien Bubenstreich erhielt er vom ­Verein eine «empfindliche Busse» (Watzke), wobei sich fragt, wie empfindlich 50'000 Euro oder so sein können bei einem Jahresgehalt von rund 8 Millionen.

Doch für seinen Aussetzer müssten sie ihn nicht «in Sack und Asche legen», sagt Watzke. Denn sie lieben und schätzen ihren Auba in Dortmund. «Nur weil er ein schrilles Auto fährt und Glitzerklamotten trägt, ist er doch nicht unprofessionell», sagt Watzke, «er ist ein sehr positiver Typ, sehr, sehr professionell. Er tut dem Ruhrgebiet gut.» Selbst der asketisch angehauchte Trainer Thomas Tuchel betont: «Wenn wir unsere Ziele erreichen wollen, brauchen wir Auba.» Trotz der 25 Tore des gabunischen Sprinters fehlen Dortmund acht Punkte auf den angestrebten 2. Platz, immerhin haben seine 7 Tore in der Champions League geholfen, den Viertelfinal gegen Monaco zu erreichen.

Monaco
Treffsicher im Fürstentum
Sieben Runden vor Saisonschluss ist die AS Monaco in der Ligue 1 führend, drei Punkte beträgt ihr Polster auf Paris St-Germain. Bemerkenswert ist die Anzahl der bislang erzielten Tore: 88. Und eine wichtige Rolle spielt dabei einer, der den Eindruck erweckt, als würde er nirgends besser funktionieren als im Fürstentum: Radamel Falcao, 31, Kolumbianer. Bei 17 Treffern steht er in der Meisterschaft, am Samstag führte er seine Mannschaft zum 1:0 bei Angers.

Falcao wagte in seiner Karriere einen Abstecher nach England. Zuerst von ­September 2014 für neun Monate bei Manchester United, danach ein Jahr bei Chelsea. Das Glück fand er weder im Old Trafford noch an der Stamford Bridge, also kehrte er zurück nach Monaco, zu einem Verein, der zwar viel Geld und Erfolg hat, aber nicht eben als Publikumsmagnet gilt. 8753 Zuschauer im Durchschnitt, das sind so wenige wie sonst an keiner Adresse der Ligue 1. Falcao präsentiert sich nun wieder in der Form wie in den Saisons 2010/11 und 2011/12, in denen er mit dem FC Porto und Atlético Madrid die Europa League gewann – und den Wettbewerb als Torschützenkönig abschloss.

Atlético Madrid
In komfortabler Lage
Die EM im eigenen Land endete für Frankreich mit dem Finalfrust – und für Stürmer Antoine Griezmann mit der ­Ehrenmeldung «Bester Spieler des ­Turniers». Er ist nach Madrid zu seinem Verein zurückgekehrt, zu Atlético, und erweist sich als weiterhin unverzichtbar für die Mannschaft von Diego Simeone. Der 26-Jährige trifft 15-mal in 30 Meisterschaftsspielen, dazu 4-mal in der Champions League, und wer regelmässig Tore schiesst, ist auf dem Markt begehrt.

Die Grossen aus Manchester sollen Interesse an einer Verpflichtung an­gemeldet haben, Chelsea und Real ebenfalls, von einer fixierten Ablösesumme von 100 Millionen Euro lassen sich Clubs dieses Formats nicht abschrecken. Griezmann befindet sich in einer komfortablen Ausgangslage. Er kann Bedingungen stellen, und eine davon ist: Ein Wechsel macht für ihn nur dann Sinn, wenn der neue Verein in der Champions League vertreten ist. Und auch die Ambition hat, diesen Wettbewerb zu gewinnen. Mit Atlético ist Griezmann der ­Trophäe einmal nahegekommen: 2016 verlor er die Neuauflage des Finals von 2014 gegen Real erst im Penaltyschiessen.

Leicester
Nur der Hund ist unzufrieden
Leicesters berühmtester Fussballersohn, Gary Linker, gab alles, als er die Ent­lassung von Claudio Ranieri im Februar kommentierte: «Unerklärlich, unverzeihbar, herzzerreissend.» Ranieri spürte das Gefühl eines Schocks. Einzelne Fans verdächtigten Stürmer Jamie Vardy der Konspiration gegen den alten Trainer und deckten ihn mit Mord­drohungen ein.

In den Midlands schwappten die grossen Gefühle über, als Ranieri neun Monate nach dem traumhaften Gewinn der Premier League aus dem Amt entfernt wurde. Dabei gab es sportlich einen eindeutigen Grund: City war mit ihm tief in der Krise und Ende Februar nur noch einen Punkt vor einem Abstiegsplatz.

Craig Shakespeare, ein Trainerleben lang Assistent, übernahm, führte die Mannschaft in der Premier League zu fünf Siegen in Folge und ins gesicherte Mittelfeld. Und dazu noch zum 2:0 im Achtelfinal-Rückspiel der Champions League gegen den FC Sevilla. An der ­Euphorie rund um den Neuen ändert das 2:4 am Sonntag bei Everton nichts. Er ist kein «Special One» wie José Mourinho, er nennt sich der «Lucky One», der Glückliche. Er hat wieder vereinfacht, was Ranieri in seiner Suche nach dem Weg aus der Krise verkompliziert hat. Das System ist wieder klar, Vardy trifft wieder, Mahrez zaubert wieder. Shakespeare hat bloss eine kleine Sorge: Sein Hund schaut ihn vorwurfsvoll an, weil er für Spaziergänge weniger Zeit hat.

Bayern München
Der Küsser von der Bank
«Es macht nur Spass, wenn man guten Fussball spielt», meldet Arjen Robben aus München. Im Moment haben Robben und Co. viel Spass, wenn ihnen gerade danach ist. Der Fahrplan ihres Trainers Carlo Ancelotti scheint zu stimmen: Sie sind in Form, wenn die entscheidenden Spiele und Wochen anstehen. Unter Pep Guardiola fehlte ihnen zu dieser Jahreszeit die nötige Frische, um mehr als den Halbfinal in der Champions League zu erreichen.

Eines muss man Ancelotti gleichwohl lassen: Er hat ein Gespür fürs Alter und für Menschen. David Alaba war am Samstag beim 4:1 gegen Dortmund zum einen mit knapp 25 schon der Jüngste in einer Mannschaft, die im Durchschnitt auf 30,1 Jahre kam. Zum anderen wollte er Franck Ribéry einen frühen Feierabend gönnen, doch als er merkte, wie wenig dem Franzosen die Auswechslung in der 75. Minute schmeckte, nahm er ihn in die Arme und küsste ihn vor aller Augen auf die Wange. Ribérys Groll war wie weggezaubert. «Franck hatte am Tag vorher Geburtstag», sagte Ancelotti, «er brauchte einen kleinen Kuss.» Sagte es und verzog keine Miene. Sogar die linke Augenbraue blieb an Ort und Stelle.

Real Madrid und Barcelona
Grosse Zahlen
Wenn es um Cristiano Ronaldo und ­Lionel Messi geht, kann schon einmal das eine oder andere durcheinander­geraten. Zum Beispiel bei Ronaldo: Da wurde sein Management Gestifute kürzlich zitiert, er habe 2015 bei Real Madrid netto 23,5 Millionen Euro verdient und insgesamt, mit Werbung, 277 Millionen. So sollte aufkommenden Spekulationen, Ronaldo habe Steuern hinterzogen, ­begegnet werden. Die 277 Millionen sind nun allerdings kein Einkommen, sondern das Vermögen, das Ronaldo bis ­dahin angehäuft hat. Um die Steuer­moral Messis steht es dagegen weniger gut. Er ist von einem Gericht in Barcelona zu 21 Monaten Gefängnis verurteilt worden, weil er Werbegelder von 4,1 Millionen nicht versteuern wollte.

Dafür liegt Messi diese Saison vorne, was die erzielten Tore für Barcelona ­betrifft. In 42 Spielen sind es 43, davon 11 allein in der Champions League. Vergleichsweise schwächelt Ronaldo leicht: Er kommt in 36 Spielen erst auf 26 Tore, nur 2 davon in der Champions League.

Juventus
Der Nimmermüde
Er hat: 1002 Spiele als Profi bestritten, 616 davon in der Serie A für Parma und Juventus sowie 168 Länderspiele für ­Italien. Er ist: Weltmeister, 7-maliger Meister mit Juventus, Uefa-Cup-Sieger mit Parma, 4-facher Welttorhüter des Jahres, 11-facher Goalie des Jahres in der Serie A. Er kann: leidenschaftlich singen – die Hymne vor einem Länderspiel macht er zu einem Ereignis.

Aber er ist noch nicht: Champions-League-Sieger. Auch das treibt Gianluigi Buffon an, unverdrossen weiterzumachen. «Vielleicht trete ich erst zurück, wenn ich 65 bin», sagt der Mann aus ­Carrara in der Toskana mit einem ­Augenzwinkern. 26 Jahre hätte er demnach noch vor sich, wobei er liebend gern in diesem Jahr schon die Lücke in seinem Palmarès füllen würde. Zweimal hat er erlebt, wie das ist, in einem Final zu ­stehen, zweimal hat er aber auch erlebt, wie es sich als Verlierer anfühlt: 2003 gegen Milan im Penaltyschiessen und 2015 gegen Barcelona, den Viertelfinalgegner von heute Abend. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 10.04.2017, 22:45 Uhr

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Champions League Endrunde

final. Runde

03.06.Juventus Turin - Real Madrid1 : 4
Stand: 03.06.2017 22:40

Champions League Grp. A

6. Runde

06.12.Paris Saint Germain - Ludogorets Razgrad2 : 2
06.12.FC Basel 1893 - Arsenal London1 : 4
Stand: 06.12.2016 22:38

Rangliste

NameSpSUNG:EP
1.Arsenal London642018:614
2.Paris Saint Germain633013:712
3.Ludogorets Razgrad60336:153
4.FC Basel 189360243:122
Stand: 06.12.2016 22:38

Champions League Grp. B

6. Runde

06.12.Dynamo Kiev - Besiktas6 : 0
06.12.Benfica - SSC Neapel1 : 2
Stand: 06.12.2016 22:38

Rangliste

NameSpSUNG:EP
1.SSC Neapel632111:811
2.Benfica622210:108
3.Besiktas61419:147
4.Dynamo Kiev61238:65
Stand: 06.12.2016 22:38

Champions League Grp. C

6. Runde

06.12.Barcelona - M'gladbach4 : 0
06.12.Manchester City - Celtic Glasgow1 : 1
Stand: 06.12.2016 22:35

Rangliste

NameSpSUNG:EP
1.Barcelona650120:415
2.Manchester City623112:109
3.M'gladbach61235:125
4.Celtic Glasgow60335:163
Stand: 06.12.2016 22:35

Champions League Grp. D

6. Runde

06.12.Bayern München - Atletico Madrid1 : 0
06.12.PSV Eindhoven - FK Rostow0 : 0
Stand: 06.12.2016 22:39

Rangliste

NameSpSUNG:EP
1.Atletico Madrid65017:215
2.Bayern München640214:612
3.FK Rostow61236:125
4.PSV Eindhoven60244:112
Stand: 06.12.2016 22:39

Champions League Grp. E

6. Runde

07.12.Bayer Leverkusen - AS Monaco3 : 0
07.12.Tottenham - ZSKA Moskau3 : 1
Stand: 07.12.2016 22:37

Rangliste

NameSpSUNG:EP
1.AS Monaco63219:711
2.Bayer Leverkusen62408:410
3.Tottenham62136:67
4.ZSKA Moskau60335:113
Stand: 07.12.2016 22:37

Champions League Grp. F

6. Runde

07.12.Real Madrid - Borussia Dortmund2 : 2
07.12.Legia Warschau - Sporting CP1 : 0
Stand: 07.12.2016 22:38

Rangliste

NameSpSUNG:EP
1.Borussia Dortmund642021:914
2.Real Madrid633016:1012
3.Legia Warschau61149:244
4.Sporting CP61055:83
Stand: 07.12.2016 22:39

Champions League Grp. G

6. Runde

07.12.Club Brügge - FC Kopenhagen0 : 2
07.12.FC Porto - Leicester5 : 0
Stand: 07.12.2016 22:35

Rangliste

NameSpSUNG:EP
1.Leicester64117:613
2.FC Porto63219:311
3.FC Kopenhagen62317:29
4.Club Brügge60062:140
Stand: 07.12.2016 22:35

Champions League Grp. H

6. Runde

07.12.Lyon - Sevilla0 : 0
07.12.Juventus Turin - Dinamo Zagreb2 : 0
Stand: 07.12.2016 22:37

Rangliste

NameSpSUNG:EP
1.Juventus Turin642011:214
2.Sevilla63217:311
3.Lyon62225:38
4.Dinamo Zagreb60060:150
Stand: 07.12.2016 22:37

Champions League Qualifikation

final. Runde

16.08.FC Kopenhagen - APOEL Nikosia1 : 0
16.08.Dinamo Zagreb - Salzburg1 : 1
16.08.FC FCSB - Manchester City0 : 5
16.08.Ajax Amsterdam - FK Rostow1 : 1
16.08.BSC Young Boys - M'gladbach1 : 3
17.08.Ludogorets Razgrad - Viktoria Pilsen2 : 0
17.08.Celtic Glasgow - Hapoel Beer Sheva5 : 2
17.08.Dundalk - Legia Warschau0 : 2
17.08.FC Porto - AS Rom1 : 1
17.08.FC Villarreal - AS Monaco1 : 2
23.08.Viktoria Pilsen - Ludogorets Razgrad2 : 2
23.08.Hapoel Beer Sheva - Celtic Glasgow2 : 0
23.08.Legia Warschau - Dundalk1 : 1
23.08.AS Rom - FC Porto0 : 3
23.08.AS Monaco - FC Villarreal1 : 0
24.08.APOEL Nikosia - FC Kopenhagen1 : 1
24.08.Salzburg - Dinamo Zagreb1 : 2
24.08.Manchester City - FC FCSB1 : 0
24.08.FK Rostow - Ajax Amsterdam4 : 1
24.08.M'gladbach - BSC Young Boys6 : 1
Stand: 24.08.2016 23:16

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