Sport

Bei WM-Versagen droht die Kohlengrube

Von Sascha Rhyner. Aktualisiert am 07.01.2010 5 Kommentare

Kaum ein WM-Team hat mehr Geheimnisse als Nordkorea. Informationen, die über Resultate hinausgehen, sind kaum erhältlich. Und die Profis im Ausland werden vom Geheimdienst «betreut».

1/5 Hohe Erwartungen für die WM in Südafrika: Nordkorea hat Anfang Januar ein internationales Turnier in Katar gewonnen.
Bild: Reuters

   

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Kontrolle ist alles. Das nordkoreanische Regime unter Kim Jong-il gewährt den Norkoreanern kaum Ausflüge ins Ausland, und Ausländern nur bedingt eine Einreise. Zwar dürfen immer wieder Reisegruppen durch das Land reisen – wie auch Christoph Blocher, der anschliessend in der «Weltwoche» zum antikommunistischen Pamphlet ausholte. Doch persönliche Kontakte sind nicht möglich. Nicht nur der Sprachbarriere wegen.

Selbst die nordkoreanische Nationalmannschaft leidet unter der Isolation. Zwar gewannen die Nordkoreaner eben ein internationales Turnier in Qatar; die Gegner waren mit den Gastgebern, Mali und Iran indes nicht von gehobenem Format. Bald wird auch der FC Luzern die Stärke des unbekannten Nationalteams erfahren. Im Rahmen des Trainingslagers in der Südtürkei testet das Team von Rolf Fringer am 20. Januar gegen die Chollima, wie die Mannschaft nach dem Pferd aus der koreanischen Mythologie genannt wird.

Zwei Nordkoreaner in der Schweiz

Nur wenige Nordkoreaner überhaupt spielen im Ausland. Zwei fanden als Profis auch den Weg in die Schweiz. Kim Kuk-jin und Pak Chol Ryong brachten mit ihren Engagements bei Concordia Basel Nordkorea auf die Schweizer Fussballlandkarte. Es war damals Concordias Präsident Stephan Glaser, der die Transfers einfädelte.

Die fussballerischen Qualitäten der beiden Nordkoreaner sorgen allerdings für deutlich weniger Schlagzeilen als die eigentliche Verpflichtung. Pak ist mittlerweile in seine Heimat zurückgekehrt, Kim kam in der Hinrunde beim FC Wil auf 167 Minuten in fünf Einsätzen. «Er kann schlecht Englisch, lebt abgeschottet vom restlichen Team und ist fussballerisch schwach», weiss der ehemalige Wil-Spieler Harnani zu berichten.

Fernsehen macht müde

Die nordkoreanischen Fussballprofis im Ausland leben zwar isoliert von der lokalen Umgebung, die Heimat ist ihnen aber sehr nahe. Das Regime von Kim Jong-il stellt ihnen einen Betreuer, der von der nationalen Sicherheitsagentur gestellt wird, zur Seite. Dieser gibt in der Regel bei den Interviews Auskunft und nicht die Spieler. Und auch ein TV-Apparat fehlt in den Wohnungen der Nordkoreaner im Ausland. «Wir brauchen das nicht. Es dient nur dazu, wach zu bleiben, und dann ist man am nächsten Tag im Training müde», erklärte Choi Myong Ho, der einst in Russland spielte.

Überhaupt ist der Umgang mit Medien und Fernsehen im Besonderen auch in Nordkorea sehr zurückhaltend. Dass sich ihre Nationalmannschaft zum zweiten Mal nach 1966 für eine WM-Endrunde qualifizierte, erfuhren die Nordkoreaner erst Stunden nach dem Schlusspfiff.

Tomaten und Kohlengrube

Ein mittlerweile ausgewanderter Offizier erinnert sich an die bisher einzige WM-Teilnahme. «Wir konnten die Partien nur am Radio mitverfolgen», erzählt er. Die Überraschung über den 1:0-Sieg gegen Italien sei nicht als Überraschung aufgenommen worden. «Das Gefühl war, dass der nordkoreanische Fussball Weltklasse war», so Shim Joo-il. Derweil wurden die Azzurri bei ihrer Rückkehr mit Tomaten beworfen; die Niederlage war eine Schmach.

Als solche empfand man in Nordkorea indes das Ausscheiden im Viertelfinal gegen Portugal (3:5) – zumal die Asiaten noch 3:0 geführt hatten. «Es gab Gerüchte, dass einige Spieler danach in Kohlengrube als Strafe arbeiten mussten», erzählt Shim. Es könnte jedoch auch eine Folge dessen gewesen sein, dass den Fussballern nachgesagt wurde, in England getrunken und Frauengeschichten gehabt hätten. Ein britisches Dokumentarfilm-Team spürte die sieben noch lebenden WM-Spieler auf. Auch den Torschützen aus dem Spiel gegen Italien Pak Do-ik. Und diese versicherten, sie hätten nichts als Lob für ihren Exploit erhalten.

In Südafrika trifft Nordkorea in der Hammergruppe G auf Brasilien, die Elfenbeinküste und Portugal. Und mit den Lusitanern haben die Nordkoreaner ebendiese Rechnung von 1966 noch offen. «Wir werden in jedem Spiel alles geben, aber natürlich sind die Spieler besonders darauf aus, Portugal zu schlagen», erklärte Assistenztrainer Jo Tong-sop, auch wenn er die Erwartungshaltungen zu dämpfen versucht. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 07.01.2010, 15:21 Uhr

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5 Kommentare

Pascal Schaufelberger

07.01.2010, 16:49 Uhr
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@Redaktion: Nordkorea spielt in der Gruppe G und nicht Südkorea wie im Artikel geschrieben. Antworten


Dominik Meier

07.01.2010, 16:14 Uhr
Melden

Natürlich muss die BaZ auch gleich bei dieser Gelegenheit wieder mal gegen Christoph Blocher wettern. Vielleicht könnte man ihn beim Wetterbericht von Herrliberg auch nocn einbauen. Konzentriert euch doch mal auf das Wesentliche. Antworten



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EndeNorwegen - England0:1
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Stand: 26.05.2012 17:02
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