«Bei Werder ist alles noch einmal grösser»
Von Fabian Ruch. Aktualisiert am 09.02.2012 1 Kommentar
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Mit 20 Jahren schon in der Bundesliga
François Affolter wechselte vor rund zwei Wochen überraschend von YB zu Werder Bremen. Er hatte in den letzten zwei Saisons zum Stammteam der Young Boys gehört. Doch unter Trainer Christian Gross war der talentierte Verteidiger nicht mehr erste Wahl gewesen – also nahm Affolter das Angebot des Bundesligisten dankbar an. Weil mit Naldo ein wichtiger Abwehrspieler Werders derzeit verletzt ist, wurde Affolter nur wenige Tage nach seinem Transfer bereits gegen Leverkusen (1:1) eingesetzt.
Bei seinem Bundesligadebüt erhielt der 20-Jährige gute Kritiken – aber am letzten Sonntag, beim 2:2 in Freiburg, fielen die Noten mittelmässig aus. Dennoch hat sich Affolter mit seiner umgänglichen Art rasch beim neuen Arbeitgeber etabliert. Der vierfache Nationalspieler gilt auch in der Schweizer Auswahl als Hoffnungsträger. Affolter, dessen Vertrag bei YB noch bis 2016 läuft, ist vorerst leihweise bis Ende 2012 an Bremen ausgeliehen. Dann besitzt der norddeutsche Verein eine Option, den Berner definitiv zu übernehmen.
Werder Bremen ist hinter Bayern München der erfolgreichste Bundesligaverein der letzten 25 Jahre – und steht in dieser Saison nach 20 Runden auf Rang 5.
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François Affolter, wie haben Sie sich in Bremen eingelebt?
François Affolter: Ich bin vom Verein und von den Mitspielern ausgezeichnet aufgenommen worden. Ich wohne noch im Hotel, bin aber auf der Suche nach einer Wohnung. Meine Familie und Freunde kommen mich in den nächsten Wochen besuchen.
Welchen Eindruck haben Sie von der Stadt Bremen erhalten?
Es ist eine schöne, relativ ruhige Stadt. Ich habe aber noch nicht so viel Zeit gehabt, um die Gegend genau anzuschauen. Wichtig ist, dass mein Hotel ideal gelegen ist. Ich habe bloss zehn Minuten zum Stadion, ins Zentrum und zum Flughafen. Der Österreicher Zlatko Junuzovic, der wenige Tage nach mir zu Werder stiess, ist auch noch im Hotel, mit ihm verbringe ich die meiste Zeit.
Und wie gross ist der Unterschied zwischen YB und Werder?
Ich denke, ein Schweizer Spitzenteam wie YB würde in der Bundesliga bestehen. Aber bei Werder ist alles noch einmal grösser und beeindruckender. Es hat zum Beispiel gleich vier Physiotherapeuten, mehrere Leute im Trainerstab und einen Arzt, der fast jeden Tag im Training vorbeischaut. Das Niveau und die Technik der Spieler sind besser, es geht alles schneller, man hat weniger Zeit. Ich profitiere in meiner Entwicklung ganz bestimmt von diesem Wechsel.
Wie unterscheidet sich denn die Spielweise der Bundesliga von jener der Super League?
Ich habe ja erst zwei Partien bestritten, es ist also zu früh, um ein definitives Urteil zu fällen. Doch, wie gesagt, hier wird rascher und direkter gespielt, alles geht vertikal, man setzt stark auf Konter. Gerade als Verteidiger sollte man immer sehr aufmerksam sein...
...was Ihnen im ersten Spiel, beim 1:1 gegen Leverkusen, besser gelang als zuletzt am Sonntag beim 2:2 in Freiburg...
...genau, mit meiner Leistung gegen Leverkusen war ich sehr zufrieden. In Freiburg leistete ich mir jetzt leider einige Fehler, gerade im Passspiel. Daran muss ich arbeiten, ich muss im Aufbau sicherer und besser agieren.
Wie verhält sich Trainer Thomas Schaaf Ihnen gegenüber?
Der Trainer hat, seit ich hier bin, selten Einzelgespräche geführt. Er korrigiert viel im Training. Und er sagte mir nach dem Leverkusen-Spiel, er sei zufrieden mit mir, ich solle so weitermachen.
Haben Sie bereits Zeit gehabt, Ihren Transfer gegen Ende der Winterpause zu realisieren?
Ehrlich gesagt ging es tatsächlich sehr schnell. Als ich mit YB im Trainingslager in Spanien war, rief mich YB-Chef Ilja Kaenzig an und sagte, Bremen hätte Interesse an mir. Nach einem Treffen mit dem Verein war bereits alles klar, ich flog nach Deutschland, absolvierte die medizinischen Tests, trainierte zweimal mit dem Team und spielte gleich gegen Leverkusen. Ich bin froh, wie alles gelaufen ist und freue mich über diese grosse Chance in der Bundesliga bei einem Topverein.
Es gibt Leute, die finden, YB hätte Sie niemals abgeben dürfen.
Das freut mich, doch für mich als jungen Fussballer ist es wichtig, Spielpraxis zu erhalten. Bei YB hat es sehr gute Innenverteidiger, der Trainer setzt auf sie, und ich wollte nicht darauf hoffen, dass sich einer verletzt, um zu spielen.
Mit dem Brasilianer Naldo und dem Österreicher Sebastian Prödl fehlen bei Bremen derzeit zwei Innenverteidiger verletzt.
Das interessiert mich nicht, ich muss auf mich schauen. Der Konkurrenzkampf bei einem Team wie Werder ist immer gross.
Hat sich Nationaltrainer Ottmar Hitzfeld bei Ihnen gemeldet?
Ja, er schrieb mir eine SMS, als der Transfer bekannt wurde. Er gratulierte mir und meinte, Bremen sei ein guter Verein für mich.
Es gibt mal wieder nicht viele Schweizer Innenverteidiger, die im Ausland regelmässig spielen. Wie sehen Sie Ihre Chance, wieder fürs Nationalteam aufgeboten zu werden? Die Schweiz spielt ja Ende Februar im Stade de Suisse gegen Argentinien.
Ich möchte Schritt für Schritt nehmen und meine Leistungen in Bremen stabilisieren. Gelingt mir das, kommt alles Weitere von alleine. Und es stehen ja in den nächsten Monaten nur Testspiele auf dem Programm. Vielleicht werde ich also bei der U-21-Auswahl, die EM-Qualifikationsspiele bestreitet, dabei sein.
Und im August warten die Olympischen Spiele auf Sie...
...das wäre ein Traum, wenn das klappen würde, so eine Chance bekommt man als Fussballer nur einmal im Leben. Doch die Vereine sind nicht begeistert, das war bereits bei YB ein Thema. Ich weiss nicht, was die Bremen-Verantwortlichen davon halten, da die Olympischen Spiele am Ende der Vorbereitung und zum Start der nächsten Saison stattfinden.
Sie hatten nicht Zeit, sich bei YB gross zu verabschieden. Wie eng ist Ihr Kontakt nach Bern noch?
Ich tausche mich vor allem mit jüngeren und welschen Spielern wie Nassim Ben Khalifa, Freddy Mveng oder Pascal Doubai regelmässig über Skype aus. Aber auch mit vielen anderen halte ich Kontakt. Mir hat es bei YB sehr gut gefallen, ich erlebte schöne Zeiten und war mit 18 Jahren Stammspieler in der Super League. Und vielleicht kehre ich ja im nächsten Januar nach Bern zurück. (Berner Zeitung)
Erstellt: 09.02.2012, 09:01 Uhr
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