Sport

Benaglio zwischen Lob und Not

Von Thomas Schifferle. Aktualisiert am 13.11.2011

Der Schweizer Nationaltorhüter Diego Benaglio erhält beste Noten – aber das hilft ihm nichts im Abstiegskampf mit dem VfL Wolfsburg

Unbestritten im Klub und im Nationalteam: Diego Benaglio.

Unbestritten im Klub und im Nationalteam: Diego Benaglio.

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Es sind verblasste Erinnerungen an besondere Momente. An den Titelgewinn mit dem VfL Wolfsburg 2009, an das Lob für die eigenen Leistungen an der Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika.

2011 ist ein anderes Jahr, im Verein, in der Nationalmannschaft. Diego Benaglio könnte sagen, es sei trostlos, und er hätte guten Grund dazu, weil im Verein die Punkte ebenso fehlen wie der Schweiz in der missratenen EM-Qualifikation.

Aber der 28-Jährige sagt das nicht, weil das nicht zu ihm passen würde, zu seinem Charakter. Darum bilanziert er sachlich: «Es ist ein aufregendes, ein spannendes, ein sehr lehrreiches Jahr.»

Wolfsburgs fragwürdige Konstanz

Benaglio ist die Nummer 1 im Verein und im Nationalteam, unbestritten bei Felix Magath und Ottmar Hitzfeld. 2,80 beträgt sein Notendurchschnitt im «Kicker». Nur 17 von 220 bewerteten Spielern in der Bundesliga stehen besser da als er. Beim VfL ist er absolut unerreicht, selbst von Mario Mandzukic, der die Hälfte aller Tore erzielt hat (und auf 3,21 kommt). Von den zehn Schweizern, die in der Bundesliga engagiert sind, geniesst keiner annähernd sein Ansehen – abgesehen von Tranquillo Barnetta, wenn der wieder einmal fit und in Form ist.

«Jedem ist lieber, wenn positiv über ihn geredet wird», sagt Benaglio. Nur habe er davon nichts. Ihm wäre lieber, der Mannschaft ginge es gut. Das aber ist nicht der Fall. Wolfsburg hängt nach dem ersten Saisondrittel und sieben Niederlagen in zwölf Runden auf Rang 13 fest, drei Punkte bloss vor einem Abstiegsplatz.

Beim Klub, den Volkswagen so dominiert wie die Stadt, ist eine fragwürdige Konstanz festzustellen. Es läuft so schlecht wie im Frühjahr. Damals war der Engländer Steve McClaren bis Anfang Februar im Amt, bevor Pierre Littbarski während fünf Wochen der überforderte Cheftrainer war und VW in der Not den alten Meistermacher zurückholte. Magath, als Geschäftsführer und Trainer installiert, konnte es nicht verhindern, dass der Existenzkampf bis zum letzten Spieltag dauerte.

«Egal, was ist, man darf einfach nie aufgeben»

Hoffenheim war damals auswärts der Gegner, als es für den VfL um alles ging und Benaglio spürte, was alles an diesem einen Match hing. Der Goalie hat von diesem Samstag ein spezielles Bild gespeichert: Wie er ins Stadion kam und unbewusst auf einen Bildschirm schaute, als da die Szene lief, wie sich der FC Bayern vor zehn Jahren in Hamburg erst mit einem Tor in der Nachspielzeit den Meistertitel sicherte. «Irgendwie gaben mir diese Bilder das Gefühl: Egal, was ist, man darf einfach nie aufgeben», sagt Benaglio.

Während einer Viertelstunde lag der VfL auf einem Abstiegsplatz, bis er aus dem 0:1 noch ein 3:1 machte und seinen Platz in der Liga behielt. Benaglio sagt heute: «Man muss immer cool bleiben.»

Das ist er eigentlich immer gewesen, nüchtern, analytisch, auf die Sache konzentriert. Oder wie es sein Goalie-Trainer in Wolfsburg, Andreas Hilfiker, einmal formuliert hat: «Er ist klar im Kopf.» Das hilft Benaglio auch immer dann, wenn es Spekulationen um seine Person und Position gibt oder Kritik an seinen Leistungen. Im Sommer ging das Gerücht, Magath verpflichte einen neuen Torhüter, zum Ende der Transferfrist wurde wieder der Name des vereinslosen Timo Hildebrand ins Spiel gebracht. Benaglio aber begann nicht, sich damit zu beschäftigen. Sein Hausmittel ist einfach: «Ich kann mich nur auf mich konzentrieren, auf mein Training, mein Spiel.»

So hielt er das auch, als er Ende August beim 0:3 in Freiburg wirklich schlecht spielte («Das war nicht mein Tag») und danach wegen einer Fingerverletzung für zwei Runden aussetzen musste. Der junge Landsmann Marwin Hitz vertrat ihn, und prompt fragten die ersten Zeitungen, ob der nun die Nummer 1 werde. Hitz wurde bei seinem zweiten Einsatz vom Platz gestellt, Benaglio kehrte ins Tor zurück und spielt seither auf konstant hohem Niveau.

In dieser Zeit hat Benaglio auch nie einen Anlass gesehen, das Gespräch mit Magath zu suchen und sich bei ihm Klarheit über seine Situation zu verschaffen. Das würde ihn nur ablenken, sagt er, und solange der Trainer nicht auf ihn zukomme, mache er sich «keinen Kopf». Wie dieser Trainer funktioniert, weiss er aus Erfahrung. Magath war es, der ihn vor neuneinhalb Jahren von GC zum VfB Stuttgart holte, der ihn Anfang 2008 aus Funchal nach Wolfsburg lockte, mit dem er hier im ersten halben Jahr den Uefa-Cup erreichte und in der zweiten Saison die Meisterschaft gewann.

Benaglio geht den Weg von Magath vorbehaltlos mit

Magath hat in seiner Doppelfunktion einen Ruf zu verteidigen: als Trainer jenen des kauzigen Schleifers, als Geschäftsführer jenen des Strategen, der nicht Menschen, sondern Waren austauscht. Benaglio kennt die Arbeit mit den Medizinbällen, die Läufe am «Hügel der Leiden» auf dem Wolfsburger Trainingsgelände. Er kennt das Prinzip Magaths, Spieler mit hoher Kadenz auszuwechseln. «Wenn etwas nicht funktioniert, wird es geändert», sagt Benaglio, «dass da Spieler ausgetauscht werden, ist dann die letzte Konsequenz.»

Diese Woche hat Magath zweierlei getan: Zum einen hat er zwei Spieler, Jan Polak und Sotirios Kyrgiakos, per sofort ausgemustert. Zum anderen hat er angekündigt, im Winter für jede Reihe zwei neue Spieler holen zu wollen.

Benaglio hat sich arrangiert mit seinem Chef, er sagt, man brauche vor ihm keine Angst zu haben. Magath verlange nur eines: «Dass jeder alles für den Erfolg macht, wie er das selbst von sich auch verlangt.» Magath hat nie für sich in Anspruch genommen, ein Trainer zu sein, der seine Spieler in den Arm nimmt. Lob verteilt er selten, Kritik ist notfalls hart und deutlich, damit jeder begreift, um was es geht. Magath sagt, es gebe viele Wege zum Erfolg, aber er kenne nur seinen. Benaglio geht ihn vorbehaltlos mit.

Sportlicher Misserfolg passt nicht ins Bild des Weltkonzerns

1:5 verlor Wolfsburg vor acht Tagen bei Meister Dortmund. Benaglio war selbst da noch der Beste eines überforderten Teams. Fernab von Wolfsburg, im Kreis der Nationalmannschaft, fragt auch er sich, warum sie es dem Gegner «zu einfach» machen würden, gegen sie zu punkten, warum gerade die Auswärtsbilanz mit fünf Niederlagen in sieben Spielen so schlecht sei. Antworten hat er bislang keine gefunden.

VW ist der grösste Autobauer der Welt. Da passt der sportliche Misserfolg seiner Fussballabteilung so gar nicht ins Betriebsbild. Benaglio weiss darum eines: «Wir müssen unsere Situation schnellstmöglich verbessern.»

Positivdenken mit Diego Benaglio

Das war nicht das grosse Holland, es war ein genügsamer WM-Zweiter, der von seinem verwöhnten Anhang ausgepfiffen wurde. Und doch brauchte die Schweiz einen Torhüter in Bestverfassung, um ein 0:0 zu retten. Diego Benaglio lieferte am Freitag eine weitere Bestätigung seiner Qualitäten. Gar extravagant war seine Parade nach einer Stunde, als er, auf dem falschen Fuss stehend, einen Kopfball von Robin van Persie aus der tiefen Ecke holte.

Benaglio will seine Leistung nicht beurteilen, das überlasse er anderen, sagt er. Dafür fand er Gefallen am Gesamtauftritt der Schweiz: «Ein gutes Resultat, hinter dem eine gute Leistung steht. Ein guter Auftritt, der ein gutes Signal ist.» Die vielen «Gut» stehen für das Positivdenken in dieser Mannschaft, für die Hoffnung, bis zum Start der WM-Qualifikation in zehn Monaten bereit zu sein. «Wir müssen die Zeit bis dahin für den Lernprozess, für das Zusammenwachsen sehr, sehr gut nutzen», sagt Benaglio.

Die nächste Aufgabe steht am Dienstagabend an, Luxemburg ist der unattraktive Gegner, und von den Schweizern wird anderes verlangt als in Amsterdam. Jetzt sind sie der Favorit, und sie müssen das Spiel machen, was, so Benaglio, zuletzt nicht unbedingt ihre grosse Stärke gewesen sei. Er sieht das letzte Länderspiel 2011 als Charaktertest an: «Wir müssen auch das als richtigen Ernstkampf anschauen. Sonst hilft es uns nicht weiter.» (SonntagsZeitung)

Erstellt: 13.11.2011, 13:39 Uhr

Programm & Resultate

Freundschaftsspiel
EndeSpanien - Serbien2:0
EndeSchweiz - Deutschland5:3
EndeNorwegen - England0:1
Playoff
EndeSion - Aarau3:0
Stand: 26.05.2012 20:56
Brussels Ladies Open
26.05EndeRadwanska - Halep7:5 6:0
Stand: 26.05.2012 17:02
GP Monaco 2012 - Qualifikation
1:14.3011 Michael Schumacher
1:14.3812 Mark Webber
1:14.4483 Nico Rosberg
Stand: 27.05.2012 09:16
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Stand: 25.05.2012 14:45
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Stand: 25.05.2012 09:25
Roland Garros WTA
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Roland Garros
28.0511:00Djokovic - Starace
28.0511:00Bolelli - Nadal
28.0511:00Federer - Kamke
Stand: 25.05.2012 15:24
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