Sport

«Billige Stimmungsmache geht mir auf den Keks»

Interview: Vincenzo Capodici. Aktualisiert am 13.10.2011 17 Kommentare

Der Journalist Walter De Gregorio ist neuer Kommunikationsdirektor der Fifa. Im Interview mit Tagesanzeiger.ch/Newsnet spricht er über seinen Chef Sepp Blatter, Reformen, Wahrheit und Korruption.

«Im Journalismus habe ich eines gelernt: Dass es bei jeder Geschichte immer zwei Seiten gibt – das gilt auch für die Vorgänge in der Fifa»: Walter De Gregorio. (Bild: FIFA)

«Im Journalismus habe ich eines gelernt: Dass es bei jeder Geschichte immer zwei Seiten gibt – das gilt auch für die Vorgänge in der Fifa»: Walter De Gregorio. (Bild: FIFA)

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Zur Person

Der Journalist Walter De Gregorio hat die Branche gewechselt. Seit dem 1. Oktober ist er Kommunikationsdirektor der Fifa und als solcher auch persönlicher Berater von Fifa-Präsident Sepp Blatter. Der 46-jährige Aargauer mit italienischen Wurzeln arbeitete als Italien-Korrespondent für die «SonntagsZeitung», als Autor für die «Zeit», Sportchef und stellvertretender Chefredaktor des «Blick» sowie als Sportkolumnist der «Weltwoche» und Autor des «Magazins». De Gregorio, der mit seiner Familie in Zürich lebt, erhielt die Auszeichnung «Schweizer Sportjournalist 2011». Im letzten Frühling gehörte er auf Mandatsbasis zum Wahlkampfteam von Blatter, der Anfang Juni als Präsident des Weltfussballverbandes mit 186 von 208 Stimmen wiedergewählt wurde. (vin)

Stichworte

Fussball-Diskussion

Korrektur-Hinweis

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Seit Anfang Oktober sind Sie Kommunikationsdirektor der Fifa, die nicht gerade den besten Ruf geniesst. Muss man Ihnen zum neuen Job gratulieren oder eher kondolieren?
Wenn es ernst gemeint ist, dürfen Sie mir gratulieren – obwohl mir viele Leute keine Chance geben. Sie sagen: Du wirst dir die Finger verbrennen. Ich sehe es anders. Dieser Job ist reizvoll, eine grosse Herausforderung. Die Fifa ist besser als ihr Ruf.

Sie sprechen bereits wie ein PR-Mensch.
Unsinn. Ich hatte bereits vor dem Stellenantritt mit den Leuten in der Fifa zu tun. Das ist nicht eine Gruppe von Mafiosi, wie der pathetische Selbstdarsteller Andrew Jennings, ein englischer Journalist, behauptet. Der Vergleich mit der Mafia ist despektierlich. Eine Beleidigung für das Fifa-Team – das sind Hunderte von Leuten, die hart arbeiten. Vor allem aber eine Beleidigung für die Angehörigen der Mafia-Opfer. Derselbe Journalist behauptet sogar, die kriminelle Energie von Fifa-Funktionären sei genetisch bedingt. Als Historiker schaudert es mich, wenn jemand vermeintliche Charaktermerkmale mit genetischen Faktoren zu erklären versucht. Doch gewisse Leute können das ungestraft sagen. Es ist unglaublich, welche Aggressionen die Fifa auslöst. Medienkonferenzen laufen gelegentlich ab wie Hearings. Gewisse Journalisten fragen, als hätten sie Schwerverbrecher vor sich, die Pressekonferenz wird als eine Art Kriegsverbrechertribunal inszeniert. Wir haben es mit Fussball zu tun.

Wie sehen Sie Ihre Rolle bei der Erneuerung der Fifa?
Jede Kommunikationspolitik kann langfristig nur glaubwürdig und somit erfolgreich sein, wenn man konkrete Inhalte transportieren kann. Ansonsten bleibt alles Kosmetik. Zur Fifa: Der Wille ist vorhanden, ebenso der Auftrag, notwendige Reformen umzusetzen. Das ist im Sinne von Fifa-Präsident Sepp Blatter.

Um welche Reformen geht es denn im Moment?
Fifa-Präsident Blatter hat am Ende des letzten Kongresses im Juni den Weg aufgezeigt. Transparenz und Nulltoleranz gegenüber Korruption, Bildung einer Kommission für Corporate Governance und einiges mehr. Der eingeschlagene Weg wird beschritten. Kritiker werden jetzt sagen: Alles schon tausendmal gehört. Einverstanden. Dann spielt es auch keine Rolle, nochmals hinzuhören, das eine Mal noch. Vor allem hinzuschauen. Es wird Veränderungen geben. Mehr kann ich dazu nicht sagen.

Braucht es für die Glaubwürdigkeit der Fifa nicht rasche Reformerfolge?
Mohamed bin Hammam und Jack Warner gehören nicht mehr dem Exekutivkomitee der Fifa an. Bin Hammam wurde mit einer lebenslangen Sperre für alle Fussballämter belegt, Warner ist zurückgetreten. Gegen 16 Funktionäre der karibischen Fussballunion laufen Untersuchungen. Einer davon, Collin Klass, wurde bereits für 26 Monate gesperrt. Der Fifa-Präsident ist im intensiven Austausch mit Transparency International, die Ethikkommission arbeitet auf Hochtouren.

Umstrittene Funktionäre wie Ricardo Teixeira oder Chuck Blazer sind aber immer noch Mitglied des Fifa-Exekutivkomitees.
Es reicht nicht, umstritten zu sein, um Sanktionen zu gewärtigen. Strafrelevante Beweise müssen vorliegen. Blazer hat seinen Rücktritt übrigens bereits angekündigt als Generalsekretär der Concacaf (Nord- und Zentralamerikanische und karibische Fussballkonföderation).

Als Journalist haben Sie zwar nie bestritten, dass es in der Fifa Korruption gibt. Gleichzeitig haben Sie diese aber als systemimmanent und damit als unvermeidlich bezeichnet. Wie halten Sie es mit der Korruption?
In einem Beitrag der «Weltwoche», der klar als Polemik gezeichnet war, habe ich wider die Scheinheiligkeit geschrieben, nicht pro Korruption. Das würde ich heute nicht mehr so schreiben. Nicht, weil ich anders denke, sondern weil mir einzelne Sätze – aus dem Kontext gerissen – seither um die Ohren gehauen werden. Das nervt. Ist die Kritik konstruktiv und ehrlich, interessiert sie mich aber sehr. Ich glaube, dass letztlich auch die Medien insgesamt einen wertvollen Beitrag dazu geleistet haben, dass jetzt ein Umdenken stattfindet. Es gibt nicht nur die Marktschreier, sondern überwiegend professionelle Kollegen, denen es wirklich um die Sache geht.

Nach seiner Wiederwahl im Juni hat Blatter einen «Rat der Weisen» angeregt, der der Fifa bei der Lösung ihrer Probleme helfen soll. Die Idee, den Tenor Placido Domingo in dieses Gremium zu holen, hat der Fifa Spott und Häme eingebracht. Das war doch ein PR-Flop?
Dazu möchte ich mich nicht äussern.

Die Wahrheit zurechtzubiegen, gehört zu Ihrem Job als höchster Kommunikator der Fifa. Was sagen Sie dazu?
Es geht mir darum, in der öffentlichen Darstellung der Fifa Gegensteuer zu geben. Nicht durch gutes Zureden. Journalisten, die nicht auf den Kopf gefallen sind, lassen sich nicht manipulieren. In mehr als 20 Jahren im Journalismus habe ich aber eines gelernt: Dass es bei jeder Geschichte immer zwei Seiten gibt – das gilt auch für die Vorgänge in der Fifa. Ich schätze den Wettstreit der Argumente, die intelligente Provokation. Die billige Stimmungsmache, das Surfen auf dem Mainstream geht mir auf den Keks. Als Historiker versucht man sich, so nahe wie möglich, der objektiven Wahrheit zu nähern im Wissen, dass man sie nie erreichen wird. Dasselbe gilt für den Journalisten. Der Unterschied ist, dass der Historiker einen längeren Atem hat. Darum schiessen Journalisten bei der Wahrheitsfindung gelegentlich übers Ziel hianus. Wenn man über die Glaubwürdigkeit der Fifa sinniert, sollte man vielleicht auch mal über die Glaubwürdigkeit der Medien nachdenken. Das Ende von «News of the World» war spektakulär. Weniger spektakulär sind die vielen kleinen Zurechtbiegungen und Verdreher, die bewussten und unbewussten Unterlassungen bei der Suche nach der journalistischen Wahrheit.

Was ist die objektive Wahrheit über Fifa-Präsident Blatter?
Sepp Blatter ist ein sehr harter Arbeiter und ein leidenschaftlicher Fussballfan. Viele kennen diese Seite des Präsidenten, wenige äussern sich dazu, weil es nicht ins Bild passt. Fifa-Bashing ist im Trend. Man braucht keine Feinde zu fürchten, wenn man auf der Fifa herumtrampelt. Doch die Fifa hat in einer sich wandelnden Welt nachhaltige Brücken gebaut. Brücken zwischen Menschen, Brücken zwischen Nationen, auch zwischen verfeindeten. Das sind Fakten, keine Meinungen.

In Kommunikationsfragen sind Sie persönlicher Berater von Blatter. Ist er überhaupt bereit, auf Sie zu hören?
Blatter will von seinen Mitarbeitern Input bekommen, und zwar ungeschminkt. Er ist keinesfalls beratungsresistent, er nimmt andere Meinungen ernst. Aber klar: Blatter ist der Chef, am Schluss entscheidet er. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 13.10.2011, 11:31 Uhr

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17 Kommentare

manuel schilling

13.10.2011, 12:17 Uhr
Melden 49 Empfehlung

Haha! Vor gut 8 Monaten hat Herr de Gregorio im talk täglich auf Tele züri kein gutes Haar an der Fifa und insbesondere an Herrn Blatter gelassen. Er hat der fifa korruption und Vetternwirtschaft vorgeworfen und nun ist er Chef Kommunikationsberater?! Antworten


Arnold Hofer

13.10.2011, 12:19 Uhr
Melden 44 Empfehlung

Was Ihnen auf den Keks geht, interssiert doch überhaupt niemand. Die über alles Erhabenen (Blatter und co.)
sind korrupt. Muckt einer auf, wird es zum Schweigen gebracht. Jetzt kommen Sie und erzählen was Ihnen auf den Keks geht. Ueberheblicher geht es einfach nicht mehr.
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Programm & Resultate

Freundschaftsspiel
EndeSpanien - Serbien2:0
EndeSchweiz - Deutschland5:3
EndeNorwegen - England0:1
Playoff
EndeSion - Aarau3:0
Stand: 26.05.2012 20:56
Brussels Ladies Open
26.05EndeRadwanska - Halep7:5 6:0
Stand: 26.05.2012 17:02
GP Monaco 2012 - Qualifikation
1:14.3011 Michael Schumacher
1:14.3812 Mark Webber
1:14.4483 Nico Rosberg
Stand: 27.05.2012 09:18
Keine Daten vorhanden
Keine Daten vorhanden
Roland Garros
27.0512:15Cipolla - Wawrinka
Stand: 25.05.2012 14:45
Keine Daten vorhanden
Keine Daten vorhanden
Playoff
17:00Aarau - Sion
Stand: 25.05.2012 09:25
Roland Garros WTA
28.0511:00Radwanska - Jovanovski
Roland Garros
28.0511:00Federer - Kamke
28.0511:00Djokovic - Starace
28.0511:00Bolelli - Nadal
Stand: 25.05.2012 15:24
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