Blatter holt Opernsänger – Beckenbauer tobt
Von Florian A. Lehmann. Aktualisiert am 08.06.2011 27 Kommentare
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Auf Worte folgen Taten: Sepp Blatter, glanzvoll wiedergewählter Präsident der Fifa, will das Image des Weltfussballverbandes (Fifa) schleunigst aufpolieren. Deshalb stellt er dynamisch ein Lösungskomitee mit Prominenten aller Schattierungen zusammen. Im Interview mit dem TV-Sender CNN erklärt der 75-jährige Walliser, dass dem Gremium neben dem ehemaligen US-Aussenminister Henry Kissinger (88) auch der spanische Tenor Placido Domingo (70) angehöre. Weitere Mitglieder seien die Fussball-Legenden Johan Cruyff (64) und Pelé (71) sowie der frühere FBI-Chef Louis Freeh (61). «Diese Personen sind mehr oder weniger Ratgeber. Sie sind keine Experten, aber sie sind Ratgeber. Sie werden den Rat der Weisen bilden. Das wird meinem Exekutivkomitee nicht gefallen, weil es der Überzeugung ist, dass es der Rat der Weisen ist», sagte Blatter. Den Vorsitz der Gruppe übernimmt dann aber doch ein Offizieller der Fifa.
Die Sorge um das Exekutivkomitee
Die Zusammensetzung dieses Rats der Weisen passt nicht allen ins Konzept. Vor allem die Nominierung von Star-Tenor Domingo sorgt für Kritik und zuweilen für Kopfschütteln, obwohl der wiedergewählte Fifa-Boss sagt: «Placido Domingo ist sehr stolz und glücklich, dass er dabei ist.» Franz Beckenbauer (65), Deutschlands Vorzeigefigur sowie Leiter der sogenannten Fifa-Taskforce, meint gegenüber «Bild»: «Bei der Fifa scheint mir im Moment viel Aktionismus im Spiel zu sein. Ich weiss nicht, ob es eine gute Idee ist, die Exekutive zu schwächen.» Diese Worte sind durchaus als Kritik an Blatters Visionen zu verstehen. Der Kaiser selbst war vorige Woche auf eigenen Wunsch aus dem Fifa-Exekutivkomitee ausgeschieden.
Blatter meint es scheinbar ernst mit seinem Vorhaben, den stark beschädigten Ruf der mächtigen Organisation wieder aufzupolieren. Was die umstrittene Vergabe der WM 2022 in Katar betrifft, so sollen nun die Expertenkommissionen zum Zuge kommen. «Wenn diese Komitees den Eindruck gewinnen, etwas tun zu müssen, dann sollen sie die Entscheidung dazu treffen.» Er selbst werde vorerst nichts unternehmen. «Lassen Sie mich erst mal mit dem Ansatz der Ethikkommission sowie mit dem Lösungskomitee arbeiten», meint Blatter gegenüber CNN weiter.
Höhnische Kommentare
Die Zusammenstellung der Lösungskommission sorgt auch für Spott. So schreibt «Welt online» genüsslich: «Es ist ja auch nicht so, dass die Fifa nur im Schmiergeldsumpf versinkt. Es gibt andere wichtige Baustellen auf dem Zürichberg. Wer deshalb im Rat der Weisen nicht fehlen sollte: Italiens Premier Silvio Berlusconi als Sonderbeauftragter für Fernsehrechte, Formel-1-Promoter Bernie Ecclestone für die Ausarbeitung des Rahmenterminkalenders und Lothar Matthäus als Chef de Mission bei der Frauen-WM.»
Auch Tagesanzeiger.ch/Newsnet schlägt weitere Koryphäen für dieses Komitee vor: Christian Constantin, Präsident des FC Sion, als Mediator bei Unstimmigkeiten sowie – last but not least – Paul Gascoigne als Quartiermeister des Gremiums.
(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 08.06.2011, 13:23 Uhr
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27 Kommentare
Es ist das Kennzeichen solcher vergreisten Gremien, wie sie der Vatikan, der Kreml, die internationalen Sportverbände und die Mafia darstellen, dass sie so von der Realität entkoppelt sind, dass sie völlig absurde Entscheide fällen können. Antworten


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