Burgfrieden im deutschen Fussball-Machtkampf
Von Thomas Niggl. Aktualisiert am 09.02.2010
Fussball-WM 2010
Deutschlands Team-Chef Oliver Bierhoff, der 1996 als Torjäger mit seinem Golden Goal Deutschland zum EM-Titel geschossen hatte, machte gemeinsam mit Teamchef Jogi Löw einen Rückzieher. An einer Pressekonferenz schloss das Duo Bierhoff/Löw mit DFB-Präsident Dr. Theo Zwanziger einen Burgfrieden.
In den Vertragsverhandlungen zuvor hatte sich Löw kein Ultimatum stellen lassen wollen. Er hatte sein Schicksal sogar mit demjenigen von Bierhoff verknüpft: «Ich bleibe nur, wenn auch Bierhoff bleibt.»
Netzer kritisiert Bierhoff
ARD-Experte Günter Netzer konnte die Haltung Löws, von dessen Arbeit er im Übrigen fest überzeugt ist, nicht verstehen. Das Scheitern der Vertragsverlängerung von Joachim Löw hatte den deutschen Welt- und Europameister völlig überrascht und sogar schockiert. «Ich betrachte Oliver Bierhoff als zentrale Figur und Verursacher dieser unnötigen Auseinandersetzung», sagt Netzer zu Tagesanzeiger.ch/Newsnet. Bierhoff unterliege einer grandiosen Fehleinschätzung seiner Person, aber vor allen Dingen seiner Bedeutung für die Nationalmannschaft. «Er hält sich zwar für unverzichtbar, ist es aber nicht», so Netzer.
Netzers Meinung hat in Deutschland so viel Gewicht wie diejenige der Bayern-Giganten Franz Beckenbauer oder Uli Hoeness, die Bierhoff ebenfalls kritisch gegenüberstehen. Bierhoff geriet deshalb in Deutschland immer mehr unter Druck. Weil er sich inzwischen bewusst geworden ist, dass er auch seinen Freund Jogi Löw immer mehr in die Bredouille bringt, schlägt er nun einen Kurs der Diplomatie ein.
Ruhe zumindest bis zur WM
An der Pressekonferenz in Frankfurt gestand Bierhoff heute eigene Fehler ein. Er wolle aus den Fehlern lernen und wieder gestärkt aus der Krise herausgehen. An der Medienkonferenz hatten Präsident Theo Zwanziger, Teamchef Jogi Löw und Oliver Bierhoff schliesslich einen Burgfrieden geschlossen.
Löw machte ebenfalls einen Rückzieher der Vernunft. «Ich werde jetzt mit Oliver die WM vorbereiten. Danach werden wir sehen, wie es weitergeht.» Teamchef Jogi Löw hat übrigens im Vorfeld der Pressekonferenz dementiert, dass die Türken ihm ein Angebot gemacht haben. Er fügte aber hinzu: «Aber wer weiss schon, was nach der WM ist.» Es ist also durchaus denkbar, dass Löw und Bierhoff nach der WM nicht mehr das Sagen haben. Dann könnte, wie Tagesanzeiger.ch/Newsnet berichtete, der Schweizer Nati-Coach Ottmar Hitzfeld ein Thema werden. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 09.02.2010, 15:17 Uhr





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