«Dann stösst auch Favre an seine Grenzen»
Von Thomas Niggl. Aktualisiert am 05.08.2011 4 Kommentare
Experte Günter Netzer macht für Tagesanzeiger.ch/Newsnet den grossen Bundesliga-Check. (Bild: Keystone )
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Bundesliga
34. Runde
| 05.05. | Borussia Dortmund - SC Freiburg | 4 : 0 |
| 05.05. | Werder Bremen - Schalke 04 | 2 : 3 |
| 05.05. | Hannover 96 - Kaiserslautern | 2 : 1 |
| 05.05. | Mainz 05 - Borussia Gladbach | 0 : 3 |
| 05.05. | 1. FC Nürnberg - Bayer Leverkusen | 1 : 4 |
| 05.05. | VfB Stuttgart - VfL Wolfsburg | 3 : 2 |
| 05.05. | 1. FC Köln - Bayern München | 1 : 4 |
| 05.05. | Augsburg - Hamburger SV | 1 : 0 |
| 05.05. | Hertha BSC - Hoffenheim | 3 : 1 |
Rangliste
| Name | Sp | S | U | N | G:E | P | |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 1. | Borussia Dortmund | 34 | 25 | 6 | 3 | 80:25 | 81 |
| 2. | Bayern München | 34 | 23 | 4 | 7 | 77:22 | 73 |
| 3. | Schalke 04 | 34 | 20 | 4 | 10 | 74:44 | 64 |
| 4. | Borussia Gladbach | 34 | 17 | 9 | 8 | 49:24 | 60 |
| 5. | Bayer Leverkusen | 34 | 15 | 9 | 10 | 52:44 | 54 |
| 6. | VfB Stuttgart | 34 | 15 | 8 | 11 | 63:46 | 53 |
| 7. | Hannover 96 | 34 | 12 | 12 | 10 | 41:45 | 48 |
| 8. | VfL Wolfsburg | 34 | 13 | 5 | 16 | 47:60 | 44 |
| 9. | Werder Bremen | 34 | 11 | 9 | 14 | 49:58 | 42 |
| 10. | 1. FC Nürnberg | 34 | 12 | 6 | 16 | 38:49 | 42 |
| 11. | Hoffenheim | 34 | 10 | 11 | 13 | 41:47 | 41 |
| 12. | SC Freiburg | 34 | 10 | 10 | 14 | 45:61 | 40 |
| 13. | Mainz 05 | 34 | 9 | 12 | 13 | 47:51 | 39 |
| 14. | Augsburg | 34 | 8 | 14 | 12 | 36:49 | 38 |
| 15. | Hamburger SV | 34 | 8 | 12 | 14 | 35:57 | 36 |
| 16. | Hertha BSC | 34 | 7 | 10 | 17 | 38:64 | 31 |
| 17. | 1. FC Köln | 34 | 8 | 6 | 20 | 39:75 | 30 |
| 18. | Kaiserslautern | 34 | 4 | 11 | 19 | 24:54 | 23 |
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Netzer ist überzeugt, dass es in diesem Jahr nur zwei Titelanwärter gibt, wobei er die Bayern im Vergleich mit Meister Dortmund etwas im Vorteil sieht. «Man wird sehen, wie die Dortmunder mit der Zusatzbelastung der Champions League zurechtkommen», sagt Netzer. Das müsse jedoch nicht zwangsläufig einen Einbruch bedeuten. «Die jugendliche Unbekümmertheit wird Dortmund über vieles hinwegtragen», so Netzer. Deshalb blieben die Dortmunder neben den Bayern der einzige Aspirant auf den Titel. «Wenn wieder alles passt, können die Dortmunder den Titel durchaus verteidigen.»
Trotzdem seien die Bayern diesmal leicht zu favorisieren, so Netzer. Der Rekordmeister würde nach der vergangenen schlechten Saison einen besonderen Ehrgeiz entwickeln. Die Frustration der letzten Saison drücke sich in hervorragenden Neuverpflichtungen aus. Die Abwehr, die Achillesverse der abgelaufenen Spielzeit, sei gezielt verstärkt worden. Der deutsche Nationaltorhüter Manuel Neuer, aus Schalke geholt, sei der grosse Rückhalt und einer der besten Torhüter der Welt. «Diese Verpflichtung wird sich über die Saison auszahlen.» Die Proteste einiger unverbesserlicher Bayern-Fans gegen Neuer findet Netzer hingegen geradezu abstossend. «Das sind für mich keine Fussballfans», moniert er. Wer Qualität ignoriere, aus welchen Motiven auch immer, könne kein Fachmann sein und disqualifiziere sich selber. «Wie diese Leute mit Neuer umgegangen sind, ist völlig inakzeptabel.»
«Die alleinige Anwesenheit von Heynckes reicht nicht»
Angetan ist Netzer auch von Jupp Heynckes, dem ehemaligen Meistermacher, den die Bayern aus Leverkusen weggelotst haben. Günter Netzer, der in den glorreichen Gladbacher Zeiten mit Heynckes gespielt hat, spricht von einem hervorragenden Trainer. «Jupp fühlt sich bei den Bayern wie zu Hause», weiss der Experte. Trotzdem werde es für die Münchner eine schwere Saison. «Sie müssen sich den Erfolg wieder hart erarbeiten», so Netzer. Die Saison werde auch für das Team von Jupp Heynckes kein Selbstläufer. «Es gilt, das teilweise überragende Potenzial gezielt auszuschöpfen», sagt er. Die Mannschaft müsse sich in jedem Spiel und auch in jedem Training mit harter Arbeit immer wieder neu beweisen. Die alleinige Anwesenheit von Heynckes reiche jedoch nicht, um wieder ganz an die Spitze zu gelangen. «Um Titelverteidiger Dortmund in die Schranken zu weisen, brauchen die Bayern die fast perfekte Saison.»
«Hoffentlich findet Ballack noch einmal zu seiner alten Spielstärke zurück»
Leverkusen, das zuletzt lange um den Titel mitspielte, räumt Netzer allerdings keine grossen Chancen ein. «In den vergangenen Jahren hat im entscheidenden Moment etwas gefehlt», sagt Netzer. Er wünscht Michael Ballack zu dessen Karriereende, dass er noch einmal zu seiner alten Spielstärke zurückfindet. «Dann kann er auch wieder in eine Leaderrolle hineinschlüpfen», ist Netzer überzeugt. Allerdings glaubt er nicht, dass Leverkusen ernsthaft um den Titel mitspielen kann.
In der vergangenen Saison war Netzer überrascht, wie Hannover unter Mirko Slomka, Mainz unter Thomas Tuchel und Nürnberg unter Dieter Hecking in den Kreis der Grossen eingedrungen sind und sich dies auch verdient hätten. Doch auch diese Klubs müssten die Leistung in der neuen Spielzeit bestätigen. «Und das wird nicht einfach», warnt Netzer. Dasselbe gelte im Übrigen auch für Klubs wie Freiburg oder Kaiserslautern, deren Leistungen in der vergangenen Saison nicht hoch genug zu bewerten seien. Diese Klubs hätten aber auch nur deshalb für Furore sorgen können, weil Vizemeister Schalke und Werder Bremen regelrecht abgestürzt seien und sogar um den Ligaerhalt hätten zittern müssen. Netzer, der einst als Sportchef den HSV zum nationalen Titel und zum Gewinn des Europacups der Meisterklubs, was heute die Champions League ist, geführt hatte, erwartet beim HSV einen Neuanfang. «Dazu ist es aber zwingend nötig, dass die Fans diesen Weg geduldig und leidensfähig mitgehen», sagt Netzer. Sonst werde schon bald wieder Hektik und Nervosität aufkommen.
«Solbakken ist zumindest konsequent»
Auch in Köln hat man einen neuen Trainer installiert. Der neue Trainer heisst Stale Solbakken. Der Norweger hat als erste Amtshandlung den deutschen Nationalspieler Lukas Podolski als Kapitän abgesetzt. «Was auch immer ihn dazu bewogen hat, es zeigt, dass Solbakken konsequent ist», sagt Netzer. Er beuge sich nicht den Meinungen der Fans und der Medien. Jetzt sei vor allem das Verantwortungsbewusstsein von Podolski gefragt. «Er darf deshalb kein Unruheherd werden, der ständig Konflikte provoziert», so Netzer. Podolski müsse auch für ihn unbequeme Entscheidungen des Trainers akzeptieren.
Gespannt ist Netzer, wie sich Hoffenheims neuer Trainer Holger Stanislawski aus der Affäre zieht. «Auf ihn hätte ich niemals als neuen Hoffenheim-Coach gewettet», so Netzer. Hoffenheim habe qualitativ eine hervorragende Mannschaft, die sich aber nicht weiterentwickelt habe. «Man wird sehen, ob sie Stanislawski wachrütteln kann.» Gemischte Gefühlte hat Netzer auch bei Bruno Labbadia, dem Trainer des VfB Stuttgart. «Er muss Fortschritte der vergangenen Saison bestätigen», sagt Netzer. Bei seinen bisherigen Klubs habe Labbadia nur kurzfristigen Erfolg gehabt. «Er muss den Nachweis erbringen, dass er auch nachhaltig arbeiten kann.» Zu den grossen Enttäuschungen der abgelaufenen Saison zählt der Experte Bremen, Schalke und Wolfsburg. «Auch diesmal erwarte ich keinen dieser Klubs in den Spitzenrängen», so Netzer. Bei allen dreien sei zwar ein grosses Potenzial vorhanden. Aber das müsse man erst einmal wieder richtig ausschöpfen können.
«Sonst stösst auch ein Fachmann wie Favre an seine Grenzen»
«In Gladbach muss man höllisch aufpassen, dass man nicht noch einmal eine Zittersaison wie zuletzt erlebt», warnt die Gladbacher Fussball-Legende. Trainer Lucien Favre habe die Mannschaft sensationell noch in extremis vor dem Abstieg bewahrt, was man nicht unbedingt habe erwarten dürfen. «Favre hat wieder einmal wie schon beim FC Zürich und bei Hertha den Beweis erbracht, dass er ein hochqualifizierter Trainer ist», lobt Netzer dessen Fähigkeiten. Der Romand könne ein Team konzeptionell weiterentwickeln wie nicht manch anderer. In Favres Mannschaften sei seine klare Handschrift zu erkennen.
«Meinem Stammverein Mönchengladbach sage ich schon lange, dass er die falschen Ambitionen hat», sagt Netzer. Es sei zwingend notwendig, dass man den Kader nach den Vorstellungen des Trainers qualitativ verbessert. Der Wunsch Favres nach Verstärkungen sei durchaus nachvollziehbar und absolut verständlich. «Ich befürchte aber, dass die Verantwortlichen bei Mönchengladbach davon ausgehen, dass es mit einem Erfolgstrainer wie Favre auch ohne gezielte Verstärkungen so weitergeht», sagt Netzer. Das anzunehmen, sei aber ein gewaltiger Irrtum. «Denn so wird auch ein ausgewiesener Fachmann und kluger Taktiker wie Lucien Favre an seine Grenzen stossen», befürchtet Netzer, dessen Herz immer noch an seinem Stammverein hängt. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 05.08.2011, 11:02 Uhr
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4 Kommentare
Die Ueberschrift lässt für Mönchengladbach Böses erahnen. Wenn man den Kommentar von Günter Netzer genauer liest, sieht er höchstens schwarz für die Ambitionen nach oben. Mit diesem Kader wird sich Mönchengladbach kaum im ersten Drittel der Tabelle platzieren. Aber ein gesicherter Mittelfeldplatz sollte machbar sein, besonders in der Defensive hat Favre Ordnung rein gebracht. Antworten
Lucien Favre steht unter einem enormen Druck. Man erwartet von ihm, dass die Mannschaft genauso erfolgreich weiterspielt, wie am Ende der letzten Saison. Wenn das nicht gelingt, gibt es einen gewaltigen Absturz. Favre wäre nicht der Erste, dem das widerfährt. Netzer hat Recht, das Spielermaterial von Gladbach entspricht nich den hohen Erwartungen. Dazu noch die Querelen im Hintergrund des Vereins. Antworten
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