Das Wunder von Abuja
1/9
Wie die Wilden tanzten sie umher, herzten sich noch und noch und immer wieder, jubelten, lachten, schrien. Um sie herum mochten sich nur wenige der 60'000 für sie interessieren, weil die nigerianischen Fans nur eines sahen: ihre Niederlage, über die sie sich lautstark beschwerten. Sie aber, die kleinen Schweizer, sie hüpften im Kreis und hatten geschafft, woran vor vier Wochen wohl niemand auch nur im Ansatz gedacht hatte: Sie gewannen die U-17-WM.
Es ist der erste Weltmeistertitel für den Schweizer Fussball. Captain Frédéric Veseli nahm den Silberpokal aus den Händen von Sepp Blatter entgegen. Millionen von Fernsehzuschauern in 190 Ländern sahen ihm zu. Sein Leibchen trug er wie alle Teamkollegen verkehrt herum, die Rückennummer vor dem Bauch. Eine spontane Aktion, erklärte Haris Seferovic, der das goldene 1:0 erzielte hatte. Es könnte auch bedeuten: Verkehrte Fussballwelt.
Die Schweizer beendeten das Turnier mit der maximalen Bilanz, mit sieben Siegen in sieben Spielen. Das ist umso bemerkenswerter, zählt man noch einmal die sieben Gegner auf: Mexiko, der Weltmeister 2005, Japan, dann der dreifache Titelgewinner Brasilien, Europameister Deutschland, Italien, Kolumbien und schliesslich auch den anderen dreifachen Weltmeister, den Titelverteidiger Nigeria.
«Wir wissen, dass wir gut sind. Und wollen das zeigen», hatte Veseli vor dem Final gesagt. Er und sein Team hielten Wort. Zuverlässig wie ein Uhrwerk war ihnen eine gute Partie nach der nächsten gelungen. Das 1:0 über Nigeria war die weltmeisterliche Krönung.
Dabei waren die Nigerianer zuvor wie ein Schwarm Moskitos über die Schweizer hergefallen, zum Röhren aus Tausenden von Vuvuzuelas passend. Um den Aussenseiter musste man in der Startphase gleich einmal Angst haben. Janick Kamber wehrte einen Schuss auf der Linie ab, Goalie Benjamin Siegrist musste zweimal mit starken Paraden retten - als erst fünf Minuten gespielt waren. Nigeria, das bis zum Final sogar ein Tor mehr als die Schweizer erzielt hatte, zeigte gleich sein ganzes offensives Potenzial.
Seferovics goldenes Kopftor
Danach kam es aber zu einer längeren Verletzungsunterbrechung - unter anderem musste Siegrist behandelt werden, weil ihm Sani Emmanuel ungestraft gegen den Kopf getreten hatte. Und diese Pause brachte die Nigerianer aus dem Rhythmus und warf sie aus ihrem Konzept, das auf eine frühe Führung ausgerichtet war. Das wirkte sich auf den Lärmpegel aus, zwischendurch war es fast so still wie zuvor während den Nationalhymnen. Es wichen Begeisterung und Euphorie nach und nach der Ungeduld und schliesslich Verzweiflung. Die Schweiz mit ihrer fehlerlosen defensiven Leistung machte es den Titelverteidigern aber auch deutlich schwerer als etwa Spanien im Halbfinal.
Die Cleverness und Disziplin, der Mut und Kampfeswille von Dany Rysers Team beeindruckten zunehmend, je älter auch die zweite Halbzeit wurde. Die Nigerianer hatten zwar viel mehr Spielanteile, schoben sich den Ball aber immer ratloser zu. Und zu Chancen kamen die Schweizer. Nachdem er in der 57. Minute noch vorbeigeschossen hatte, gelang Haris Seferovic in der 63. Minute das 1:0. Es war eine Zürcher Produktion: FCZler Oliver Buff trat einen Eckball, der GC-Stürmer köpfelte ein. Es war sein fünftes Tor - mit drei weiteren Spielern teilt er sich damit den Titel des Torschützenkönigs. Auch Siegrist wurde geehrt: als bester Torhüter des Turniers.
Glück bei zwei Lattentreffern
Es gab in der Folge diese kritischen Momente, logisch: Zu unberechenbar ist das nigerianische Team. Explizit davor hatte Trainer Ryser gewarnt. In der 78. Minute sprang ein Kopfball von Otubanjo an die Latte, worauf es zu einem Chaos vor dem Tor kam. Doch da wussten die Schweizer das Glück auf ihrer Seite. Genauso wie in der 88. Minute, als Ajagun die Latte traf. Und schliesslich überstand die Schweiz auch die letzten verzweifelten Versuche der Nigerianer, sich in die Verlängerung zu retten, während die Fans auf den Rängen trotzig ihre Feuerwerkraketen starteten. Singen und tanzen mochten sie längst nicht mehr. Das taten nur noch die Schweizer. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 16.11.2009, 10:14 Uhr
Sport
Meistgelesen in der Rubrik Sport
Axpo Super League
| Datum | Spiel | Resultat | |
|---|---|---|---|
| 21.03.10 | St. Gallen - FC Basel | 2 : 4 (1:3) | |
| 21.03.10 | Zürich - Bellinzona | 2 : 0 (1:0) | |
| 21.03.10 | Neuchatel Xamax - Aarau | 2 : 1 (1:0) | |
| 20.03.10 | Young Boys Bern - GC Zürich | 4 : 0 (2:0) | |
| 20.03.10 | FC Sion - Luzern | 5 : 2 (3:2) | |
| R | Mannschaft | Sp | S | U | N | Tvh | P |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 1. | Young Boys Bern | 25 | 18 | 2 | 5 | 54:28 | 56 |
| 2. | FC Basel | 25 | 16 | 4 | 5 | 58:33 | 52 |
| 3. | GC Zürich | 24 | 12 | 2 | 10 | 41:34 | 38 |
| 4. | Luzern | 25 | 11 | 5 | 9 | 44:39 | 38 |
| 5. | Zürich | 24 | 9 | 7 | 8 | 39:33 | 34 |
| 6. | Neuchâtel Xamax | 25 | 9 | 7 | 9 | 41:36 | 34 |
| 7. | FC Sion | 25 | 9 | 7 | 9 | 38:40 | 34 |
| 8. | St. Gallen | 25 | 9 | 6 | 10 | 38:36 | 33 |
| 9. | Bellinzona | 25 | 5 | 3 | 17 | 33:69 | 18 |
| 10. | Aarau | 25 | 2 | 5 | 18 | 23:61 | 11 |






















