«Das ist ein merkwüdiges Verhalten eines Klubpräsidenten»
Interview: Florian A. Lehmann. Aktualisiert am 22.03.2010 4 Kommentare
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Stellungnahme der BA
Die Bundesanwaltschaft nahm in Sachen Manipulationsvorwürfen von Christian Constantin wie folgt Stellung:
«Die Bundesanwaltschaft wurde am Samstag, 20. März 2010, von Herrn Constantin telefonisch kontaktiert. Herr Constantin wurde gebeten, am Montag seine Feststellungen schriftlich bei der BA einzureichen. Die BA prüft anschliessend eine allfällige Bundeszuständigkeit.»
Super League
36. Runde
| 23.05. | Basel - Young Boys | 1 : 2 |
| 23.05. | Lausanne - Grasshoppers | 2 : 1 |
| 23.05. | Sion - Luzern | 1 : 3 |
| 23.05. | Thun - FC Zürich | 2 : 4 |
Rangliste
| Name | Sp | S | U | N | G:E | P | |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 1. | Basel | 34 | 22 | 8 | 4 | 78:33 | 74 |
| 2. | Luzern | 34 | 14 | 12 | 8 | 46:32 | 54 |
| 3. | Young Boys | 34 | 13 | 12 | 9 | 52:38 | 51 |
| 4. | Servette | 34 | 14 | 6 | 14 | 45:53 | 48 |
| 5. | Thun | 34 | 11 | 10 | 13 | 38:41 | 43 |
| 6. | FC Zürich | 34 | 11 | 8 | 15 | 43:44 | 41 |
| 7. | Lausanne | 34 | 8 | 6 | 20 | 29:61 | 30 |
| 8. | Grasshoppers | 34 | 7 | 5 | 22 | 32:66 | 26 |
| 9. | Sion | 34 | 15 | 8 | 11 | 40:35 | 17 |
| 10. | Xamax | 18 | 7 | 5 | 6 | 22:22 | 0 |
Erich Vogel, was halten Sie von den Manipulationsvorwüfen von Christian Constantin an seinen Spieler Serey Die?
Nichts. Ich kann mir nicht vorstellen, warum hier eine Manipulation vorhanden sein soll.
Warum glauben Sie das?
Man muss die Sache von drei Seiten aus betrachten. Erstens: Wenn die Wettmafia einen Spieler aussucht, um einen Wettbetrug zu organisieren, dann ist es ja ihr Ziel, eine möglichst hohe Quote zu erhalten. In Sachen Platzverweisen wäre Serey Die aber der falsche Mann, weil dieser für seine Vielzahl von roten Karten ja bekannt ist. Um eine möglichst hohe Wettquote zu erreichen, müssten sich die Zocker auf einen Spieler konzentrieren, der noch nie vom Platz geflogen ist oder einen unbescholteren Ruf geniesst. Serey Die dagegen hat schon vier Platzverweise beim FC Sion auf seinem Konto.
Aber bei Serey Die würde es wohl am wenigsten auffallen?
Natürlich. Bei ihm muss man immer wieder rechnen, dass er Rot kassiert.
Ihr zweiter Punkt, warum Sie die These von Constantin entkräften wollen?
Da ist die Situation des Spielers. Die Verantwortlichen des FC Sion haben mit ihm schon x-mal geredet, die Flut von roten und gelben Karten einzudämmen. Auch dem Spieler selbst ist bewusst, dass er sich den hiesigen Verhältnissen anpassen muss, dass er sich bessern muss, sonst droht ihm eine Vertragsauflösung. In der Elfenbeinküste oder in Algerien, wo er zuvor gespielt hat, wird anders gepfiffen als bei uns. Gewisse Fouls werden nicht so streng geahndet, es wird von den Schiedsrichtern generell in Sachen Härte mehr durchgelassen. Doch der Spieler weiss: Wenn er sich nicht in den Griff bekommt, so erhält seine Karriere einen Knick.
Dazu kommt der finanzielle Aspekt. Serey Die verdient 20'000 Franken im Monat. Dass er sich also in seiner Situation auf einen Wettbetrug einlässt, der ihm vielleicht die üblichen 30'000 bis 50'000 Franken einbringt, ist sehr unwahrscheinlich. Ich habe mich mit Leuten unterhalten, die den Ivorer sehr gut kennen. Er ist ein sehr anständiger Typ, dem man nicht zutraut, dass er sich in einen Betrug verwickeln lässt.
Und welche Rolle spielt Christian Constantin?
Das ist der dritte Punkt. Der Präsident des FC Sion hat gesagt, dass er einen Telefonanruf aus London erhalten habe. Dazu muss man wissen, dass in sämtlichen Wettbüros sogenannte Early Warning Systems angeschlossen sind. Das heisst: Wenn auffallend hohe Beträge auf irgend etwas gesetzt werden, dann wirkt das System umgehend und beispielsweise der Schweizerische Fussball-Verband wird informiert. Damit werden auch die Klubs sofort gewarnt, es könnte ein krummes Ding laufen. Und die Klubverantwortlichen haben die Aufgabe, die Spieler zu warnen, dass die bevorstehende Partie unter besonderer Beobachtung ist. Die Klubs haben ja auf gar keinen Fall Interesse, dass sie in einen Wettskandal verwickelt werden.
Das lief aber in diesem Fall nicht so ab. Constantin spricht von einem Telefon eines Freundes aus London. Wenn etwas Wahres an dieser Geschichte wäre, dann hätte das Early Warning System gewirkt. Dieses System klappt. Darüber hat Constantin an seiner Medienkonferenz gar nichts erzählt. Zudem hat der Präsident gesagt, dass er mit dem verdächtigen Spieler nicht darüber gesprochen habe, weil dieser ohnehin alles abgestritten hätte. Dann hat der Präsident den Staatsanwalt informiert, ohne vorher mit dem Spieler gesprochen zu haben. Das ist ein merkwüdiges Verhalten eines Klubpräsidenten.
Und wenn sie nun alle diese Argumente zusammenfassen, dann muss man sagen: Dieser Manipulationsverdacht geht doch nicht auf.
Haben Sie das Gefühl, dass der Präsident seinen Spieler loswerden will?
Christian Constantin hat ja das Interesse, Serey Die wieder zu guten Konditionen zu verkaufen. Bei einer Vertragsauflösung könnte der Fussballer ablösefrei wechseln. Das wäre nicht im Sinne des Präsidenten. Wenn man einen Spieler abtreten will, dann zieht man ihn nicht in eine solche Affäre oder Untersuchung wegen Spielmanipulation rein. In diesem Fall würde der Wert des Spielers drastisch fallen. Und niemand will einen Fussballer, der in einen Skandal dieser Art verwickelt ist.
Deshalb ist für mich die ganze Angelegenheit undurchsichtig. Ich sehe keinen logischen Zusammenhang.
Aber die Tätlichkeit des Spielers in der Partie gegen GC war ja schon eine aussergewöhnlich dumme Aktion...
Ich habe dieses Spiel im Letzigrund vor Ort gesehen. Was die angebliche Tätlichkeit betrifft, so sieht das nicht jeder Schiedsrichter so. Der Sittener hat den GC-Spieler Toko ins Gesicht gelangt. Ich habe gestern mehrere Aktionen verfolgt, die viel eher einen Platzverweis verdient hätten als diese Szene mit Serey Die vom letzten Mittwoch.
Ausserdem ist es für Fussballer ausserordentlich schwierig, sich bei sogenannte Minuten-Wetten auf dem Platz so zu verhalten, wie das die Wett-Mafia wünscht. Also genau in der 37. Minute einen Platzverweis zu provozieren, ist fast unmöglich. Selbst wenn die Wette so gelautet hätte, dass Die in der ersten Halbzeit vom Platz fliegt, dann hätte er ein härteres Foul begangen als diese Aktion.
Wieso ging der Präsident der Walliser mit seinen Vermutungen an die Öffentlichkeit?
Das müssen Sie ihn schon selbst fragen. Schauen Sie, dass ein Spieler der Challenge League auf Manipulationen anfällig wird, weil er einen Betrag verdient, der unter dem Existenzminimum liegt, ist zwar zu verurteilen, aber irgendwie noch menschlich.
Aber: Die Sperren bei Manipulationsvergehen müssen drastisch sein. Ein Spieler, der sich in einen Wettbetrug hineinziehen lässt, muss lebenslänglich gesperrt werden. Er darf keine zweite Chance erhalten.Tagesanzeiger.ch/Newsnet (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 22.03.2010, 16:30 Uhr
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4 Kommentare
Klar gilt die Unschuldsvermutung. Aber in diesem Fall irrt sich Erich Vogel wohl. CC würde eine gewaltige Prozesslawine mit -Kosten lostreten - vermutlich hat er handfeste Beweise...mal sehen. Ich tippe auf Betrug des Serey D...wie hoch ist übrigens diese Wettquote..? Antworten








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