David Abraham als Furie vom St.-Jakob-Park
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Bernhard Heusler schwankte zwischen Kritik und Verständnis. Er könne die Aktion nicht gutheissen, sagte Basels Vizepräsident. Aber genauso gab er zu Protokoll, Abraham habe nicht geschlagen.
Diese Meinung hat er ziemlich exklusiv. Die Bilder zeigten unmissverständlich, was war. Sie zeigten einen Abraham, der wie eine Furie auf Gonzalo Zarate losging, ihm den Ellbogen an den Kopf rammte und ihn über den Haufen warf. Später bildeten sie einen Verteidiger ab, der auf dem Weg in die Kabine auch noch gegen den eigenen Teammanager handgreiflich wurde.
Abrahams Ausraster in der 59. Minute brachte die Bilder zurück von Anfang August, als Marcos Gelabert auf seinen Platzverweis im Europacupspiel gegen KR Reykjavik höchst unbeherrscht reagierte. Als drei Tage später Goalie Franco Costanzo nach dem Schlusspfiff des Spiels gegen den FCZ auf Teamkollege Beg Ferati losging und ihn an den Haaren riss. Und nun Abraham. Darum fürchtet Heusler, dass nun zu sehr über ein angebliches Problem mit der Disziplin geredet wird und zu wenig über die Erfolgsserie mit zehn Siegen in zwölf Spielen. Der Ausbruch am Samstag habe nichts mit Disziplinlosigkeit zu tun, argumentiert Heusler.
Eine Dummheit
Wie Costanzo ist auch Abraham nicht dafür bekannt, einen unbeherrschten Charakter zu haben. Und doch muss Trainer Thorsten Fink sagen: «Abraham schadet der ganzen Mannschaft, aber auch sich. Seine Reaktion ist eine Dummheit.»
Der 23-jährige Verteidiger – 2005 im Kader, als Argentinien mit Messi, Gago und Agüero U-20-Weltmeister wurde, 2008 für rund drei Millionen Franken in die Schweiz gekommen – wird nach zwei freien Tagen von der Disziplinarkommission des FCB angehört. Und er wird, seinem Gehalt entsprechend, gebüsst. Etwas anderes kann sich der Verein gar nicht erlauben.
«Keine Entschuldigung»
Abraham hatte sich am Sonntag zuvor in Luzern einen Bänderriss am Knöchel zugezogen. Gegen GC spielte er mit einer schmerzstillenden Spritze. Von Zarate wurde er am verletzten Fuss getroffen. Es war alles andere als eine feine Aktion des GCStürmers. Abraham ging zu Boden, sprang dann auf und griff Zarate an. Genau hier eilt Heusler dem Verteidiger zur Hilfe: «Man muss sehen, was seiner Reaktion vorausging.» Auch Fink ist das Foul Zarates nicht entgangen, doch wenigstens er betont: «Das ist keine Entschuldigung.»
Was dem Trainer bleibt: Er muss weiter mit seinen Spielern reden, ihnen immer wieder erklären, «dass sie sich so nicht benehmen dürfen». Er will sie auf diese Art erziehen und vertraut darauf, dass Abraham aus seiner Unbeherrschtheit lernen wird.
Gelabert ist Argentinier, Costanzo ist es und Abraham eben auch. Jeder ist auffällig geworden. Womit nur noch einer aus ihrer Fraktion mit fast jungfräulicher Weste dasteht: Federico Almerares bringt es nach 22 Einsätzen in Pflichtspielen erst auf eine gelbe Karte. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 02.11.2009, 08:31 Uhr


