Sport

Dem FCZ droht der totale Misserfolg

Von Peter Bühler. Aktualisiert am 05.11.2009 1 Kommentar

Nach dem 1:6 in Marseille warten auf den FC Zürich auf nationaler Ebene mit Luzern (Meisterschaft) und Basel (Cup) schwierige und entscheidende Spiele.

Schwere Zeiten: Auf den FCZ mit Hannu Tihinen wartet ein schwieriger Herbst.

Schwere Zeiten: Auf den FCZ mit Hannu Tihinen wartet ein schwieriger Herbst.
Bild: Keystone

Ancillo Canepa stellte die Frage im Editorial der Matchzeitung vor dem letzten Spiel in der Super League gegen Sion gleich selber: «Bedeutet die Teilnahme an der Champions League für den FCZ Fluch oder Segen?» Der FCZ-Präsident wusste auch die Antwort: «Sportlich, imagemässig wie auch wirtschaftlich profitieren wir. Wir bräuchten zehn Jahre, um dieselben finanziellen Ergebnisse allein auf nationaler Ebene zu erwirtschaften. Und: Der Name FCZ wird, insbesondere wenn ein überraschender Sieg gegen einen Weltklasseverein gelingt, in die Welt getragen.»

Canepa hielt an dieser Meinung auch nach dem 1:6-Desaster in Marseille fest. Der Verein nimmt mit der Champions League zwischen 20 und 25 Millionen Franken ein, unter dem Strich bleibt ein Gewinn von 10 Millionen. Falls er mit dem Geld vernünftig haushaltet, hat er in den nächsten 3 Jahren keinerlei wirtschaftliche Probleme zu befürchten.

Niederlage selbst verschuldet

Auf die Marke FCZ wurde die Fussballwelt am Dienstag bestimmt aufmerksam. Bald kenne man den FCZ auch auf Tonga und den Fidschi-Inseln, jubelte der Präsident am Vorabend des ersten Gruppenspiels gegen Real Madrid. Nun, das 2:5 gegen den weltweit populärsten Klub nahm man in der Südsee vielleicht wahr. Diesmal aber geht das 1:6 gegen das ungleich weniger renommierte Olympique Marseille in die Welt hinaus. Es ist das bis anhin deutlichste Resultat in der diesjährigen Champions League.

Dem FCZ erging es in Marseille ähnlich wie seinem nationalen Rivalen Basel in der letzten Champions League. Die Basler hatten im eigenen Stadion gegen Barcelona und in Donezk je 0:5 verloren. Und genau wie die Basler damals spielte der FCZ in Marseille erschreckend schwach. Natürlich lief alles gegen ihn, gewiss hätte der Schiedsrichter vor dem zweiten Treffer der Südfranzosen auf Abseits entscheiden müssen oder eine Attacke gegen Djuric tief in der zweiten Hälfte mit einem Elfmeter ahnden können. Aber die Zürcher haben diese Niederlage in erster Linie selbst verschuldet, vor allem deren Ausmass.

Jammern ist nicht angebracht

Es war naiv, wie sie sich in den ersten 10 Minuten vom Gegner überraschen, wie sie sich von der Walze OM überrollen liessen. Dem französischen Startfurioso hatten sie nichts entgegenzusetzen. Es war enttäuschend, wie sie in den letzten 10 Minuten resignierten, wie sie sich in die Niederlage schickten und sich gehen liessen. Ihr apathisches Verhalten führte zu drei weiteren Gegentreffern, aus einem 1:3 wurde das bittere 1:6. Der Umstand, dass dem FCZ die internationale Erfahrung fehlt und zum Schluss mit Koch, Mehmedi und Nikci zwei 18-Jährige und ein 19-Jähriger auf dem Platz standen, kann keine Entschuldigung sein.

Mit seinem Auftritt hat der FCZ keine Werbung in eigener Sache gemacht. Genauso wenig wie mit dem Lamento einiger Exponenten, nicht nur des Trainers, über die Leistung des Schiedsrichters. Nach einem 1:6 ist Jammern nicht angebracht. Gefragt ist der Blick für das Wesentliche, das Eingestehen eigener Unzulänglichkeiten sowie eine Fehleranalyse. Bernard Challandes, durchaus ein (selbst)kritischer Coach, war dazu bereit.

Am Tabellenende isoliert

Den Ausflug nach Marseille hat der Meister teuer bezahlen müssen. Am Tag nach dem Spiel humpelten die angeschlagenen Vonlanthen, Aegerter, Alphonse, Koch und Okonkwo durch den Marseiller Flughafen. Im schlechtesten Fall ist die Vorrunde für Nationalspieler Vonlanthen wegen eines Muskelfaserrisses vorbei. Und nach der deutlichen Niederlage ist der FCZ nach der 4. Runde mit 3 Punkten und schon 12 Gegentoren am Tabellenende isoliert. Er braucht gegen Real und Milan mindestens 4 Punkte, um noch auf Rang 3 und ein Überwintern in der Europa League hoffen zu können. Das ist unwahrscheinlich. Realistischer ist, dass der FCZ keinen Punkt mehr holt und ausscheidet - was in Anbetracht dieser Gruppe C schon nach der Auslosung erwartet werden musste.

Zu hoffen bleibt, dass er sich mit Anstand und ohne weitere Kanterniederlagen aus der Königsklasse verabschiedet. Das dürfte nicht einfach werden. Mit Hassli, Chikhaoui, neu Vonlanthen und auch Abdi, für den es keine baldige Rückkehr ins Kader gibt, fehlen die vier wichtigsten Kreativspieler. In der gegenwärtigen Verfassung und mit den vielschichtigen Problemen läuft der FCZ sogar Gefahr, noch vor dem Real-Spiel in 3 Wochen sowohl in der Super League als auch im Cup weitere Rückschläge zu erleiden. Die Gegner in den beiden Wettbewerben heissen Luzern und Basel, zwei unangenehme Aufgaben. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 05.11.2009, 11:30 Uhr

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1 Kommentar

Franz Brunner

05.11.2009, 19:11 Uhr
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Bernard Challandes, durchaus (selbst) kritischer Coach--SIE SCHERZEN WOHL--schauen sie sich mal die wiedeholung der SF DRS sportlounge (???) an, mit Busacca, Meier und Challandes--für ihn sind immer alle andern schuld, oder dieses und jenes wenn und aber--wurden die spieler mental auf die OM-Walze vorzubereitet?--ABER KLAR! dann brauchen wir wohl über die qualität nicht zu diskutieren Antworten



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