Der Bestechungsskandal aus dem Müll
Von Florian A. Lehmann. Aktualisiert am 05.08.2010
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Der Mehrheitsaktionär von Aufsteiger Hércules Alicante, Enrique Ortiz, soll in der vergangenen Saison versucht haben, zur Sicherung der Promotion vier gegnerische Vereine in der zweiten Liga zu bestechen. Diese Tat soll aus abgehörten Telefongesprächen des Unternehmers hervorgehen.
Ein Gericht in Alicante lehnte nach spanischen Medienberichten den Antrag der Staatsanwaltschaft ab, die Aufnahmen der Gespräche den Sportverbänden zur Verfügung zu stellen. Der zuständige Ermittlungsrichter begründete den Entscheid damit, dass mit einer Weitergabe die Privatsphäre des Beschuldigten verletzt würde. Damit hat der spanische Fussball-Verband (RFEF) de facto keine Handhabe, gegen Vereinsboss Ortiz vorzugehen.
Mit der Bestechung geprahlt
Baulöwe Ortiz hat sich die juristischen Probleme selbst eingebrockt. In einem Telefongespräch mit einem Familienangehörigen, das gemäss «El Pais» abgehört wurde, soll er über die Partie seines Teams gegen Cordoba (4:0) geprahlt haben: «Bei unserem ersten Tor hat sich der Keeper in die falsche Ecke geworfen. Das war einfach super.» Ortiz wird beschuldigt, den Schlussmann Cordobas mit 100'000 Euro bestochen zu haben. Des Weiteren sollen Bestechungsversuche gegen Salamanca, Girona und Recreativo Huelva unternommen worden sein. Die drei Klubs wollten aber davon nichts wissen. Ortiz am Telefon: «Salamanca haben wir 150'000 Euro angeboten. Das Team wollte das Geld aber nicht. Dennoch haben wir es mit 4:0 abgefertigt.»
Ortiz ist ins Visier der Justiz geraten, weil er in einen Korruptionsskandal bei der Müllabfuhr verwickelt ist. Deshalb wurde auch das Telefon des Unternehmers aus der Baubranche abgehört.
Die zahlreichen Probleme im Lande des Weltmeisters
Das im Aufstiegskampf knapp gescheiterte Betis Sevilla – Alicante schaffte als Tabellenzweiter die Promotion erst in der letzten Runde – fordert nun einen Platz in der obersten Liga. Gemäss spanischem Verbandsreglement wird allein der Versuch der Manipulation eines Spiels mit einem Abzug von sechs Punkten bestraft.
Der Manipulationsskandal ist nicht das einzige Problem, mit dem sich Spaniens Fussball herumschlagen muss. Selbst die Spitzenklubs aus dem Lande des Weltmeisters kämpfen mit finanziellen Schwierigkeiten, ein renommierter Klub wie der FC Barcelona mit eingeschlossen. Die Uefa hat jüngst Real Mallorca wegen der katastrophalen wirtschaftlichen Lage aus den europäischen Wettbewerben ausgeschlossen. Das Team von der Ferieninsel ist mit 85 Millionen Euro verschuldet und meldete im Mai freiwillig Konkurs an. Auch der Aufsteiger aus Alicante steht allein beim Fiskus mit 15 Millionen Euro in der Kreide.
In Spanien herrscht bei den Fussball-Klubs Alarmzustand, zumal auch die Uefa mit Sitz in Nyon nicht mehr dem sorglosen Schuldenmachen der Vereine tatenlos zusehen will. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 05.08.2010, 10:49 Uhr


