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Der Erfolgsrausch hält nicht an

Von Jürg Ackermann. Aktualisiert am 25.06.2011 11 Kommentare

Nur weil Secondos viele Tore für die Schweizer Nationalmannschaft der U-21 schiessen, werden die Ausländer nicht besser integriert. Erleichterte Einbürgerungen sind noch immer kein Thema. Ein Kommentar.

Die Nationalmannschaft der U21 besteht fast nur aus Spielern mit balkanischen Wurzeln: Mehmedi, Shaqiri und Gavranovic (von links) feiern den Halbfinalsieg an der EM über Tschechien.

Die Nationalmannschaft der U21 besteht fast nur aus Spielern mit balkanischen Wurzeln: Mehmedi, Shaqiri und Gavranovic (von links) feiern den Halbfinalsieg an der EM über Tschechien.
Bild: Keystone

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Wären in den letzten Jahrzehnten nicht Hunderttausende von Ausländern in die Schweiz eingewandert, U-21-Trainer Pierluigi Tami stünde vor einem grossen Problem: Mit Shaqiri (Kosovo), Emeghara (Nigeria), Gavranovic (Kroatien), Xhaka (Kosovo) und Mehmedi (Mazedonien) haben gleich fünf seiner wichtigsten Fussballer Wurzeln in Staaten, aus denen SVP und FDP am liebsten jede Einwanderung unterbinden würden.

Erfolge dank Einwanderern

Eine Schweiz mit geschlossenen Grenzen wäre für den Fussball jedoch eine Katastrophe, nicht nur an der U-21-EM in Dänemark. Die eingebürgerten Ausländer trugen seit Ende der Achtzigerjahre überproportional viel zu den Erfolgen bei. Ohne Türkyilmaz, Sforza, Cabanas, Inler, Senderos oder die Yakins hätte die Schweiz nicht an derart vielen Endrunden teilgenommen wie seit 1994.

Dass so viele Secondos in nationalen Auswahlen spielen, wird gerade von links zuweilen als Beleg dafür verwendet, wie integrationsfähig die Schweiz ist. Fühlt sich die mazedonische Einwandererfamilie in Schwamendingen wohler, weil Mehmedi wichtige Tore erzielt? Dürfen die Secondos aus Kosovo auf erleichterte Einbürgerungen hoffen, weil Shaqiri so stark dribbelt? Kaum. Den politischen Diskurs vermag der Fussball in der Regel nicht zu verändern. Zwar sickern einzelne Spiele und Austragungsorte ins kollektive Gedächtnis ein – wie das Wankdorfstadion, das für Deutsche zu einem geweihten Ort wurde, nachdem das noch kriegsgezeichnete Land dort 1954 den ersten WM-Titel errungen hatte. Das wars dann aber auch schon.

Muslime schiessen die Tore

Nichts illustriert dies besser als der WM-Titel der Schweizer U-17-Nationalmannschaft vor 18 Monaten in Nigeria. Auch damals kam die Mehrheit der Spieler aus Einwandererfamilien. Doch nur zwei Wochen nachdem die beiden Muslime Seferovic und Ben Khalifa mit ihren Toren wesentlich zum bisher grössten Triumph einer Schweizer Nationalmannschaft beitragen hatten, nahm das Stimmvolk mit grossem Mehr die Minarettverbotsinitiative an, ein Jahr später stimmt es auch der Ausschaffungsinitiative zu.

«Black, Blanc, Beur»

Auch mit dem WM-Titel Frankreichs 1998 wurden viele Hoffnungen verbunden – und enttäuscht. Die Mannschaft um Zidane, Desailly und Henry stammte zum Grossteil aus Ex-Kolonien in Afrika, der Karibik oder der Südsee. Sie wurde zu einem Symbol eines neuen Frankreichs. Den algerischen Familien in Marseille ging es darum nicht besser. Der WM-Titel wurde zwar als Triumph der Multikulturalität gefeiert, die gesellschaftliche Realität veränderte er aber nicht, weil auf die Projektionen keine politischen Taten folgten. Wie stark der Integrationsmotor «Black, Blanc, Beur» stotterte, zeigte sich 2005, als sich wütende Einwanderer aus Nordafrika in Pariser Vororten heftige Auseinandersetzungen mit der Polizei lieferten.

Der Fussball hat im Moment des Triumphs eine grosse Strahlkraft; er wird zur Projektionsfläche für Sehnsüchte aller Art, kann Identität stiften oder dazu beitragen, dass vorübergehend einzelne Einwanderer-Gruppen ins Herz geschlossen werden. Der Fussball ist auch wichtig für die Immigranten selber, weil er ihnen Karrieremöglichkeiten bietet wie kaum ein anderes Berufsfeld. Der Rausch des Erfolgs und die Hoffnungen, die darauf projiziert wurden, verflüchtigen sich aber meist ebenso rasch, wie sie entstanden sind.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 25.06.2011, 10:39 Uhr

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11 Kommentare

Erhard Stuecklin

25.06.2011, 13:25 Uhr
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"Dürfen Secondos aus *** auf erleichterte Einbürgerung hoffen weil XYZ stark dribbelt?" Hätte ich geschrieben "Fritz aus Pfungen hat in der Migros einen Einbrecher festgehalten.. warum können jetzt nicht alle Pfungener mit 20% Rabatt einkaufen.. böse undankbare Migros" .. ja man würde mich für bekloppt halten, das gleiche erlaube ich mir über den Author dieses Artikels zu denken. Antworten


Guido Graf

25.06.2011, 12:10 Uhr
Melden 26 Empfehlung

Die Integration von Ausländern ist eine Grundvoraussetzung für Aufenthalts- und Niederlassungsbewilligung.
Dann kann auf Gesuch des Einbürgerungswilligen hin das entsprech. Verfahren eingeleitet und geprüft werden. Doch ein Recht auf Einbürgerung oder erleichterte Einbürgerung besteht nicht und auch ausländ. Gerichte haben hier nichts zu befehlen! Dies gilt für alle legal Zugewanderten.
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