Der Held von Winterthur

Die Sensation der Zürcher in Bern hat einen Namen: Matthias Minder.

Die Glanztat: Matthias Minder hält den Penalty von Ravet. Video: SRF

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Matthias Minder trägt die Nummer 1, doch er ist Ersatzgoalie. Etwas wohlwollender formuliert, amtet er als Winterthurer Cup-Goalie. In der Meisterschaft pflegt er hinter David von Ballmoos (eine YB-Leihgabe) auf der Bank zu sitzen, im Cup darf er sich zeigen. Und wie er das macht.

Minder schickte gestern YB ins Land der Verlierer und den FCW in den Cup-Halbfinal. Die «Berner Zeitung» schreibt von einer «herausragenden Leistung», der Landbote von einem «erstklassigen Match».

Der entscheidende Penalty: Winterthur wirft sensationell YB aus dem Cup.

Dabei beginnt die Partie schlecht. Minder lässt Ravets Schuss nach vorne abprallen, Hoarau kann den Nachschuss verwerten. Wenig später ist Minder bei Bertones vorzüglich getretenem Freistoss machtlos.

Die Reflexe und das Glück

Doch dann drehen Winterthur und Minder auf. Der 24-Jährige wehrt die YB-Übermacht mit allem ab, was er hat, Parade folgt auf Parade – und fliegt der Ball einmal an ihm vorbei, rettet für ihn das Glück, Latte und Pfosten sind ihm hold. «Wir haben gespürt, da liegt etwas in der Luft», sagt Minder. Der gelernte Verteidiger ermöglicht Winterthur mit seinen fussballerischen Fähigkeiten ein gepflegtes Aufbauspiel. Der Trainer habe dies von ihm gefordert, sagt er und weist darauf hin, dass auch beim Torhüter lange Bälle Sinn machen müssen.

Ausgleich zum 2:2: Hier schafft Winterthur das «erste Wunder», nachdem die Zürcher 0:2 zurücklagen.

Sein grosser Moment kommt im Penaltyschiessen. Trainer Umberto Romano hat seinen Spielern noch mitgegeben: «Ich bin sicher, dass Mättu einen hält.» Erst tritt Hoarau an und trifft, dann versucht sich Ravet. Der Franzose schiesst derart miserabel, dass sein Schuss wieder schwierig zu parieren ist. Minder ist schon unterwegs in die Ecke und vermag mit einem Armreflex den Ball abzuwehren. Die Tat ist entscheidend, Winterthurs Schützen verwerten allesamt. «Ich habe mich vom Instinkt leiten lassen, es hat funktioniert», sagt Minder, der am liebsten Goaliekollege Roman Bürki zuschaut.

Als Hauptfigur des Cupabends will er sich nicht sehen: «Held? Ich? Nein, das sind das ganze Team und unsere mitgereisten Fans», sagt er und ordnet den Sieg euphorisch ein: «Das ist fast wie das Wunder von Bern.» Winterthurs Geschäftsführer Andreas Mösli beschreibt Minder als «gesellig und bodenständig». Der einstige FCW-Junior ist in der Region verankert, hat in Winterthur seine Kollegen, und man trifft ihn auch im Ausgang an. Minder ist jener Typ, der schon mal vor der Bierkurve das Megafon in die Hand nimmt, um Fans und Mannschaft zu dirigieren. Minder hat Koch gelernt und zieht zwischen gestern und heute eine Parallele: «Kochen und Fussball - beides braucht viel Leidenschaft.»

Der Winterthurer lebt in einer WG mit zwei Kollegen nur fünf Minuten von der Schützenwiese entfernt. So geht er mit dem Velo ins Training – oder lässt sich von den Kollegen Mangold und Sliskovic chauffieren.

Warten und Hoffen

Seine nahe Zukunft besteht – zumindest in der kurzen Frist – aus Warten und Hoffen. Das Wunschszenario sieht so aus: Verlässt Mvogo irgendwann YB, würde in Bern von Ballmoos nachrücken und Minder dessen Platz in Winterthur übernehmen. So ist es jedenfalls beim FCW angedacht. Mösli sagt, Minder sei ohne Zweifel ein guter Challenge-League-Goalie, kann aber «noch etwas Reife als Persönlichkeit» gewinnen.

Fürs Erste liest sich diese Cupgeschichte für Minder als etwas überaus Wunderliches. Oder wie schrieb der Landbote im Winter: «Er sitzt in der Meisterschaft auf der Bank und zeigte in den drei Cupspielen, dass man sich auf ihn verlassen kann. Sein nächster Höhepunkt: der Viertelfinal gegen YB.» Es liest sich wie ein Omen.

Nun folgt der Halbfinal. Minders Wunsch: «Ein Heimspiel.»

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 02.03.2017, 11:16 Uhr

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