Der einzige Lichtblick
Von Sascha Rhyner. Aktualisiert am 08.09.2010 136 Kommentare
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Ottmar Hitzfeld hatte gegen die robusten Engländer nicht von Beginn an auf den knapp 170 cm grossen und erst 19-jährigen Xherdan Shaqiri setzen wollen. Der Nationaltrainer wählte die aus seiner Sicht stabilere Variante mit David Degen und Xavier Margairaz auf den Seiten. Der FCZ-Spieler war erster Zuschauer, als Wayne Rooney schon in der 10. Minute das Schweizer Defensivkonzept erstmals aushebelte.
Zur Pause korrigierte Hitzfeld seine Startformation. Er schickte den Basler Jungstar aufs Feld. Schon in St. Gallen, wo ansonsten FCB-Spieler wenig Gegenliebe erwartet, war das Publikum jeweils verzückt, wenn Shaqiri im rechten Mittelfeld Anlauf nahm. Die Energie des Kraftpakets schien sich auf die Zuschauer zu übertragen. Und wenn er den Ball irgendwo in die Nähe des Strafraums getragen hatte, riefen die Fans «schiess!».
Die kernigen Schüsse des 19-Jährigen sind weit über die Basler Stadtgrenze bekannt und bei den Gegnern gefürchtet. In seinem erst dritten Länderspiel vor der WM gegen Italien nutzte er seinen dreiminütigen Kurzeinsatz mit einem wuchtigen Schuss, um Schlussmann Federico Marchetti vor ernsthafte Probleme zu stellen.
«Bei diesen Mauern schiessen wir nicht sieben Tore»
Gegen Australien kam Shaqiri mit seinen Schüssen noch nicht durch. Auch gestern ging wieder diese Mischung aus Unruhe, Begeisterung und Hoffnung durch die Ränge, wenn der Basler am Ball war. Und in der 71. Minute zog er tatsächlich ab. Joe Hart, Englands neuer Hoffnungsträger im Tor, war gegen den Knaller aus 25 Metern chancenlos. Der Ball passte genau in die linke hohe Torecke. Und sie trug dem Torschützen die Gratulation des Keepers von Manchester City ein. Freuen mochte sich Shaqiri nicht richtig. «Ich schoss auch bei Basel schon zwei-, dreimal eine solche «Kiste», erzählte er mit seinem spitzbübischen Lächeln.
«Meine Tore kommen meistens von ausserhalb des Sechzehners. Das war sicher schön, aber ich bin auch enttäuscht, dass wir verloren haben», erklärte Shaqiri nach dem Spiel. Der jüngste Spieler in Hitzfelds Aufgebot stand auch nach der ernüchternden 1:3-Niederlage für seine Unbekümmertheit. Er war – nicht nur seines Treffers wegen – neben dem überragenden Diego Benaglio der einzige Lichtblick im überforderten Schweizer Team. «Es wäre sicher mehr möglich gewesen, so wie wir in der zweiten Halbzeit spielten. Aber es gibt eben solche Spiele», war Shaqiris Analyse.
Mit seinem unbekümmerten Auftritt gegen Spieler wie James Milner oder Ashley Cole, dessen Trikot er sich nach dem Spiel ergatterte, empfahl sich Shaqiri nicht nur dem Publikum, sondern auch Hitzfeld. Er liess sich von der physischen Überlegenheit der Engländer als praktisch einziger Schweizer nicht einschüchtern, auch wenn er sagte: «England ist sicher kein schlechter Gegner. Mit diesen Mauern hintendrin kann man nicht erwarten, dass wir sieben Tore schiessen.»
(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 08.09.2010, 11:39 Uhr









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