Der lange Kampf gegen das Neonazi-Image

Der Sportartikelhersteller Lonsdale, der erst von der britischen Skinhead-Szene und später von Neonazis in ganz Europa vereinnahmt wurde, kämpft mit Fantasie gegen sein negatives Image.

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Das Spiel zwischen den beiden Leipziger Amateuerclubs Roter Stern und Eintracht Schkeuditz wäre ausserhalb der Regionalsportspalten eigentlich keine Erwähnung wert, wäre im Rahmen der Partie vom vergangenen Sonntag nicht der neue Sponsor des der linken Szene angehörenden Vereins Roter Stern präsentiert worden. Bei diesem handelt es sich um den britischen Sportartikelhersteller Lonsdale, der einst die Boxlegende Muhammad Ali ausrüstete und später zunehmend in Verruf geriet, weil Rechtsradikale eine Vorliebe für die Bekleidung der Londoner Marke entwickelten. Im Lonsdale-Schriftzug folgen die Buchstaben N, S, D und A aufeinander, man muss sich nur noch ein P hinzudenken, und schon hat man die Abkürzung der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei Adolf Hitlers.

Beim nächsten Heimspiel von Roter Stern wird den Zuschauern ein von Lonsdale finanzierter roter Kleinbus präsentiert. Dieser, so berichtet die Berliner TAZ, darf und soll explizit auch als Lautsprecherwagen bei Demonstrationen gegen Fremdenfeindlichkeit eingesetzt werden. «Wenn der Bus auch abseits des Platzes dazu beitragen kann, eine Stimmung gegen Rassismus zu erheben: umso besser», sagte Lonsdale-Sprecher Ralf Elfering gegenüber der Zeitung. Neben Roter Stern steht auch der im linken Umfeld beheimatete Regionalligist Babelsberg 03 seit Februar bei Lonsdale unter Vertrag, die Boxabteilung des FC St. Pauli rüstet die Firma schon seit 2011 aus. 2005 trat sie als Sponsor des Kölner Christopher Street Day auf.

Im Potsdamer Fussballstadion, das nach dem 1919 von Rechtsradikalen ermordeten Kommunistenführer Karl Liebknecht benannt ist, steht eine Lonsdale-Bande mit dem Schriftzug «Für einen Fussball ohne Rassismus. Immer und überall». Weiter soll eine Zusammenarbeit im Merchandisingbereich helfen, Lonsdale aus der rechten Ecke zu befreien. «Mit Lonsdale haben wir eine Marke mit grosser Reichweite gefunden und hoffen, die Botschaft gegen Rassismus gemeinschaftlich breiter kommunizieren zu können. Lonsdale wiederum profitiert von unserem Image», erklärt Babelsbergs Pressechef Thoralf Höntze gegenüber der TAZ. Es habe aber vor dem Vertragsabschluss auch Zweifler im Umfeld des Clubs gegeben. «Menschen, die in den Neunzigerjahren mit Trägern der Marke Schwierigkeiten hatten.» (ak)

Erstellt: 06.03.2014, 09:55 Uhr

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