Deutscher Fifa-Kritiker war ein Phantom
Von David Wiederkehr. Aktualisiert am 12.01.2011 27 Kommentare
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Es las sich erst richtig rebellisch, was der Deutsche Günter Hirsch am Sonntag mitgeteilt hatte. Er ziehe sich per sofort aus der Ethikkommission der Fifa zurück, schrieb der frühere Präsident des Bundesgerichtshofs in Berlin. Denn: «Die Verantwortlichen der Fifa haben kein wirkliches Interesse daran, eine aktive Rolle bei der Aufklärung, Verfolgung und Vorbeugung von Verstössen gegen das Ethikreglement zu spielen.»
«Die Fifa ist nervös»
Ursache für die Demission war die Bestechungsaffäre im Vorfeld der Vergabe der Weltmeisterschaften 2018 und 2022 – die Ethikkommission hatte zwei Mitglieder des Exekutivkomitees ausgeschlossen, Reynald Temarii aus Tahiti und den Nigerianer Amos Adamu. In seiner Heimat erntete der Jurist Hirsch Zuspruch. «Die ramponierte Glaubwürdigkeit des Verbands ist damit eines weiteren letzten Restes beraubt worden», behauptete «Die Zeit» und titelte über diesen Zeilen: «Die Fifa ist nervös.»
Die Nervosität hielt sich in Grenzen am Tag nach der Ballon-d’Or-Gala im Zürcher Kongresshaus. Hirsch ist nicht eben ein bekanntes Gesicht, nicht einmal am Fifa-Hauptsitz. Und darum konterte der Verband gestern Dienstag hörbar genüsslich: Letztmals habe der heute 67-Jährige am 23. Oktober 2006 einer Sitzung der Ethikkommission beigewohnt – in jenem Meeting, in dem das Gremium konstituiert wurde. Seither sei er trotz wiederholten Einladungen nie mehr gekommen. Gewählt worden war Hirsch wie die übrigen 13 Kommissionsmitglieder für acht Jahre.
Claudio Sulser irritiert
Darüber hinaus sagte die Fifa nur, dass sie das Rücktrittsschreiben zuhanden von Komissionspräsident Claudio Sulser zur Kenntnis nehme. Der Anwalt aus Lugano wiederum zeigte sich gegenüber «Blick am Abend» irritiert und bestätigte den Eindruck, dass es sich bei Hirsch um ein veritables Phantom handelt: «Ich kenne Günter Hirsch leider nicht persönlich. Er war nie an einer unserer Sitzungen dabei.» Und daher verstehe er nicht, dass sich jemand so negativ äussere, ohne selber eine aktive Rolle gespielt zu haben, sagte der frühere Stürmer der Nationalmannschaft.
Hirsch seinerseits schweigt, seit sich der Wind gedreht hat, und überlässt der Öffentlichkeit die Mutmassungen, was ihn zu diesem Schritt getrieben haben könnte. Spekuliert wird, dass er schlicht um seinen Ruf als Richter fürchtete. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 12.01.2011, 08:19 Uhr
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27 Kommentare
claudio sulser war zu seiner aktivzeit ein grossartiger fussballer und für mich ein sportliches vorbild. dass er sich nun aber sogar als präsident für dieses schmierentheater in dieser lächerlichen ethikkomission zur verfügung stellt, das kratzt gewaltig an meinem bild, das ich bis anhin vom tessiner hatte. sehr schade. Antworten




