Die Demontage eines Präsidenten
Von Ueli Kägi. Aktualisiert am 12.08.2011 18 Kommentare
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Es war der Nachmittag vor dem Länderspiel der Schweiz in Liechtenstein. Im Quellenhof von Bad Ragaz tagte das Komitee der Swiss Football League (SFL), das den Kurs des Schweizer Profifussballs wesentlich mitbestimmt. Liga-Präsident Thomas Grimm hatte auf Druck anderer Komiteemitglieder selbst zu dieser dringlichen Sitzung geladen. Der FC Sion war das Thema, und Grimm wurde zum grossen Verlierer. Die sieben (von neun) anwesenden Mitglieder entzogen ihm einstimmig das Sion-Dossier, das er geführt hatte. Zuvor hatte sich der 52-jährige Berner geweigert, in den Ausstand zu treten, wie das die Walliser Vereinsführung gefordert hatte. Als der Entscheid getroffen war, verliess Grimm die Sitzung, den Fall betreut jetzt sein Stellvertreter Giancarlo Dazio.
Die Folgen eines Fifa-Urteils
Die Liga steckt wieder einmal im Zwist mit dem Walliser Klub und seinem Präsidenten Christian Constantin. Am Ursprung des Konflikts steht ein Fifa-Entscheid, der den FC Sion nach dem Vertragsbruch beim Transfer von Ägyptens Nationalgoalie El-Hadary von zwei Transferperioden ausschloss und eine erste Auseinandersetzung vor dem internationalen Gerichtshof CAS provozierte.
Die Folgen der Transfersperre trägt nun die SFL. Die im Sommer vom FC Sion neu verpflichteten Spieler sind vor Gericht gezogen, weil die Liga ihnen keine Spielbewilligung erteilt hatte. Zum jüngsten Eklat kam es am vergangenen Samstag, als die Disziplinarkommission der Liga die betroffenen Profis sperrte, weil sich diese am Tag zuvor beim Bezirksgericht Martigny mit einer superprovisorischen Verfügung die Spielbewilligung erstritten hatten. Constantin kommentierte, mit diesem Entscheid habe Grimm «sein Todesurteil unterschrieben». Grimm erhielt darauf auch eine anonyme Morddrohung und erstattete Anzeige gegen unbekannt.
Eine persönliche Sache
Constantins mündlicher Äusserung ist übel. Juristisch aber scheint er wieder einmal bestens beraten zu sein. Er lässt seine Spieler vor Zivilgericht klagen und tritt mit dem FC Sion vor dem internationalen Sportgerichtshof CAS gegen die Liga an. Daneben hat er den Komiteemitgliedern mit einer Schadenersatz-Klage über 20 Millionen Franken gedroht, weil er wegen der fehlenden Spielbewilligungen mehrere Spieler nicht habe verkaufen können.
Grimm ist Constantins erste Zielscheibe, weil Grimm den Fall Sion mit juristischer Härte regeln wollte. Dabei soll er es auch unterlassen haben, die Komiteemitglieder über einen Vorschlag von Constantin zur Einsetzung eines Schiedsgerichts zu informieren. Grimm wollte gestern keine Stellung nehmen und verwies auf heute. Sion-Präsident Constantin hingegen hat zuletzt wiederholt gesagt: «Diese Auseinandersetzung ist ein Fall Grimm gegen den FC Sion.» Stimmen aus dem Komitee bestätigen diese Einschätzung – allerdings nur hinter vorgehaltener Hand. Constantin soll Grimm mehrmals aufgefordert haben, das Dossier abzugeben, um den Weg frei zu machen für eine Lösung.
Für Grimm gibt es nach den jüngsten Ereignissen keine längere Zukunft mehr als Präsident der Swiss Football League. Wenn er nicht von sich aus zurücktritt, wird er im November nach Ablauf der Amtsperiode kaum mehr gewählt. Der Jurist und vormalige YB-Präsident war im Sommer 2009 an einer ausserordentlichen GV zum Präsidenten bestimmt worden. Mittlerweile ist er im Liga-Komitee weitgehend isoliert. Starke Anzeichen dafür gab es erstmals Anfang Juli, während der entscheidenden Verhandlungstage beim Abschluss des neuen TV-Vertrages. Grimm machte sich innerhalb des Gremiums dafür stark, die Rechte an die SRG zu verkaufen, am Ende musste er sich der klaren Mehrheit fügen und dem finanziell deutlich lukrativeren Abschluss mit Cinetrade (Teleclub) zustimmen.
Angst vor dem Bosman-Effekt
Jetzt werfen ihm seine Kritiker vor, die Liga in der Auseinandersetzung mit dem FC Sion in eine ungünstige Position gebracht zu haben. Dass die Disziplinarkommission am vergangenen Samstag sechs Walliser Spieler unmittelbar vor Matchbeginn sperrte, könnte nicht nur juristisch, sondern auch verhandlungstechnisch ungeschickt gewesen sein und hat Constantin in die Hände gespielt. Für den Winterthurer-Sportrechtsspezialisten Marco Del Fabro bewegt sich die SFL-Disziplinarkommission mit ihrem Entscheid auf «juristischem Glatteis».
Andere Mitglieder des Liga-Komitees hätten – auch aus Respekt vor Constantins angedrohter 20-Millionen-Franken-Klage – weniger hektisch reagiert und versucht, sich Constantin in höflicherem Ton anzunähern und danach einen Kompromiss anzustreben. Ob der neu federführende Gian-Carlo Dazio diesen Kurs verfolgt, wollte er gestern noch nicht sagen. Allerdings soll die Disziplinarkommission ihren Entscheid erst unter massivem Druck der Fifa getroffen haben. Ein hoher Funktionär des Weltverbandes soll Grimm wiederholt Konsequenzen für den Schweizer Fussball angedroht haben, wenn die SFL untätig bleibe.
Die Fifa lässt den Weg an Zivilgerichte in ihren Statuten nicht zu, ein neuer Präzedenzentscheid wie im Fall Bosman, der das ganze frühere Transfersystem aus den Angeln hob und revolutionierte, könnte wieder weitreichende Folgen haben. Zum Beispiel diese: Könnte ein Spieler auch gegen eine mehrfache Spielsperre vor einem Zivilgericht klagen, weil die Bestrafung einem faktischen Arbeitsverbot gleichkäme? Vor solchen Fragen fürchtet sich die Fifa, und genau deshalb verfolgt sie jetzt so genau, was derzeit den Schweizer Fussball prägt. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 12.08.2011, 08:07 Uhr
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18 Kommentare
Dieses Theater mit Herrn Constantin ist doch ueberfluessig, hat man doch
seinen Fusstritt in den Unterleib eines Linienrichters laengst vergessen.
Da haette Herr (?) Constantin auf Lebzeiten gesperrt werden muessen, und
das immer wiederkehrende Theater mit diesem Herrn (?) schon lange aufgehoert.
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