Die Fehltritte des Franck Ribéry
Von Florian A. Lehmann. Aktualisiert am 22.04.2010
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Bereits um 21.22 Uhr MEZ war der Arbeitstag von Bayerns wuchtigem Mittelfeldspieler zu Ende. Sein rüdes Foul an Lyons Lisandro Lopez in der 37. Minute wurde am Mittwochabend vom italienischen Schiedsrichter Roberto Rosetti mit der roten Karte bestraft. Erstaunlich emotionslos stapfte der Franzose vom Rasen der Münchner Arena. Gemäss deutschen Quellen verliess der Rotsünder noch vor dem Schlusspfiff das Stadion. Er fuhr heimwärts, mit seiner algerischen Gattin Wahiba Belahmi als Beifahrerin.
Die Bayern gewannen zwar 1:0, aber Ribéry, der sich zuvor auf dem Feld als aktivster Bajuware gezeigt hatte, wird nach seinem Platzverweis auf jeden Fall das Rückspiel am Dienstag in Lyon verpassen. Das ist nicht nur ein Handicap für die Bayern, sondern auch eine herbe Enttäuschung für den 1,70 Zentimeter grossen Fussballer, der so gerne gegen seine Landsleute die Finalqualifikation angestrebt hätte.
Das Urteil der Uefa
Und wenn Ribéry Pech hat, dann könnte der 37-minütige Auftritt im Hinspiel der Champions League am 21. April auch sein letzter Auftritt für die Münchner in der Königsklasse gewesen sein. Denn sollte die Uefa das Foul am nächsten Mittwoch mit zwei oder mehr Spielsperren bestrafen, dann wäre Ribéry beim möglichen Finalmatch am 22. Mai im Madrider Bernabéu ebenfalls nur Zaungast. Das käme dann als mehr als nur eine doppelte Ohrfeige für den Nationalspieler gleich. Letztlich hängt ja die berufliche Zukunft des 27-Jährigen aus Boulogne-sur-Mer im Freistaat Bayern in der Schwebe. Er ist mit seinen jüngsten Geschichten aus dem Rotlicht- und Sport-Milieu bei Vertragsverhandlungen in der Defensive, zumindest ist es sein dubioser Berater Jean-Pierre Bernès (53) .
Nein, es läuft nicht rund im Leben des Monsieur Ribéry. Der Sexskandal, in den er zusammen mit den National-Kickern Sidney Govou (Lyon) und Karim Benzema (Real Madrid) verwickelt ist, hat sich in der Grande Nation zur Staatsaffäre entwickelt. Gemäss den jüngsten Meldungen aus dem Pariser Rotlicht-Milieu (und von der französischen Justiz) hat die betroffene junge Dame aus dem ältesten Metier der Welt die sexuellen Handlungen von Fussball-Star Ribéry bestätigt.
Die dralle Blondine namens Zahia Dehar ist 18-jährig ist und stammt aus Marokko. Der Teenager soll bei seiner Vernehmung aber auch erklärt haben, dass sie ihrem prominenten Kunden im Frühling 2009 vorgespielt habe, schon volljährig zu sein. Das würde Ribéry juristisch entlasten. In Frankreich droht Sex mit Minderjährigen eine Strafe von bis zu drei Jahren Gefängnis und eine Busse von 45'000 Euro. Mit der Geldstrafe allein könnten die drei gut betuchten Fussballer ja noch gut leben.
Nichts als Ärger
Ob nun ein Strafverfahren gegen Ribéry und seine Copains aus der «Equipe tricolore» eingeleitet wird, ist nun Gegenstand der Abklärungen. Die amourösen Aktivitäten des Trios neben dem Rasen haben sich – wenige Wochen vor der WM in Südafrika – zur nationalen Affäre emporgeschwungen. Solche Storys geben wunderbares Material für die Boulevardpresse her, für die Sportler und ihre Familien sind sie aber peinlich. Und nicht jeder Profisportler weiss mit dieser Art von Scheinwerferlicht umzugehen, sehr oft leiden dann auch die Leistungen auf den Wettkampfplätzen, weil die Konzentration nicht mehr allein dem Job gilt, der da heisst: Fussball spielen und gewinnen.
Für den temperamentvollen, aber auch sensiblen Ribéry brechen fürwahr heikle Zeiten an. Der Vater zweier Töchter, der vor acht Jahren zum Islam konvertierte, erwartet nicht nur Sanktionen von der Uefa oder unter Umständen von der französischen Justiz. Auch seine Ehefrau dürfte kaum begeistert über den Fehltritt ihres Mannes sein – vor allem von jenem ausserhalb des Stadions. Übrigens sind auch die Franzosen nicht gerade glücklich über den moralischen Faux-pas: 57 Prozent der Leserschaft von «France Soir» finden, dass Ribéry im Trikot von «les Bleus» nichts mehr zu suchen habe. Die Bayern-Fans indessen halten auch nach dem ausserehelichen Schäferstündchen zu ihrem Liebling. Das lässt wiederum die interessante Frage offen: Sind die Bayern weniger prüde als die Franzosen? (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 22.04.2010, 14:01 Uhr



