«Die Schweiz! Das ist doch kaum zu glauben»
Hansruedi Hasler, die Schweiz ist Weltmeister: Ist das zu fassen?
Es ist riesig, aussergewöhnlich, abartig. Aber ich muss das erst sacken lassen, habe zu sehr gelitten während des Spiels in dieser besonderen Atmosphäre. Dass sich die Spieler nicht beirren liessen, zeichnet sie nur noch mehr aus. Das ist bewundernswert. Und was dieser WM-Titel für den Schweizer Fussball bedeutet, will ich mir jetzt gar nicht ausdenken. Aber jetzt sollten wir diesen Sieg erst geniessen, ehe wir uns mit dem Danach beschäftigen.
Sie hatten im Vorfeld angedeutet, dass Sie der Mannschaft einiges zutrauen. Ganz ehrlich - hatten Sie auch den WM-Titel gemeint?
Ich war mir sicher, dass sie die Gruppenspiele überstehen wird. Und mir war klar: Danach kann alles passieren, wenn man einen guten Tag erwischt. Dass die Mannschaft aber gleich so überzeugend auftreten würde, hat auch mich überrascht. Sehr sogar.
Was imponierte Ihnen am meisten?
Mehrere Dinge. In dieser Mannschaft spielen fast alle überdurchschnittlichen Spieler im offensiven Bereich. Das ist man sich von einer Schweizer Nationalmannschaft nicht gewöhnt. Daneben ist das Team sehr ausgeglichen, es fällt keiner ab. Es ist, und das muss ich betonen, nicht selbstverständlich, dass wir in einem Jahrgang 21 international taugliche Spieler haben. Und schliesslich hat Dany Ryser einen hervorragenden Job gemacht.
Da Sie es betonten: Haben Sie denn das Gefühl, dass dieser herausragende Erfolg, ein EM-Titel der U-17 wie vor sieben Jahren oder die neuerliche WM-Qualifikation des A-Nationalteams als selbstverständlich betrachtet werden?
Ein wenig schon, ja. Und das verstehe ich ein Stück weit auch: Im Spitzensport geht es darum, international gute Leistungen zu zeigen. Man darf also von uns solche Resultate erwarten. Im Fussball reicht aber ein Roger Federer nicht. Da brauchen wir 20, 25 überdurchschnittliche Spieler. Das ist mit 250'000 lizenzierten Fussballern in der Schweiz logischerweise etwas schwieriger als mit 6 Millionen wie in Deutschland. Trotzdem ist die Schweiz auf Stufe U-17 auf Platz 5 des europäischen Langzeit-Rankings. Die Schweiz! Das ist doch kaum zu glauben.
Es ist das Ergebnis Ihrer Arbeit.
Nein, der Zusammenarbeit von Verband und Klubs. Die Vereine sind die Pfeiler des Fussballs. Sie haben ihre Nachwuchsarbeit in den vergangenen Jahren verbessern und Qualitätskriterien erfüllen müssen. Wir dagegen schütten aus dem Ausbildungsfonds vier Millionen Franken pro Jahr aus. Das alles sind unglaublich wichtige Instrumente, ohne die wir nicht da wären, wo wir jetzt sind. Als wir mit dem Nachwuchskonzept 1995 starteten, gab es in der Schweiz fünf, sechs Profitrainer im Nachwuchsbereich. Heute gibt es 80 Profitrainer.
Von wie vielen Spielern dieser U-17 erhoffen Sie sich den Durchbruch?
Das ist schwierig zu beantworten. Zum einen sind die Spieler noch in einem Alter, in dem man ein Talent ist. Sie sind noch nicht ausgereift, fertig geformt. Es wird sich zeigen, wer aus seinem Talent etwas macht. Zum andern ist es eine Frage, wo die Messlatte liegt. Heisst Durchbruch, dass sie einmal in der A-Nationalmannschaft spielen?
Ja.
Vier, fünf vielleicht, wenn man den Jahrgang 1985 als Massstab nimmt. Von diesem (U-17-Europameister 2002) sind einige Profi geworden. Damit wir uns richtig verstehen: Ich mag jedem Einzelnen den Durchbruch gönnen. Aber die Pyramide im Leistungssport ist brutal. Und solange es Klubs wie den FC Sion gibt, die keinem Nachwuchsspieler eine Chance bieten, wird es noch schwieriger.
Wem trauen Sie den Durchbruch zu?
Haris Seferovic und Nassim Ben Khalifa sicher, Granit Xhaka, der riesiges Talent hat. Pajtim Kasami, wenn er endlich einen Klub findet, bei dem er zum Einsatz kommt. Bei ihm ist es eine Frage der Karriereplanung. Janick Kamber hat ein enormes Potenzial. Vielleicht Benjamin Siegrist, wenn er ruhiger wird, souveräner und kommunikativer. Die kommenden zwei Jahre sind entscheidend für die Spieler.
Ende Jahr treten Sie als Technischer Direktor des SFV zurück, Sie, der Architekt des Schweizer Nachwuchskonzeptes. War dieses Turnier der U-17 die Krönung?
Ein Top-Abschluss in jedem Fall. Und besonders schön, dass ich das zusammen mit Peter Knäbel erleben durfte.
Dass Vorgänger und Nachfolger zusammenspannen, ist unüblich.
Dadurch hatte Peter vier Monate Zeit, sich einzuarbeiten. Denn Kontinuität ist einer der wichtigsten Punkte in der Nachwuchsarbeit. Den haben wir im Verband vorgelebt, genauso wie das viele Klubs tun. Wenn alle paar Monate der Nachwuchschef wechselt, gibt es keine einheitliche Linie.
Unter Peter Knäbel läuft es demnach weiter wie bisher?
Natürlich hat er eigene Ideen, er wird die Schwerpunkte etwas anders setzen. Das muss so sein, frischer Wind ist immer gut. Die grosse Linie wird aber die gleiche bleiben. Denn hinter Peter ist der Trainerstab, und der wird ja nicht ausgewechselt.
Aber Dany Ryser wird seine Mannschaft nach dem Turnier verlassen und wieder die U-15 übernehmen. Wieso eigentlich?
Das ist ein weiteres unserer Prinzipien: Es gibt Trainer, die sich ausgesprochen eignen für 15-, 16-, 17-Jährige. Und solche, die besser mit 18- bis 21-Jährigen arbeiten. Das sind zwei verschiedene Kategorien. Dany Ryser, Yves Débonnaire und Heinz Moser gehören europaweit zu den besten Trainern der unteren Altersstufe, und sie unterliegen dem Turnus, für den wir uns einst entschieden haben: Nach der U-17 kommen wieder die Buben der U-15. Das ist einfach so.
Langweilig werden dürfte es auch Ihnen nicht - als künftiger Berater des GC-Verwaltungsrats haben Sie einiges zu tun. Gilt dieses Mandat angesichts der akuten Finanzkrise des Vereins überhaupt noch?
Wenn es GC am 1. Januar noch gibt, schon (lacht). Ich will weiter arbeiten, eine Weltreise ist nichts für mich. GC helfe ich in den sportlichen Belangen, schaue, wo Potenzial liegt, wo es Optimierungsmöglichkeiten gibt. Diese Zusammenarbeit ist erst einmal auf ein Jahr beschränkt.
Stehen Sie in Kontakt mit GC-CEO Urs Linsi?
In ständigem. Ich bin im Bild, was bei GC geht. Darum weiss ich, worum es jetzt geht: Geld auftreiben und aus Verträgen kommen, die Erich Vogel dem Klub eingebrockt hat. Das hat nun Priorität, und darum sagte ich Linsi, dass ich erst im neuen Jahr anfangen muss. Denn solange die Geldprobleme nicht einigermassen gelöst sind, macht es keinen Sinn, über das Scouting zu reden. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 16.11.2009, 11:45 Uhr
Sport
Meistgelesen in der Rubrik Sport
Axpo Super League
| Datum | Spiel | Resultat | |
|---|---|---|---|
| 21.03.10 | St. Gallen - FC Basel | 2 : 4 (1:3) | |
| 21.03.10 | Zürich - Bellinzona | 2 : 0 (1:0) | |
| 21.03.10 | Neuchatel Xamax - Aarau | 2 : 1 (1:0) | |
| 20.03.10 | Young Boys Bern - GC Zürich | 4 : 0 (2:0) | |
| 20.03.10 | FC Sion - Luzern | 5 : 2 (3:2) | |
| R | Mannschaft | Sp | S | U | N | Tvh | P |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 1. | Young Boys Bern | 25 | 18 | 2 | 5 | 54:28 | 56 |
| 2. | FC Basel | 25 | 16 | 4 | 5 | 58:33 | 52 |
| 3. | GC Zürich | 24 | 12 | 2 | 10 | 41:34 | 38 |
| 4. | Luzern | 25 | 11 | 5 | 9 | 44:39 | 38 |
| 5. | Zürich | 24 | 9 | 7 | 8 | 39:33 | 34 |
| 6. | Neuchâtel Xamax | 25 | 9 | 7 | 9 | 41:36 | 34 |
| 7. | FC Sion | 25 | 9 | 7 | 9 | 38:40 | 34 |
| 8. | St. Gallen | 25 | 9 | 6 | 10 | 38:36 | 33 |
| 9. | Bellinzona | 25 | 5 | 3 | 17 | 33:69 | 18 |
| 10. | Aarau | 25 | 2 | 5 | 18 | 23:61 | 11 |






