Sport

«Die U-21-Nati ist eine Patchwork-Familie»

Von David Wiederkehr. Aktualisiert am 22.06.2011 2 Kommentare

Peter Knäbel, Ausbildungschef des Fussballverbands, traut der Schweiz den EM-Titel zu. Ein Final gegen Spanien wäre für ihn die Krönung.

«Ich hoffe, das Team zeigt sich so wie bisher, natürlich, ambitioniert, spielfreudig, dann kommt das gut»: Peter Knäbel, Ausbildungschef des SFV.

«Ich hoffe, das Team zeigt sich so wie bisher, natürlich, ambitioniert, spielfreudig, dann kommt das gut»: Peter Knäbel, Ausbildungschef des SFV.
Bild: Keystone

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Fussball-Diskussion

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Besser kann man eine neue Stelle kaum antreten: Als Peter Knäbel im Herbst 2009 sich ins Amt als Technischer Direktor des Schweizerischen Fussballverbandes (SFV) einarbeitete und sich die Arbeit vorübergehend mit Vorgänger Hansruedi Hasler teilte, wurde die U-17 in Nigeria Weltmeister. Als Technischer Direktor ist Knäbel oberster Ausbildner im SFV, vorher hatte er dieselbe Funktion beim FC Basel ausgeübt. In Dänemark ist der gebürtige Deutsche zudem als Scout unterwegs – den Halbfinalgegner Tschechien hat er zweimal beobachtet.

Peter Knäbel, was für eine Mannschaft erwartet die Schweizim Halbfinal?
Die Tschechen haben einen interessanten Weg hinter sich. Sie sind gegen die Ukraine sehr gut ins Turnier gestartet, hatten gegen Spanien etwas versucht, das komplett schiefging, sind aber sehr gut mit dem Frust umgegangen und haben England bezwungen. Das zeigt, dass sie eine charakterfeste Mannschaft stellen.

Und spielerisch?
Sie sind sehr laufwillig und laufstark, was die Spieler an Kilometern abspulen, ist eindrücklich. Das Spiel ist sehr physisch, ihr 4-1-4-1-System sehr klassisch, und im Sturm haben sie in tschechischer Tradition baumlange Stürmer. Und (unterbricht) ich will den Gegner nun aber auch nicht unnötig starkreden.

Die Aufgabe ist also lösbar?
Sie ist sicher machbar, ja. Wenn unsere Spieler bereit sind zu leiden. Warum sollten wir skeptisch sein? Ich hoffe, das Team zeigt sich so wie bisher: natürlich, ambitioniert, spielfreudig. Dann kommt das gut.

Trauen Sie der Mannschaftden ganz grossen Coup zu?
Es gibt noch zwei Spiele, zwei Spiele kann man immer gewinnen. Sicher traue ich ihr den Titel zu. Und Spanien im Final wäre natürlich ein absolut genialer Widerstand. Ich würde es der Mannschaft wahnsinnig gönnen, gegen Spanien spielen zu dürfen. Wenn wir diese zwei Jahre dauernde EM-Kampagne mit einem Endspiel gegen Spanien abschliessen könnten, wäre das grossartig.

Sind Sie überrascht,wie die Mannschaft auftritt?
Als ich das Kader sah, dachte ich gleich: Doch, das kann etwas werden. Ich habe schon viele EM-Kampagnen mit der Schweiz erlebt und dabei die Erfahrung gemacht, dass es zwei Voraussetzungen braucht, um erfolgreich zu sein: einen guten Torhüter und im Sturm die Wahl – den Rest dazwischen lösen gute Typen. Wir haben Sommer im Tor, wir haben das Trio Gavranovic, Ben Khalifa, Mehmedi im Sturm – dazu die torgefährlichen Frei und Costanzo im Mittelfeld. Insofern hat diese EM meine Erkenntnis nur bestätigt. Überraschend ist, dass es so gut funktioniert. Denn eigentlich ist das Team eine Patchwork-Familie – es hat so noch gar nie zusammengespielt.

Es ist nicht lange her, da wurdedie fehlende Kreativität in den Schweizer Nationalteams kritisiert. Das scheint vergessen, schaut man dieser Mannschaft und ganz besonders Xherdan Shaqiri zu.
Für mich war die Debatte zu plakativ – wobei sie ansatzweise stimmte: Die Genialität fehlte uns lange. Ich habe auf Stufe U-17 viele talentierte Spieler gesehen – Ronaldinho, Nuri Sahin, Wayne Rooney, auch fantastische Spieler aus kleineren Ländern – und dachte: Es kann doch nicht sein, dass wir in der Schweiz keinen einzigen solchen Spieler haben. Und mir war klar: Irgendwann muss es einen geben, allein statistisch gesehen. Dann sah ich Shaqiri und wusste: Wenn wir den loslassen, stehen die Leute auf den Sitzen.

Braucht die Schweiz nicht noch mehr Shaqiris?
Ich bin sicher, dass wir noch ganz viele wie ihn haben – wir müssen sie nur entdecken. Shaqiri zeigt: Die Schweiz ist in der Lage, Kreativspieler wie ihn zu fördern. Das ist in seiner Wirkung nicht zu unterschätzen und kann eine Initialzündung sein. Die Jugendlichen in Basel tragen mittlerweile fast alle das Leibchen von Shaqiri, das ist beeindruckend. Wir haben bewiesen: Sehr wohl kann auch die Schweiz Spieler für höchstes europäisches Niveau ausbilden.

Wo führt ihn sein Weg hin?
Ich hoffe, dass er weiterhin Titel mit dem FC Basel gewinnen will – und damit dann in einer Liga weiterfährt, zu der wir aus der Schweiz aufschauen. Ich erinnere mich, als Chapuisat mit Dortmund die Champions League gewann, Sforza bei den Bayern spielte. Das hat dem Schweizer Fussball viel gebracht.

Wird die Schweiz Europameister, könnte der Wechsel aber schneller Tatsache werden als gedacht.
Xherdan hat in Basel eine gute Basis, er wird dort anständig bezahlt und behandelt und muss nichts überstürzen. Und wenn er einmal wechseln sollte, wünsche ich mir, dass er als Top-Transfer zu einem Verein kommt. Dass es vor allem ein Verein ist, bei dem er sich mit den besten Spielern der Welt messen kann. So kann er wie einst Chapuisat ein Vorbild für junge Schweizer werden.

Sehen Sie den Shaqiri-Effekt schon? Tatsächlich, ja, weil viele Trainer den Mut bekommen haben, etwas auszuprobieren, die Junioren spielen zu lassen. Das könnte aber noch mehr Schwung haben. Meine Meinung ist: Gebt den Jungen einen Ball und lasst sie den Fussball entdecken! Schauen Sie sich nur Emeghara an, von dem hat es geheissen: «Der kann nichts.» Doch! Der will immer den Ball. Fussball macht viel mehr Spass, wenn man den Ball am Fuss hat.

Mit Shaqiri und Affolter im Jahr 2010, mit Xhaka, Mehmedi und Emeghara erst kürzlich debütierten viele junge Spieler unter Ottmar Hitzfeld. Es schien auch schon schwerer, in die Nationalmannschaft aufzusteigen.
Daran arbeiten wir. Momentan sind wir in einem Umbruch, die U-21 versorgt das Nationalteam. Aber ich bin auch der Meinung: Es darf nicht zu einfach werden, der Aufstieg muss künftig wieder ein grösserer Sprung sein. Und das wird er auch, gut zu sehen schon jetzt auf der Torhüterposition. Für Yann Sommer wird der Aufstieg in die Nationalmannschaft steil und schwierig werden, denn wieso sollte Diego Benaglio seinen Platz räumen? Das wird der niemals freiwillig tun. In der Schweiz sind wir mit guten Goalies gesegnet – Yann wird sich gedulden müssen.

Welchen Wert hätte der EM-Titel?
Erst mal dies: Geld spielt weder eine Rolle, noch ist es Motivation. Ideell wäre er hingegen von sehr grossem Wert. Ein solcher Erfolg – wir haben das bei der U-17 erlebt – bringt Akzeptanz und Respekt im internationalen Fussball, für die Spieler, die Vereine, den Verband und auch für den Trainer. Der Wert von Pierluigi Tami dürfte enorm gestiegen sein.

Ihrer auch?
Was für die anderen gilt, gilt vermutlich auch für mich. Natürlich stehe ich während eines solchen Turniers eher in der Öffentlichkeit als sonst, wenn ich mich mit Schiedsrichtern oder dem Breitenfussball befasse, meiner alltäglichen Arbeit eben. Wenn die Schweiz an einem Turnier gut abschneidet, nimmt man in meinem Heimatland schon Kenntnis von mir. Es ist aber nicht etwas, das mich vorwärtstreibt. Mich treibt an, wenn ich merke, dass der Juniorenfussball wie jetzt in der Schweiz Euphorie auslöst. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 22.06.2011, 09:56 Uhr

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2 Kommentare

Beat Wolf

22.06.2011, 11:33 Uhr
Melden 1 Empfehlung

Herr Knäbel, sehen Sie sich dich Schweizer Spiele an ?
Sie sprechen im Interwiew vom Sturm Trio Gavranovic Ben Khalifa Mehmedi..... (Emeghara erwähnen Sie nicht) : Ben Khalifa hat nie gespielt, Gavaranovic praktisch nie...Tut mir leid, versteh nicht
Antworten



Programm & Resultate

Freundschaftsspiel
EndeSpanien - Serbien2:0
EndeSchweiz - Deutschland5:3
EndeNorwegen - England0:1
Playoff
EndeSion - Aarau3:0
Stand: 26.05.2012 20:56
Brussels Ladies Open
26.05EndeRadwanska - Halep7:5 6:0
Stand: 26.05.2012 17:02
GP Monaco 2012 - Qualifikation
1:14.3011 Michael Schumacher
1:14.3812 Mark Webber
1:14.4483 Nico Rosberg
Stand: 27.05.2012 15:28
Keine Daten vorhanden
Keine Daten vorhanden
Roland Garros
27.05Live Cipolla - Wawrinka3:6 3:6 6:4 4:3
Stand: 27.05.2012 15:25
Keine Daten vorhanden
Keine Daten vorhanden
Playoff
17:00Aarau - Sion
Stand: 25.05.2012 09:25
Roland Garros WTA
28.0511:00Radwanska - Jovanovski
Roland Garros
28.0511:00Bolelli - Nadal
28.0511:00Djokovic - Starace
28.0511:00Federer - Kamke
Stand: 25.05.2012 15:24
Keine Daten vorhanden
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