Die deutlichen Spuren von Emile Mpenza
Als der FC Sion im Juni neues Offensivpersonal suchte, stiess Christian Constantin bald auf den Namen Emile Mpenza. Der Präsident der Walliser holte über den Kandidaten ausführliche Informationen bei zwei ehemaligen Walliser Spielern ein: Gelson Fernandes kannte Mpenza aus gemeinsamer Zeit bei Manchester City, Raphaël Wicky war Teamkollege des Belgiers beim HSV. Constantin bekam zu hören, was er hören wollte. Und ging in die Offensive.
Mpenza war von der grossen Bühne verschwunden, parkiert bei Plymouth Argyle. Sein Zeugnis war nicht berauschend: Neun Einsätze und zwei Tore waren der Ertrag aus zwölf Monaten in Englands zweiter Liga. Fernandes hielt das nicht davon ab, Mpenza mit schönen Worten zu empfehlen. Und seinem Kollegen schickte er ein Mail: «Ich habe dich empfohlen. Sion ist interessiert.»
Constantin fordert Bestätigung
Mpenza, mittlerweile 31 und immerhin 54-facher belgischer Nationalspieler, wollte seine Karriere noch einmal neu lancieren. Also reiste der Stürmer, geboren in Brüssel als Sohn kongolesischer Eltern, ins Wallis. Und Constantin wusste genau, was er Mpenza zeigen und sagen musste, um perfekte Überzeugungsarbeit zu leisten. «Ich spürte, dass der Präsident, aber auch der Trainer mich unbedingt wollten», sagt Mpenza. Er unterschrieb für zwei Jahre und hat schon deutliche erste Spuren hinterlassen: Beim Debüt gegen Luzern brauchte er sechs Minuten für sein erstes Tor, gegen Basel traf er 22 Minuten nach seiner Einwechslung. Und gegen Xamax, als er erstmals von Anfang an dabei war, führte er Sion mit einer Doublette zum 3:1-Sieg.
Am Tag danach strahlte Mpenza vor Glück: «Wenn ich könnte, würde ich hier sofort einen Vierjahresvertrag unterschreiben.» Constantin fand: «Vier Tore, das ist ein guter Start. Aber ich weiss, wie das ist mit neuen Spielern. Jetzt erwarte ich die Bestätigung.»
Der Vergleich mit der Formel 1
In der neuen Umgebung fühlt sich Mpenza aufgehoben und willkommen. Das war in seinem Leben als Fussballer nicht immer der Fall, was er auch sich selber zuzuschreiben hat. Als er zwischen Januar 1999 und Juni 2003 für Schalke stürmte, sorgte er nicht nur mit 28 Toren in 79 Partien für Schlagzeilen, sondern auch mit zwei Autounfällen. Einmal schlief er am Steuer seines Ferrari ein und hatte Glück, dass er mit leichten Blessuren davonkam. Die mediale Schelte steckte er nicht einfach so weg. Er beanspruchte die Hilfe eines Psychiaters, um diese Zeit zu überstehen. Und als er sich von seiner Frau trennte, floh er nach Qatar zu Al Rayyan - «nicht, um viel Geld zu verdienen, sondern um Distanz zu bekommen».
Jetzt soll alles besser werden. Mpenza hat nicht vor, Sion schnell wieder zu verlassen. Für die Supporter ist er bereits der Star mit dem klangvollen Namen. Dabei gefällt es ihm gar nicht, ein Star zu sein: «Es ist wie in der Formel 1: Der Pilot benötigt ein schnelles Auto und ein gutes Team. Ich brauche schnelle Beine und Kollegen, die mir helfen.» (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 03.08.2009, 08:02 Uhr







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