Dieser Schmerz tut Favre richtig weh
Von Alexander Kühn. Aktualisiert am 20.02.2012
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Der Gladbacher 2:1-Sieg beim 1. FC Kaiserslautern am Samstag war teuer erkauft. Nach einer grandiosen Startphase mit ebenso grandiosen Toren durch Patrick Herrmann und Juan Arango verliess Herrmann das Feld in der 37. Minute, mit schmerzverzerrtem Gesicht auf der Trage der Sanitäter. Wenig später folgte im Krankenhaus die bittere Diagnose: Schlüsselbeinbruch und sechs Wochen Pause. Wer gesehen hat, was für einen Bruch das Spiel der Borussia nach dem Ausscheiden des 21-jährigen Mittelfeldspielers erlitt, kann sich leicht denken, wie seinem Trainer Lucien Favre nun zumute ist. «Seine Verletzung ist sehr schade für ihn und für uns. Ich bin extrem traurig», sagte der Romand, der mit seinem Team erster Verfolger von Bundesliga-Leader Borussia Dortmund ist.
Herrmann, in den Augen der «Rheinischen Post» «ein personifizierter Beleg der These, dass Lucien Favre Spieler besser macht», stellt den Erfolg der Mannschaft derweil über das eigene Wohlergehen. «Drei Punkte geholt, weiter geht es», postete er am Wochenende trotzig auf seiner Facebookseite. Davon, dass mit dem Schlüsselbein auch sein Traum vom Debüt im deutschen Nationalteam vorerst zerbrochen ist, kein Wort. Diese Einstellung zeigt, was für eine homogene Einheit die in der vergangenen Saison schon beinahe klinisch tote Borussia unter Favre geworden ist. Den Bayern, die über den teuersten Kader der Liga verfügen, fehlt gerade diese Qualität zurzeit schmerzlich.
«Bislang hat Favre immer eine Lösung gefunden»
Der filigrane Herrmann, der bei 179 cm Körpergrösse gerade einmal 68 kg auf die Waage bringt, hat in der laufenden Saison in 19 Spielen sechs Treffer erzielt und acht Torvorlagen geliefert. In der Datenbank des Fachmagazins «Kicker» weist er den ausgezeichneten Notenschnitt von 2,89 auf. Das setzt seinen Ersatz gehörig unter Druck. Dieser heisst wohl Alexander Ring. Ring ist 20 Jahre alt und finnischer Nationalspieler, vor allem aber flink und beidfüssig, was ihn für den schnellen Fussball der Marke Favre wie gemacht erscheinen lässt. Dass er noch keinerlei Bundesliga-Erfahrung besitzt, ist kein Hinderungsgrund. Auch Herrmann war zu Saisonbeginn noch längst nicht der Spieler, der er heute ist. Im Gladbacher Erfolgspuzzle wachsen die einzelnen Teilchen aneinander. «Bislang», so hält die «Rheinische Post» hoffnungsvoll fest, «hat Favre noch immer eine Lösung gefunden.»
Die nächste Partie bestreitet Borussia Mönchengladbach am Freitag zu Hause gegen den Hamburger SV. Die Equipe des früheren FCB-Trainers Thorsten Fink steht nach dem 1:3 im Nord-Derby gegen Werder Bremen unter Druck. Dies und Herrmanns Verletzung erleichtern dem notorischen Tiefstapler Lucien Favre wenigstens die Aufgabe, zu erklären, weshalb seine Mannschaft nicht der grosse Favorit sei.
(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 20.02.2012, 11:09 Uhr



