«Ein Spieler kann auf drei Arten motiviert werden»
Frutiger AG lud ins KKThun
Die Frutiger-Gruppe mit Hauptsitz in Thun gehört zu den führenden Anbietern von Bauleistungen in der Schweiz. Das Familienunternehmen hat eine 142-jährige Tradition und beschäftigt über 2200 Mitarbeiter. In den letzten beiden Jahren sind die Firma Greuter AG und E-Therm AG zur Firmengruppe gestossen. Die Firma Greuter AG führt Spezialtiefbauarbeiten in der ganzen Schweiz aus, während die Firma E-Therm AG schweizerische Marktführerin im Bereich Erdsondenbohrungen ist. Der erwirtschaftete Umsatz der Frutiger-Gruppe im Jahre 2010 betrug 680 Millionen Franken.
Die Frutiger-Gruppe feierte den diesjährigen Kundenanlass im Kultur- und Kongresszentrum in Thun. Aus der ganzen Schweiz reisten über 700 geladene Gäste aus der Wirtschaft und Politik an. Hauptthema war der Durchschlag am Gotthard-Basistunnel, bei welchem die Frutiger-Gruppe am anspruchsvollsten Abschnitt bei Sedrun mitwirkte. Projektleiter Rudolf Lagger berichtete vom komplexen Vorhaben auf der Neat-Baustelle, wo sein Team im Vierschichtbetrieb geschuftet hatte.
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«Als Trainer hat man viele Erwartungen zu erfüllen», sagte der Schweizer Fussball-Nationaltrainer Ottmar Hitzfeld im KKThun, wohin die Frutiger AG rund 700 Gäste aus Wirtschaft und Politik geladen hatte. Um eines vorneweg zu nehmen: Den Erwartungen an sein Referat zum Thema «Erfolgsorientierte Führung eines Teams» konnte Hitzfeld nicht ganz gerecht werden. Zu brav, zu oberflächlich blieb er in seinen Ausführungen. Gut, die Konstellation war angesichts der tristen sportlichen Bilanz der letzten Monate sicher nicht günstig, um gerade zu diesem Thema etwas zu sagen. Vielleicht zierte sich Hitzfeld gerade auch deshalb auch vor einem Besuch in Thun. Jedenfalls begab er sich dann nicht aufs Glatteis und blendete die Schweizer Nationalmannschaft in seinem rund 30-minütigen Referat fast gänzlich aus. Erst ganz am Schluss machte er einen kurzen Link zum WM-Qualifikationsspiel Luxemburg - Schweiz im September 2008, das mit einer 1:2-Niederlage für die klar favorisierte Hitzfeld-Truppe endete. «In Luxemburg, da war doch was?», fragte er rhetorisch in die Runde und erntete einige verhaltene Lacher.
Die Ohrfeige
Ottmar Hitzfeld umkurvte aktuelle Konfliktherde wie die Rücktritte der beiden Basler Alex Frei und Marco Streller aus der Nationalmannschaft. Stattdessen reihte er aus seiner Zeit bei Bayern München Anekdote an Anekdote. So wie damals, als Bixente Lizarazu im Training Lothar Matthäus geohrfeigt hatte und dieser dann wutentbrannt in die Kabine verschwunden war. «Ich habe mir beide Spieler geschnappt und die Sache gleich aus der Welt geschafft», sagte Hitzfeld. Es sei wichtig, Konflikte nicht schwelen zu lassen, sondern rasch zu handeln. «Andernfalls ist der Erfolg des Teams gefährdet.»
Schnelles Eingreifen sei auch nach einem Champions-League-Spiel in Lyon gefragt gewesen. Nach einer Niederlage hatte der damalige Bayern-Präsident Franz Beckenbauer beim Abendessen mit Journalisten eine Brandrede gehalten. Er verglich den Auftritt der Mannschaft mit einem der Uwe-Seeler-Traditionself. «Als Franz das der Mannschaft sagte, wusste ich: Jetzt brennts!», so Hitzfeld. Spieler wie Lothar Matthäus, Oliver Kahn oder Stefan Effenberg hätten sich derartige Kritik nicht bieten lassen. «Ich musste schnell handeln», so Hitzfeld, der als einer der besten Trainer der letzten Jahrzehnte gilt. Er habe die Truppe zusammengenommen und die Gemüter beruhigt. «Wichtig war mir, dass die Spieler gegenüber der Presse nichts sagten. Ein Krieg gegen Franz und die Bild-Zeitung ist nicht zu gewinnen.» Die Zusammenarbeit mit Journalisten sei als Trainer so eine Sache. Er habe immer eine gewisse Distanz gewahrt, sei dabei aber auch ehrlich und respektvoll geblieben.
Die Leidenschaft
Als Trainer habe man viele Rollen zu spielen. Mal sei man Held, mal Sündenbock. Für die Spieler stelle man zudem eine Art Vaterfigur dar. Allen Erwartungen gerecht zu werden, sei fast nicht möglich, sagte der 62-jährige Deutsche. Er sprach in diesem Zusammenhang auch die Kurzfristigkeit im Fussballgeschäft an. «Das Ansehen basiert nur auf Ergebnissen.» Eine zentrale Bedeutung für den Erfolg sei die Motivation. «Ein Spieler kann auf drei Arten motiviert werden: mit Geld, aus eigenem Antrieb oder durch den Trainer.» Es sei sehr wichtig, Leidenschaft vorzuleben und Freude zu vermitteln. Man mochte ob den vielen Erfolgen Hitzfeld glauben, dass er das kann. Bei seinem Referat, das er mehrheitlich vom Manuskript las, liess er die Leidenschaft aber vermissen.
Trotzdem: Dass Ottmar Hitzfelds Gesellschaft immer noch äusserst begehrt ist, zeigte sich nicht nur beim anschliessenden Apéro, sondern bereits kurz vor Abschluss des offiziellen Teils. Christoph Pfaff von der Boogie Connection, welche musikalisch durch die Veranstaltung führte, nutzte die Gunst der Stunde und fragte: «Herr Hitzfeld, dürfen wir ein Foto mit Ihnen machen?» Die charmante Bitte konnte Ottmar Hitzfeld natürlich nicht abschlagen. Nicht zuletzt, weil dies der Respekt gebietet, den er den Menschen entgegenbringt. (Thuner Tagblatt)
Erstellt: 06.05.2011, 12:28 Uhr
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