Ein Team auf Höhenflug

Winterthur bezwang das favorisierte St. Gallen im Penaltyschiessen des Cup-Viertelfinals und empfängt nun den FC Basel.

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Drei Treffer hatte er damals abgewehrt, diesmal brauchte es seine Heldentaten nicht einmal, es half Christian Leite der Pfosten. Der Goalie des FC Winterthur sah den fünften Penalty St. Gallens von Alberto Regazzoni wuchtig ins Feld zurückspringen, Augenblicke später war er umringt von Teamkollegen. Und gleich danach sah er sich mit den Fans auf dem Rasen feiern. Nach dem siegreichen Penaltyschiessen im vergangenen Oktober gegen YB gewann Winterthur nun auch den Viertelfinal in der Nervenentscheidung und warf das favorisierte St. Gallen aus dem Cup. Alle fünf Winterthurer Schützen hatten getroffen.

Damit geht eine bislang so erfolgreiche Cupsaison des FC Winterthur in die nächste Runde. Und was für eine: Im Halbfinal am 11. April wird der grosse FC Basel auf der Schützenwiese gastieren. «Winti – wo Erstaunliches passiert», stand gegen St. Gallen auf ein Transparent geschrieben. Und so war es ja: Im Schatten des Sulzerturms wächst die Mannschaft des FC Winterthur in dieser Cupsaison über sich hinaus. Das kommt gut an. Die Stadt und dieser Traditionsclub, der in der Challenge League ein Schattendasein fristet, dürsten nach Erfolgen wie gegen die Ostschweizer.

Die Euphorie in Winterthur

8500 Eintrittskarten hatte der Club im Vorverkauf abgesetzt und schon am Tag davor vermelden können, dass das Spiel ausverkauft sein würde. Damit blieben die Kassen am Spieltag selbst geschlossen – «zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte», wie Geschäftsführer Andreas Mösli zu berichten wusste. Der Stadionrekord von 12'000 Zuschauern wurde zwar verpasst, dieser bleibt aber ohnehin einer für die Ewigkeit: Seit Ende der Sechzigerjahre, als er in einem Cupspiel gegen Biel aufgestellt worden war, wurde die Kapazität des Stadions Schützenwiese mehrfach aus Sicherheitsgründen eingeschränkt.

Die Euphorie war gross. 55 Matchballspenden waren für den ersten Viertelfinal nach sechs Jahren eingegangen, damals hatte Winterthur Servette bezwungen, ehe es im Halbfinal dem späteren Cupsieger Sion unterlag. Die Gartenstühle in den Restaurants um das Stadion waren lange vor Anpfiff besetzt, früh füllten sich hernach auch die Tribünenplätze. Doch kaum hatte das Spiel begonnen, da erlebten die Fans des Heimteams einen Dämpfer. Und noch einen. Marco Mathys und Manuel Sutter brachten St. Gallen in Führung, bevor 20 Minuten um waren. Es wurde stiller.

Die Winterthurer bissen sich jedoch zurück ins Spiel, nach schönem Zusammenspiel mit Kristian Kuzmanovic gelang Luca Radice das 1:2. Und dieses Tor zeigte dem Aussenseiter: Forcierte er das schnelle Spiel, so überforderte er die Abwehr des Ligakonkurrenten. Gerade über die Seiten. Allerdings gelang es ihm zu selten, dies umzusetzen. Zu oft ging er allzu zaghaft voran.

Je länger das Spiel aber dauerte, desto überlegener wurde Winterthur, erstaunlich wenig schien St. Gallen dem entgegensetzen zu können. Im Mittelfeld war der ungefährdete Leader der Challenge League kaum präsent. Er vermochte den Vorsprung aber zu wahren, weil bei Winterthur Savvas Exouzidis, Ermir Lenjani und Kristian Kuzmanovic beste Möglichkeiten ausliessen. Auf der Gegenseite verpasste Captain Oscar Scarione das mutmasslich entscheidende 3:1 mit kaum erklärbarer Nonchalance.

Und prompt gelang im Gegenzug Patrick Bengondo das 2:2, es war das Tor in der 82. Minute, das den FCW in die Verlängerung brachte. Ausgerechnet Bengondo also, der seinen Kultstatus in Winterthur jenen drei Treffern verdankt, die ihm 2005 im Cup gegen das grosse GC gelungen waren. Nun ermöglichte er das neuerliche Happy End. Bengondo, Winterthur und der Schweizer Cup – es ist eine schöne Beziehung. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

(Erstellt: 22.03.2012, 09:01 Uhr)

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