Ein jüdischer Fussballer in der Stadt der Nazi-Propaganda
Von Oliver Thommen. Aktualisiert am 11.03.2011 3 Kommentare
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Ein Blick zurück in die Geschichte zeigt das schwere Erbe, das die Stadt Nürnberg in Bezug auf die Nationalsozialisten trägt: Ab 1927 veranstaltete die NSDAP in Nürnberg ihren Reichsparteitag. «Der Stürmer», das Hetzblatt der Nazis, erschien ebenfalls in der fränkischen Metropole. Dennoch, Nürnberg hatte auch eine florierende jüdische Gemeinde und beim 1. FC Nürnberg spielten Juden mit. Ja sogar Walther Bensemann, einer der wichtigsten Pioniere des DFB und Gründervater des bis heute angesehenen Sportmagazins «Kicker», war jüdischer Abstammung. Fussball und die deutsch-jüdische Gemeinde waren eng verwoben – auch in der vermeintlichen Nazi-Hochburg Nürnberg. Die Hetze gegen Juden durch die Nazis und die an die Machtübernahme anschliessende Ausgrenzung, Vertreibung und Deportation liessen dann aber nur wenig Jüdisches im deutschen Fussball übrig.
Nur ein einziger jüdischer Profi
Einige kehrten nach dem Krieg zurück, meist als Funktionäre. Doch jüdische Profis gibt es in der aktuellen Bundesliga keine - ausser Almog Cohen. Seit dem Ausschluss jüdischer Spieler im Zuge der Machtübernahme der Nationalsozialisten im April 1933 hat kein jüdischer Spieler mehr für den 1. FC Nürnberg gespielt. Dies änderte sich diese Saison, als der aus Israel stammende Mittelfeldspieler Almog Cohen von Maccabi Netanya verpflichtet wurde. Der kleine Rechtsfuss, der oft mit seinem Vorbild Gennaro Gattuso verglichen wird, will aber von einer politischen Bedeutung nichts wissen.
«Vielleicht», so sagte Cohen gegenüber der «Süddeutschen Zeitung», «reden wir irgendwann nicht mehr nur über Politik. Beim Sport ist es egal, ob du schwarz, weiss, Muslim oder Jude bist.» Zwar bleibt der 22-jährige Cohen an jüdischen Festtagen dem Training und den Spielen fern, am Samstag spielt er aber. Die Integration in Nürnberg sei ohne Probleme verlaufen und auf Antisemitismus sei er bisher nicht gestossen. Zu Beginn hatte er noch Schwierigkeiten, sich der jüdischen Tradition gemäss zu ernähren. Doch dank der jüdischen Gemeinde von Nürnberg lebte er sich recht zügig ein. Übers Essen hat er auch zu seinen besten Freunden innerhalb des Klubs gefunden: die beiden deutsch-türkischen Muslime Ilkay Gündogan und Mehmet Ekici. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 11.03.2011, 16:41 Uhr
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3 Kommentare
Dass in meiner Heimatstadt Nuernberg der Fussballspieler Almog Cohen aus Israel genauso willkommen ist, wie sein Kollege Albert Bunjaku aus der Schweiz, ist selbstverstaendlich. Ich hoffe, auch in Ihrem Land ist dies keine ueberraschende Erkenntnis. Antworten

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