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«Eine Leistung wie gegen Australien reicht gegen England nicht»

Von Sascha Rhyner, René Baumann (Sportinformation). Aktualisiert am 04.09.2010

Die offensive Harmlosigkeit der Schweizer fand im Spiel gegen Australien ihre Fortsetzung. Dazu offenbarten die Schweizer defensive Mängel, wie Ottmar Hitzfeld kritisierte.

Hitzfelds Erkentnisse aus dem Test gegen Australien: «Wir waren in der Defensive zu offen.»

Die Serie ist beängstigend: Nur 28 Tore in 23 Spielen erzielte die Schweiz unter Nationalcoach Ottmar Hitzfeld, das ergibt einen Schnitt von 1,2 Toren pro Match. Seit bald einem Jahr geizen die Schweizer Fussballer regelrecht mit Treffern: 4 Tore in 10 Partien seit dem 3:0 in Luxemburg. Das dürfte kaum genügen, sich zum fünften Mal in Folge für eine Endrunde zu qualifizieren.

Im Test gegen Australien war erfreulich, dass es zahlreiche Schweizer Torchancen zu notieren gab. Neun gute Möglichkeiten hätten zumindest den Siegestreffer einbringen müssen, doch einmal mehr war das Visier der Offensivleute zu wenig präzis eingestellt. «Wir haben uns in der Offensive verbessert und mehr Torgefahr erzeugt», bilanzierte Hitzfeld.

Wenig erfreut war der Selektionär dagegen vom Auftritt der Abwehr. «In der Defensive waren wir zu offen und liessen uns zu leicht auskontern», sagte Hitzfeld. «Eine solche Leistung reicht am Dienstag nicht. England vergibt nicht so viele Chance wie Australien», war er in seiner Analyse schonungslos. Hitzfeld hofft zum Auftakt der EM-Kampagne wieder auf eine kompakte Defensive und ein «Quäntchen Glück» in der Offensive. «Das haben wir uns hoffentlich aufgespart für Dienstag», so Hitzfeld.

Schwacher Auftritt von Derdiyok

Während Captain Alex Frei wenigstens zwei Möglichkeiten – auch einen Foulpenalty – zum Ausbau seiner Rekordquote besass, erarbeitete sich Eren Derdiyok nicht eine einzige Torchance. Zweimal erst war der Leverkusen-Söldner im Nationalteam erfolgreich, während er in der Bundesliga zu den regelmässigen Torschützen gehört.

Die Geduld von Coach Hitzfeld mit Derdiyok dürfte allmählich erschöpft sein, zu oft wurde der Ex-Basler im rot-weissen Dress kaum gesehen. Am Talent kann es nicht liegen, Derdiyok hat im Klubleibchen schon mehrfach seine Klasse aufblitzen lassen. Auch am Samstag in Freienbach im Training jener Spieler, die gegen Australien nicht länger als eine Halbzeit auf dem Platz gestanden hatten, glänzte Derdiyok mehrfach mit herrlichen Torschüssen und Direktabnahmen.

Applaus für Streller

Für viel Applaus unter den spärlich aufmarschierten Trainingsbesuchern sorgte jedoch ein anderer Schweizer Stürmer. Marco Streller war plangemäss am Samstagmittag ins Mannschaftstraining zurückgekehrt, nachdem er seiner verhärteten Oberschenkelmuskulatur in den letzten Tagen eine intensive Therapie angedeihen liess. Die Schonung scheint sich gelohnt zu haben, Streller präsentierte sich in bester Skorerlaune. Die Flankenbälle von Xherdan Shaqiri, Reto Ziegler, Marco Padalino und Stephan Lichtsteiner spedierte er mit wuchtigen Kopfstössen, Scherenschlägen und gelungenen Direktabnahmen ins Netz.

Könnte Streller am Dienstag gegen England die Schweizer Torflaute endlich beenden? Streller freute sich sichtlich über den Applaus des Publikums, er, der auch schon böse Pfiffe wie am Freitag sein Klubkollege Alex Frei hatte einstecken müssen. «Es war ein befreiendes Gefühl, endlich wieder schmerzlos trainieren zu können. Vor einem Länderspiel benötige ich aber drei bis vier Trainings mit der Mannschaft, bis die Sicherheit wieder da ist. Ich hoffe nun einfach, dass meine Muskulatur nicht negativ auf dieses erste Training reagiert.»

Freier Samstagabend

Streller selber geht davon aus, dass er am Dienstag im Heimstadion St. Jakob-Park vorerst auf der Ersatzbank sitzen wird. «Ich bin noch nicht bei 100 Prozent, die beiden Spiele gegen Sheriff Tiraspol und Neuchâtel Xamax innert fünf Tagen waren anstrengend gewesen.» Was ihn jedoch nicht hinderte, sich bereits wieder unter die Torschützen zu reihen und Sturmkollege Frei mit präzisen Zuspielen zu bedienen.

Coach Hitzfeld wird das Abschlusstraining am Sonntagabend abwarten, ehe er sich für den einen oder anderen Sturmpartner von Frei entscheidet. Gegen die mit einem 4:0-Heimsieg über Bulgarien ausgezeichnet gestarteten Engländer wird er sich aber wohl eher für die defensive Variante mit einer Spitze und einem dahinter agierenden zweiten Angreifer entscheiden.

Die Schweizer Mannschaft genoss ab Samstagmittag einen halben Ruhetag und musste sich erst spätabends wieder im Teamhotel einfinden. Am Sonntag stehen individuelle Trainingseinheiten im Hotel und ein Videostudium auf dem Programm, ehe am späten Nachmittag in Freienbach trainiert wird. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 04.09.2010, 20:36 Uhr

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