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Eine Million Dollar von Bin Hammam

Von Thomas Schifferle. Aktualisiert am 31.05.2011 30 Kommentare

Eine Akte erklärt, wie der Katarer versuchte, die Stimmen von karibischen Verbänden zu kaufen. Einzelne Delegierte lehnten die Geldzahlungen ab und lieferten der Fifa Beweismaterial für den Bestechungsversuch.

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Die Akte umfasst 47 Seiten, 35 davon als Anhang, mit Mails und Fotos und Kurznachrichten. Verfasst hat sie John P. Collins von Collins & Collins, einer Anwaltskanzlei in Chicago. Gehandelt hat er im Auftrag von Chuck Blazer, dem Generalsekretär der Concacaf.

Es ist die Akte, die der Fifa-Ethikkommission am Sonntag als Grundlage für ihren Entscheid gedient hat, die Exekutivmitglieder Mohamed bin Hammam und Jack Warner vorerst für 30 Tage zu suspendieren. Der «Tages-Anzeiger» hat sie vollumfänglich gesehen.

Angebliche Visa-Probleme

Die Geschichte beginnt, immer nach der Akte von Collins, am 1. April 2011. Bin Hammam gelangt mit dem Ansinnen an Warner, seine Präsidentschafts-Kandidatur vor der Karibischen Fussball-Union (CFU) präsentieren zu können. Er schreibt: «Lieber Bruder, bitte organisiere das für mich.» Concacaf-Präsident Warner leitet das an Blazer weiter. Blazer schlägt vor, bin Hammam solle doch am 3. Mai vor dem Kongress der Concacaf in Miami reden. Warner antwortet: «Bin Hammam möchte da nicht reden. Ich möchte das auch nicht.» Und am Ende des Mails unmissverständlich: «Das ist die letzte Anweisung in dieser Angelegenheit.»

Die Bemerkungen von Warner sind aus einem Grund aufschlussreich: Bin Hammam erklärt später sein Fehlen in Miami mit Visa-Problemen. Dabei hat er gar nie die Absicht gehabt, dahin zu gehen. Und Warner hat das nicht gewollt, weil er die 25 Mitglieder der Union besser zu kontrollieren glaubt.

Das Foto vom vielen Geld

Am 10. Mai, im Hyatt Regency von Port of Spain, Hauptstadt von Warners Heimat Trinidad und Tobago, hat bin Hammam seinen Auftritt vor der CFU. 40 Minuten redet er. Dann führt Warner die Verbandsdelegierten in einen Konferenzsaal, den Board Room: Nur einer nach dem anderen darf da rein. Drinnen sitzen zwei Angestellte der CFU, Debbie Minguell und Jason Sylvestre. Sie bitten jeden Delegierten, sich zu registrieren, drücken ihm einen Umschlag in die Hand und sagen, das sei ein «Geschenk» der CFU. Dazu schreibt Collins: «Sie sagten dem Funktionär, er soll das Geld zählen, um den Betrag zu bestätigen. Sie instruierten ihn auch, nicht darüber zu reden und keinem das Geld zu zeigen.»

Drei Verbandsvertreter lehnen das «Geschenk» ab. Sie kommen von den Bermudas, den Cayman-Inseln und den Turks- und Caicos-Inseln. Ein spezieller Fall ist Frederick Lunn jr., Vizepräsident von den Bahamas. Er nimmt das Geld. Und fragt: «He, ich muss mit 40 000 Dollar durch die Zollkontrolle.» Minguell rät ihm: «Überweise es dir selbst.» Darauf er: «Machst du Witze?»Lunn jr. schickt seinem Verbandspräsidenten, Anton Sealey, eine SMS. «Ruf mich dringend an. Viele der Kerle nehmen Geld. Es ist traurig.» Sealey schreibt zurück: «Ich bin enttäuscht, aber nicht überrascht. Es ist wichtig, dass du deine Integrität bewahrst.»

Lunn fragt: «Soll ich ein Foto machen?» Sealey: «Natürlich. Ich habe noch nie so viel Geld gesehen. Ich muss wissen, wie das aussieht.» Lunn macht das Foto, es findet sich im Anhang von Collins’ Akte und zeigt vier Bündel zu hundert 100-Dollar-Noten. Sealey meldet sich umgehend bei Blazer, der bis anhin als Vertrauter von Warner gilt. Blazer fragt bei Warner nach, was da mit diesen Geldzahlungen los sei. Warner reagiert am nächsten Tag, dem 11. Mai. Zuerst einmal stellt er sicher, dass keine Journalisten im Saal sind. Dann sagt er, dass das Geld von bin Hammam ist (und eben nicht von der CFU, wie noch am Vortag behauptet). Er sagt aber auch: «Ich bin enttäuscht, dass Offizielle diese Angelegenheit nicht innerhalb der CFU halten konnten.» Er meint Lunn.

«Eine Verschwörung»

Im Anhang finden sich – neben dem Mailverkehr zwischen Warner und bin Hammam sowie zwischen Warner und Blazer – auch die eidesstattlichen Erklärungen von Sealey, Lunn und Blazer, nur die Wahrheit gesagt zu haben. Vertreter der Verbände von den Bermudas, den Cayman und den Turks und Caicos werden als potenzielle Zeugen aufgeführt.

Mit 1 Million Dollar in bar ist bin Hammam in Port of Spain eingetroffen, 40 000 Dollar für jeden der 25 Verbände, damit sie am 1. Juni für ihn als neuen Präsidenten der Fifa stimmen. So weit schildert das die Akte.

Warner entgegnet nun, das sei nur Geld gewesen, um die Reisespesen der Delegierten zu decken. Bin Hammam fordert in seiner neuesten Erklärung vom Montag, dass nun auch seine Zeugen angehört würden. Chuck Blazer wiederum kommentiert: «Es war von Anfang an eine Verschwörung von bin Hammam und Warner.»Fred Lunn jr. übrigens hat das Geld nicht mehr. Er hat Sealey geschrieben: «Es tut weh, das zurückzugeben. Aber es ist die richtige Entscheidung.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 31.05.2011, 08:24 Uhr

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30 Kommentare

Manuel Schaub

31.05.2011, 09:47 Uhr
Melden 23 Empfehlung

Irgendwie fände oich es gar nicht so schlimm, wenn die FIFA nicht merh in Zürich wäre... Antworten


Daniel Spörri

31.05.2011, 09:08 Uhr
Melden 20 Empfehlung

Hand auf's Herz - hat jemand etwas Anderes erwartet? Sepp Blatter macht aus alledem ja auch gar keinen Hehl, wenn er von der FIFA stets als der "Familie" spricht, mit ihm als Paten an der Spitze. Antworten



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