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«Es gibt keinen Ausverkauf»

Von Peter Bühler, Thomas Schifferle. Aktualisiert am 27.05.2011 47 Kommentare

Präsident Ancillo Canepa ärgert sich, dass nicht mehr Zuschauer zu den Spielen des FCZ kommen. Und erzählt, was seine Frau Heliane vom Fussball versteht.

«Es wird wahrscheinlich zu Abgängen kommen»: Ancillo Canepa, Präsident des FC Zürich.

«Es wird wahrscheinlich zu Abgängen kommen»: Ancillo Canepa, Präsident des FC Zürich.
Bild: Reto Oeschger

Die Zukunft

Personalfragen: Derzeit umfasst das Kader 24 Spieler, dazu kommen 8 Spieler, die ausgeliehen sind: Gajic (GC), Büchel (La Coruña, 2. Team), Silvio (Lausanne), Gonçalves (Aarau), Iwanischwili, Lattmann (beide Schaffhausen), Staubli (Lugano), Tahirovic (Castellon).

Es ist möglich, dass Silvio, Gonçalves und Lattmann die Vorbereitung auf die neue Saison beim FCZ aufnehmen und Gajic definitiv von GC übernommen wird. Aus der eigenen U-21 steigen Josip Drmic und Maurice Brunner ins Kader auf, das spätestens Ende August auf 23 Spieler reduziert werden soll.

Die möglichen Abgänge:
Djuric und Teixeira sollen Anfragen aus der Bundesliga haben, Zouaghi ist unzufrieden, weil er mehr Spielpraxis haben möchte, und Guatelli hat keine Lust mehr, hinter Leoni weiter die Nummer 2 zu sein.

Saison-Vorbereitung:
Am 16. Juni startet der FCZ die Vorbereitung auf die neue Saison, die bereits am 15. Juli anfängt. Vom 24. Juni bis 2. Juli ist er in Celerina im Trainingslager, sechs Testspiele sind fixiert, darunter am 9. Juli in Grenchen eines gegen Dortmund.

Europacup:
Am 15. Juli wird die dritte Qualifikationsrunde zur Champions League ausgelost (Spieldaten 26./27. Juli. und 2./3. August). Als mögliche Gegner für den FCZ stehen bereits fest: Rubin Kasan, Dynamo Kiew, Timisoara, Benfica, Twente, Trabzonspor, Standard Lüttich und Odense. Für das Playoff vom 16./17. und 23./24. August sind bereits qualifiziert: Arsenal, Villarreal, Udinese, Bayern München und Lyon oder Paris St-Germain. Im Playoff wäre dem FCZ eine Startprämie der Uefa von 3 Millionen Franken garantiert.

Scheitert er in der 3. Qualifikationsrunde, bietet sich ihm noch immer die Möglichkeit, sich über ein Playoff für die Gruppenspiele der Europa League zu qualifizieren. Sollte er erst im Playoff zur Champions League scheitern, steht er direkt in der Europa League.

Der starke Nachwuchs:
Um die Zukunft ist Canepa nicht bange. In der ersten Mannschaft sieht er schon «viele sehr, sehr hoffnungsvolle Spieler». Der FCZ hat die bestplatzierte U-21-Mannschaft in der 1. Liga, als Zweiter in der Gruppe 2. Die U-18 ist Meister und im Cupfinal, die U-16 ist Dritter, die U-15 führt ihre Gruppe an, die U-14 ist Zweiter. Der FCZ lässt sich seine Academy jährlich rund 3 Millionen Franken kosten.

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Korrektur-Hinweis

Melden Sie uns sachliche oder formale Fehler.

Ancillo Canepa, wie geht es Ihnen am Morgen nach der verlorenen Meisterschaft?
Ich bin gefasst und richte den Blick schon wieder nach vorne. Wir haben den Titel ja nicht gestern (am Mittwoch) verloren. Ich hatte schon nach dem 2:2 gegen Basel meine Befürchtungen, dass wir es nicht schaffen. Da vergaben wir zu viele Matchbälle. Was mir gegen Thun missfiel, war die schlechte Qualität unseres Spieles – und die Zuschauerzahl.

Mussten Sie deshalb im Stadioneine Kopfwehtablette nehmen?
Vielleicht, ja. 15 200 Leute bei einer Finalissima, in der wir noch die Chance hatten, Meister zu werden, sind zu wenig.

Wie erklären Sie sich das?
Zürich ist eine Eventstadt, die Konkurrenz ist riesig. Wir haben zwei Fussballklubs, es gibt Eishockey, diese komische Street-Parade . . . Ich werde in der Stadt zwar andauernd auf den FCZ angesprochen, viele sagen mir: «Ich bin FCZ-Fan.» Aber ins Stadion kommen sie doch nicht, ausser der Gegner heisst Real oder Milan. Für das Spiel gegen Real hatten wir 200 000 Anfragen für Tickets! 200 000! Es ist manchmal frustrierend. Und es braucht mitunter viel Eigenmotivation, immer weiterzumachen. Wir reissen uns den Hintern auf, und trotzdem haben wir kein grösseres Publikum. Mit 12 000 Zuschauern im Schnitt kann ich nicht zufrieden sein. Der FCB hat 28 000, YB 25 000 – das gibt mir schwer zu denken.

Offenbar hatten aber nicht nur Sie wegen des Unentschiedens gegen Basel zu leiden, sondern auch die Spieler. Oder warum liessen die sich beim 1:3 gegen GC derart gehen?
Ich kann nicht in ihre Köpfe schauen. Auch mir ist die Leistung im Derby unerklärlich. Im Fussball spielt die Psyche halt eine grosse Rolle. Während unserer Serie von acht Siegen beanspruchten wir auch hin und wieder das Glück des Tüchtigen.

Waren Sie am Mittwoch eigentlich überrascht, Alain Bieri als Schiedsrichter zu sehen?
Ich staunte. Er war es ja gewesen, der im Dezember beim 1:1 in Luzern ein klares Offsidetor gegen uns anerkannte. Schon damals hoffte ich, dass diese beiden verlorenen Punkte nicht noch die Meisterschaft entscheiden könnten. Leider ist es genau so gekommen.

Der FCZ hätte ja auch einmal gegen Basel gewinnen können.
Basel ist eine sehr starke Mannschaft. Und Basel hat Alex Frei.

Ist Basel ein verdienter Meister?
Wer am Schluss vorne steht, ist ein verdienter Meister.

Kann sich der FCZ damit trösten, über die ganze Saison den besseren Fussball gespielt zu haben?
Vielleicht, obschon auch wir einige weniger gute Spiele hatten. Aber Meister ist Basel. Das ist entscheidend.

Sie leiden mit auf der Tribüne . . .
. . . ja . . .

. . . aber wer leidet denn mehr: Sie oder Ihre Frau Heliane?
Wir leiden beide. Sie ist nervöser, zappeliger. Sie ist ein Fan. Ich will während des Spiels mit keinem reden, ich will mich auf das Spiel konzentrieren.

Versteht Ihre Frau mehr vom Fussball als Sie?
(lacht laut) Als wir uns vor bald vierzig Jahren kennen lernten, hatte sie wenig Ahnung. Ich spielte einmal mit Rüti gegen Wollerau, wir führten zur Pause 3:0, am Schluss stand es 6:0. Meine Frau wollte mich trösten, weil sie meinte, das Spiel sei 3:3 ausgegangen. Sie hatte nicht realisiert, dass die Seiten gewechselt wurden.

Und wie ist das heute?
Sie hat sehr grosse Fortschritte gemacht, sie versteht mittlerweile sehr viel. Manchmal fast zu viel.

Mussten Sie sich am Mittwoch auf der Heimfahrt vom Letzigrund nach Rüschlikon gegenseitig trösten?
Wir schwiegen vor uns hin. Was bei meiner Frau allerdings eher die Ausnahme ist, wenn es um Fussball geht.

Suchen Sie in fussballerischen Dingen den Rat Ihrer Frau?
Nein. Aber wir diskutieren darüber.

Aber Sie hat sicher ein Urteil über diese Mannschaft.
Sie freut sich vor allem darüber, dass wir viele gute junge Spieler haben.

Sie und Ihre Frau rauchen während eines Spiels permanent . . .
. . . am Mittwoch rauchte Heliane nicht eine Zigarette. Ich weiss, in dieser Hinsicht sind wir keine Vorbilder. Aber ich will nicht auf alles verzichten. Wenn wir schon nicht Meister sind, will ich wenigstens meine Pfeife rauchen.

Ihre Frau ist eine Führungskraft in der Wirtschaft. Haben Sie Mühe, wenn Sie ihr erklären müssen, weshalb der FCZ einen Verlust von 8,6 Millionen Franken gemacht hat?
Das hat nichts mit meiner Frau zu tun. Der FCZ hat ja diesen Verlust gemacht.

Aber Sie sind verantwortlich dafür.
Ja, das bin ich. Und ich bin darüber gar nicht glücklich. Aber der Grund ist einfach: Wir waren in dieser Saison im Europacup nicht dabei.

Dem FCZ fehlen einerseits die Einnahmen aus dem Europacup, andererseits sind die Ausgaben zu hoch. Allein die Personalkosten betragen 10,7 Millionen Franken.
Wir wussten im letzten Sommer auch, dass sich der Schweizer Meister diese Saison direkt für die Champions League qualifiziert. Wir verstärkten uns, wir verpflichteten während der ganzen Saison sechs neue Spieler. Wir wollten mit dem bestmöglichen Kader spielen – und das ist nun einmal nicht gratis.

Das war eine Risikostrategie.
Wir gingen Risiken ein, die Strategie ging nicht auf wie erhofft. Aber wir sind ja nicht völlig weg vom Fenster. Wir spielen immerhin noch die Qualifikation zur Champions League.

Mit dem Erreichen der Gruppenphase kann der FCZ nicht rechnen.
Im Fussball hat man immer eine Chance, selbst wenn der Gegner Bayern München oder Arsenal heisst. Aber es ist klar: Rechnen können wir mit diesen Einnahmen nicht – also müssen wir sparen.

Das heisst konkret?
Wir werden das Budget von 26 auf rund 20 Millionen Franken kürzen. Es wird wahrscheinlich zu Abgängen kommen.

Sind Sie gewillt, jeden Spieler, der weg will, auch gehen zu lassen?
Nein, überhaupt nicht. Es gibt keinen Ausverkauf beim FCZ. Wir bleiben ambitioniert.

Sie wollen sechs Millionen einsparen und trotzdem Meister und Cupsieger werden?
Das muss das Ziel sein. Profifussball ist immer eine Gratwanderung, es sei denn, der Klub hat einen Abramowitsch.

Oder eine Gigi Oeri?
Ja, vielleicht auch.

Und Ihre Frau ist nicht die Gigi Oeri des FCZ?
Sicher nicht. Sie unterstützte mit Privatsponsoring unsere Academy (Nachwuchs) und den Frauenfussball.

Sie würde bei einem nächsten Defizit nicht ihr Portemonnaie öffnen?
Das ist eine falsche Annahme. Es ist ohnehin nicht ihr Portemonnaie, wir haben ein gemeinsames. Und ich sehe mich nicht als Mäzen. Ich habe so schon genug bezahlt.

Wie lange bleibt Urs Fischer noch FCZ-Trainer?
Ich hoffe, so lange wie möglich.

Er war vor einem Jahr Ihre Wahl gewesen. Über Ihre Aussage, ein Personalentscheid sei Ihnen noch nie so leichtgefallen, wurde geschmunzelt . . .
. . . und jetzt muss ich schmunzeln, wenn ich die Kommentare lese, welche Akzeptanz er findet, wie viele gemerkt haben, dass er ein toller Trainer ist.

Sie sind offenbar ein Visionär.
(schmunzelt) Das sagen Sie.

Was hat Sie an Fischer überzeugt?
Ich hatte ihn während vier Jahren beobachtet und gesehen, wie er arbeitet, wie er mit den Leuten umgeht. So viel Menschenkenntnis habe ich schon, um zu sehen: Wow, das ist ja ein Diamant.

Haben ihn die Spieler gern? Oder Angst vor ihm?
Sie haben ihn gern. Aber wieso Angst?

Weil er so laut ist.
Er ist geradlinig, er fordert und fördert, er ist unerschrocken und mutig.

Können Sie sich vorstellen, dass ein FCZler wie Fischer einen anderen Klub trainieren kann?
Leider kann ich mir das vorstellen.

Mourinho zittert schon.
(lacht) Ja, ja, schon gut. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 27.05.2011, 08:08 Uhr

47

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47 Kommentare

Amon Scherrer

27.05.2011, 09:03 Uhr
Melden 27 Empfehlung

Tolles Interview. Und sobald ich keine Angst mehr haben muss vor Schlägereien, gehen wir ev. auch mal wieder in Stadion. Aber ich kann ja schlecht die Kinder mitnehmen, am Ende haben die Tränengas in den Augen. Antworten


Fabio Bonina

27.05.2011, 08:51 Uhr
Melden 26 Empfehlung

Herr Caneppa, mit einem solchen "Lausigen" Stadion werden Sie selten bis wenig mal ein volles Haus haben. Es kann ja nicht sein, dass eine Tartarbahn für Leichtathletik ums Spielfeld ist. Dass nimmt den "Kessel" effekt massiv. Abgesehen davon ist der FCZ leider in einer Stadt zuhause wo die Leute lieber ins Kaufleuten gehen um sehen und gesehen werden zu zellebrieren. Antworten



Programm & Resultate

Freundschaftsspiel
EndeSpanien - Serbien2:0
EndeSchweiz - Deutschland5:3
EndeNorwegen - England0:1
Playoff
EndeSion - Aarau3:0
Stand: 26.05.2012 20:56
Brussels Ladies Open
26.05EndeRadwanska - Halep7:5 6:0
Stand: 26.05.2012 17:02
GP Monaco 2012 - Qualifikation
1:14.3011 Michael Schumacher
1:14.3812 Mark Webber
1:14.4483 Nico Rosberg
Stand: 27.05.2012 15:36
Keine Daten vorhanden
Keine Daten vorhanden
Roland Garros
27.05Live Cipolla - Wawrinka3:6 3:6 6:4 6:3
Stand: 27.05.2012 15:35
Keine Daten vorhanden
Keine Daten vorhanden
Playoff
17:00Aarau - Sion
Stand: 25.05.2012 09:25
Roland Garros WTA
28.0511:00Radwanska - Jovanovski
Roland Garros
28.0511:00Federer - Kamke
28.0511:00Bolelli - Nadal
28.0511:00Djokovic - Starace
Stand: 25.05.2012 15:24
Keine Daten vorhanden
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