«Es wird die Hölle los sein»
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Weit nach Mitternacht kehrte die Delegation aus Sofia nach Podgorica zurück, und es hatte seinen Grund, dass die Nacht noch weiter abgekürzt wurde. Im Hotel wurde das bemerkenswerte 1:0 in Bulgarien gefeiert, das den Kleinstaat Montenegro träumen lässt. Das Team startete als klarer Aussenseiter der Gruppe und steht nach dem 1:0 gegen Wales mit dem Punktemaximum da.
Seinen Beitrag dazu leistete auch Elsad Zverotic, der in Wattwil aufgewachsen ist und seit zwei Jahren für den FC Luzern verteidigt. Dem 23-Jährigen, in der Nationalmannschaft im zentralen Mittelfeld daheim, glückte gegen die Bulgaren in seinem 18. Länderspiel sein erstes und erst noch entscheidendes Tor. Es ist auch das Tor, das die Schweizer unter Druck setzt.
Elsad Zverotic, 2 Spiele, 6 Punkte: Was macht Montenegro so stark?
Der Teamgeist, die Atmosphäre in der Mannschaft, das ist unbeschreiblich. Ich habe noch nie eine solche Solidarität erlebt, wie jeder für den andern da ist, wie selbst jene, die auf der Bank sitzen, die Kollegen unterstützen.
Reicht der Zusammenhalt bereits, um erfolgreich zu sein?
Nein, wir haben schon auch individuelle Klasse. Mirko Vucinic von der AS Roma ist das beste Beispiel. Er ist ein aussergewöhnlicher Spieler. Simon Vukcevic von Sporting Lissabon ist ein anderes.
Das klingt wie eine Vorwarnung an die Schweizer.
Ich muss niemanden warnen. Die Schweizer sind gegen uns immer noch die Favoriten. Sie haben ihr erstes Spiel verloren, ja, aber das war immerhin gegen die Engländer.
Trotzdem stehen sie bereits unter Druck, wenn sie am 8. Oktober in Podgorica gastieren.
Das ist so, ja. Die Schweizer müssen dann gewinnen, wir dürfen gewinnen. Und wir haben den Vorteil, dass viele Leute uns unterschätzen. Dabei verfügen wir nicht nur über Qualitäten in der Offensive, auch die Abwehr ist sehr stabil. Immerhin haben wir in den ersten zwei Partien keinen Treffer erhalten.
Welchen Einfluss hat Trainer Zlatko Krancjar?
Er ist ein kommunikativer Trainer, der grossen Wert auf Disziplin legt, auf eine saubere Organisation, aber auch auf Kombinationsfussball. Er sieht es überhaupt nicht gern, wenn wir uns verstecken, er fordert von uns, auch frech und mutig zu sein.
Was erwartet die Schweiz in Montenegro?
Es wird die Hölle los und das Stadion ausverkauft sein. Die Siege gegen Wales und Bulgarien haben eine gewaltige Euphorie entfacht. Es wird eine sehr emotionale Stimmung herrschen. Die Erwartungen sind sprunghaft gestiegen.
Was gäbe es mit einer Teilnahme an der EM zu verdienen?
Diese Verhandlungen sind noch im Gang. Vorerst erhält jeder für den Sieg 6000 Franken.
Platz 2 wird jetzt aber der Anspruch sein, oder?
Das ist sicher möglich. Weissrussland gewinnt in Paris gegen Frankreich, wir haben uns im letzten Jahr gegen Weissrussland durchgesetzt . . .
Das heisst?
Dass wir in der Lage sind, eine Überraschung zu schaffen in dieser Gruppe. Wir haben das Selbstvertrauen, als Nächstes gegen die Schweiz zu bestehen. Wir sind enorm hungrig auf Erfolge. Wenn alles normal läuft, wird sich England direkt qualifizieren. Dahinter ist alles offen. Wir kämpfen mit der Schweiz um Platz 2 – und man sollte weder Bulgarien noch Wales schon abschreiben. Das wäre voreilig. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 09.09.2010, 10:11 Uhr



