FC Abstiegskandidat

Der FCZ nähert sich einem Fiasko, wenn er seine Defizite nicht schleunigst behebt.

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Der Himmel: grau. Der Wind: kalt. Die Mannschaft: anders. Und der Auftritt: karg.

0:1 hat der FCZ am Sonntag gegen Sion verloren. Es war die Premiere nach der Winterpause, und bei Premieren hapert es oft. Es wäre deshalb gewagt, aus diesem Match Wahrheiten abzu­leiten für die 17 Partien bis zum Saisonende. Und doch gab es Mängel genug, die dem Club Sorgen bereiten müssen.

Der FCZ wird seit 2006 von Ancillo Canepa geführt. Wie viele fragwürdige Personalentscheide er in den ver­gangenen Jahren gefällt hat, haben wir an dieser Stelle schon ausgeführt. Der Chef stellt die Fehler gern in Abrede oder macht andere verantwortlich.

Nef – und andere Sorgen

Die Folgen der Personalpolitik spiegeln sich in den Resultaten der Mannschaft. Am Sonntag stand ein Team auf dem Platz, das bis zur Pause ordentlich auftrat, später in Überzahl das 0:1 kassierte und von da an blockiert war. In der zweiten Halbzeit erspielte sich der FCZ keine gute Torchance.

Im Sommer 2013 hatte der Club das Gefühl, er müsse Alain Nef als Abwehrchef zurückholen. Es war ein Transfer vielleicht auch für die Südkurve. Der Wädenswiler und frühere Meister­spieler ist eine Identifikationsfigur, ein sympathischer, offener Typ. Seinen fussballerischen Zenit aber hat er schon länger überschritten, es fehlt ihm an Tempo und Beweglichkeit. Bei YB waren sie froh, Nef loszuwerden. Nun ist der Innenverteidiger 34-jährig. Gegen Sion liess er sich vor dem Gegentor zu leicht überwinden.

Nef wird kaum mehr Platz in der Startformation finden, wenn Leonardo Sánchez bereit ist. Ungewiss ist allerdings, wie schnell sich der neue, 191 cm lange Argentinier einfügen und eine Führungsrolle übernehmen kann; wie gut er tatsächlich ist. Der FCZ hat ihn nie live spielen sehen. Im inter­nationalen Scouting ist der Club für einen Verein mit höheren nationalen Ambitionen schlecht aufgestellt.

Neben Nef kennt die FCZ-Abwehr weitere Problemzonen. Auf der rechten Seite war Philippe Koch einst ein Talent, hat aber bald stagniert und ist nur noch ein Durchschnittsverteidiger. Auf links wehrte sich gegen Sion Cédric Brunner. Der bald 22-jährige Student ist bemüht, loyal und engagiert. Deshalb hat er sich für den Moment durchgesetzt gegen den spielstarken, aber auch langsamen Vinicius. Ob seine Qualitäten auf Dauer genügen? Auch Brunner war beim Tor der Walliser mitschuldig.

Yapi – und das ideenlose Spiel

Mit dem Duo Yapi/Kukeli hatte sich der FCZ im Herbst 2014 unter Urs Meier an die Ligaspitze gespielt. Dann erlitt Yapi eine schwere Verletzung – und der FCZ lag zum Saisonende 25 Punkte hinter Meister Basel zurück. Der neue Trainer Sami Hyypiä scheint für Kukeli so wenig Sympathien zu haben wie für Cabral. In Basel war Cabral am besten, als seine Rolle klar war: Er machte im Zentrum den Zuarbeiter für die talentierteren Kräfte. Der FCZ verpflichtete Cabral als Führungsspieler. Der 27-Jährige, mit Fitnessmängeln gekommen, hat sich auch wegen seiner Selbstgefälligkeit bald unbeliebt gemacht bei Mitspielern.

Bleiben für das zentrale Mittelfeld der junge Anto Grgic (19) und Yapi, solange Hyypiä Oliver Buff aus Personalnot am rechten Flügel aufstellt. Mit dieser Position kann sich Buff schlecht anfreunden. Sie kommt ihm auch nicht entgegen, weil ihm Tempo fehlt. Der bislang torgefährlichste Mittelfeld­spieler der Mannschaft (4 Treffer in der Liga, 1 im Cup), entfaltet im Zentrum hinter den Spitzen beste Wirkung – wenn er aus der Tiefe kommen und in offene Räume vorstossen kann.

Yapi, der menschlich feine Captain, ist jetzt 34. Er hatte im Sion-Match Mühe, bei Ballbesitz seinen Job zu erfüllen und die Angriffe auszulösen. Das ist nicht nur seine Schuld, weil ihm vorn die Anspielmöglichkeiten fehlten, weil die Reihen des FCZ nicht ineinandergriffen, weil Bua auf links einen schwachen Tag einzog und Buff wirkungslos blieb. Es gab gegen Sion Phasen, da schob der FCZ den Ball über Yapi immer wieder hin und her, ohne Raumgewinn. Frei von Einfällen. Und Kreativspielern. Frühere Begleiter Yapis fragen sich, ob der Mann von der Elfenbeinküste der Belastung standhält, die Gruppe durch den Abstiegskampf führen zu müssen. Ob Rück­kehrer Marco Schönbächler das von Hyypiä gewünschte Flügelspiel beleben und alles besser machen könnte in der FCZ-Offensive? Er war fast ein Jahr lang verletzt und hat nun erneut Schmerzen in der Leistengegend. Weil falsch trainiert wird? Konditionstrainer Alex Kern wird von vielen Seiten kritisiert.

Kerschakow – und die Lücke

Wäre die körperliche Fitness tatsächlich das entscheidende Argument für einen Platz beim FCZ, wie Canepa vor der Degradierung des mittlerweile begnadigten Davide Chiumiento behauptet hat – der Club hätte Alexander Kerschakow nicht verpflichtet. Der 33-Jährige, vor seinem Wechsel nach Zürich seit Mai 2015 ohne Einsatz und seit Oktober 2014 ohne Tor, war gegen Sion bemüht, aber ohne Bindung zum Spiel, ohne Kraft, ohne Finesse. Ein Fremdkörper.

Hyypiä hätte den Russen ersetzen müssen. Das ging schlecht. Der FCZ hat keine Angreifer mehr, seit er in der Winterpause Chermiti weggeschickt sowie Gavranovic und Sadiku ziehen lassen hat. Sadiku, bester FCZ-Torschütze in der ersten Saisonhälfte, verstärkt nun leihweise Vaduz, Konkurrent im Abstiegskampf. Der albanische Nationalspieler hat beim 5:2 in Lugano zwei Tore erzielt und zwei vorbereitet.

Der FCZ steht auch deshalb wieder auf dem letzten Tabellenplatz. Wenn er seine spielerischen Defizite nicht lösen kann, ist er nicht besser als Vaduz und Lugano, obwohl er die Saison mit rund 20 Millionen Franken bestreitet und die Konkurrenz mit 5, 6 oder 7. Luzern und Lugano, beide auswärts, sind die nächsten Gegner. Ohne Punkte da oder dort wird die Lage: noch unge­mütlicher. Und die Unruhe: noch viel grösser.

(Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 11.02.2016, 23:13 Uhr)

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